Akte 
Manuskript "Leben und Arbeit"
Entstehung
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Haushalt,

Fabrik und

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flege

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Irrennstalt

Rina

Der Sommer des Jahres 1894 brachte gleich zu Beginn drückend heisseTage in Landsberg an der Warthe . Friedrich Theodor Gohlke hatte denPan, in die Küstrinerstrasse 50 umzuziehen, inzwischen zwar verwirk-lichen können, aber leider nicht so, wie er es sich vorgestellt hatte.

Als er vor 15 Jahren an einem Samstag" pätnachmittag über die Warthe-brücke polterte, un seiner Tochter Marie/ den ersten Willkommensgrussauf dieser Welt zu sagen, hatte er sich in Gedanken als alleiniger Be-wohner eines Hauses gesellen, mit allem, was dazugehört, un eine Fami-lie gut versorgen zu können. Es war anders gekommen, wie immer in Va-ter Gohlkes Leben, Wenn es einmal so aussah, als ob es nun endgültigaufwärts ginge, passierte etwas, womit niemand rechnen konnte. Erbrauchte nur an den Brand zu denken, der vor einem Jahr in dem Neubauhinter dem Marktplatz ausgebrochen war und bei dem nicht nur das ge-samte eingebaute Holz samt fertigen Dachstuhl, sondern auch alle Plä-ne und Zeichnungen mit verbrannt waren. Otto, von seiner dreijährigenMilitärausbildung gerade nach Hause gekommen, hatte zwar nie viel losgehabt im Plänezeichnen, aber er konnte dem Vater beim Nachrechnen derPläne helfen, wobei er sich manches Mal inrte, weil er mit einen Ge-danken nicht bei der Arbeit, sondern bei Mariechen Meier war, die imgleichen Hause wohnte. Dabei war sich Otto garnicht einmal klar darüberber, ob er tatsächlich sein Herz an sie verloren hatte. Anna Gottschliminteressierte ihn gleichermassen, wahrscheinlich aber nur deshalb,weil sie erst kürzlich von einem Besuch aus Amerika zurückgekommen warund sehr viele und interessante Dinge von diesem Land zu erzählenwusste. Otto, der selbst nie viel sagte, brachte ihr nur zuzuhören.In dieser Zeit war er aber manches Mal nicht ut zu leiden, was immerdann bei Menschen einzutreten scheint, wenn sie sich in Herzenssachennicht mehr auskennen.

G

Als Vater Gohlke die Dachwohnung in der Küstrinerstrasse mietete undman dabei war, das Gohlke'sche Hab und Gut aus dem Haus des Pischhänd-lers Höhne herunterzutragen und aufzuladen, entdeckte Otto, dass derSchuhmacher in der selbstverständlichen Annahme, dass er ebenfallsmit in die Küstrinerstrasse ziehen würde- seinen Kram auf den Jagengepackt hatte. Otto feuerte den ganzen Krempel des anhänglichen Schlaf-burschen mit einem solchen Schwung von Wagen herunter, dass die einzel-nen Teile, darunter auch viel Handwerkszeug, weit verstreut auf derStrasse