allguy
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Als Marie an einem dieser Tage, der das Schicksal der Fabrik undvieler arbeitender Frauen besiegeln sollte, müde und zerschlagennach Hause kam, war sie von den Problemen, mit denen sie sich ab-quälte, so abgelenkt, dass sie weder mit der Näharbeit, die ihr dieMutter in die Hand gerückte hatte, noch mit der kleinen Lisbethetwas anfangen konnte.
Als Vater und Mutter nebenan im Schlafzimmer waren und Elisabethzu Bett brachten, bat Marie ihren Bruder, noch ein Stück mit ihrspazieren zu gehen.
" Was Schlimmes? Etwa so wie neulich?"
Marie schüttelte unwillig den Kopf." Unsinn! Etwas Politisches."
Auf der Strasse erzählte sie ihm, was sich in der Fabrik ereignethatte, mit allen Binzelheiten, auch mit ihrer eigenen Meinung da-
zu:
" Ich finde es richtig, dass Frauen nicht mehr nachts arbeiten sol-len. Deshalb ist das Gesetz nicht arbeiterfeindlich. Aber
ist
Les es nicht richtig W, viele von den Frauen auf dieStrasse zu setzen, die ihre Familie ernähren müssen."
" Ist alles ganz richtig, Marie, aber das ist ein Übergangszustand.Und so wie in Deiner Fabrik ist es ja nicht überall. Wir in Lands-gegen dasberg sind ja rückschrittlich Xxxxxxx, was in den grossen Städtengeschieht. Die Frauen, die bed Euch entlassen werden, finden be-stimmt wieder Arbeit."
" Gut, aber was geschieht mit den Familien, während die Frauen keineArbeit haben? Wovon leben sie? Wie ergeht es den Kindern? Vielevon den Frauen denken sozialistisch, das habe ich schon festge-stellt, aber gerade weil sie wissen, dass die Sozialdemokraten die-ses Gesetz forderten, verstehen sie die Zusammenhänge nicht."
" Dann müssen diese Frauen aufgeklärt werden, Marie. Wenn man es ih-nen richtig beibringt, werden sie es verstehen. Du siehst ja selbst,was inzwischen aus unserem Landsberg geworden ist. Überall sind neueFabriken entstanden, unsere Einwohnerzahl wird immer grösser, dieStadt kommt schon garnicht mehr mit, neue Häuser zu bauen für dievielen Menschen, die ständig nach Landsberg ziehen. Das ist ja ge-rade das ungesunde an diesem Wirtschaftssystem, weil die Mehrzahlder Arbeiter sich für schlechtes Geld abschuften muss, und wenigestecken den Ra Gewinn ein."
" Das weiss ich, Otto, und deshalb verlangere ja auch die Sozialdemo-