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nis, denn er liess sich auch nicht allzu häufig sehen, wirbelte in derStadt umher, kümmerte sich um seine Kunden, und sorgte dafür, dass inder Schneiderei die Arbeit nicht ausging. Als er sah, wie Marie mit al-len Schneiderarbeiten alleine fertig wurde, verzichtete er auf die Ein-stellung eines Gesellen." Das Geld können wir uns sparen", war seine Mei-nung.
Wie Marie sich dann doch entschloss, zu heiraten, ist ihr selbst nie ganzklar geworden, obwohl es sich doch um einen entscheidenden Schritt handel-veranderyte, von dem sie annahm, dass er ihr ganzes bisheriges Leben compenwürde. Sie hatte Bernhard niemals eine klare Antwort gegeben, sondern im-mer die letzte Entscheidung hinausgezögert, weil sie sich gerade in dieserZeit in ihren wenigen Freistunden mit verbissener Energie um die politi-sche Entwicklung xxk kümmerte und befürchtete, dass durch eineBhe ihre geistigen Interessen zwangsläufig in den Hintergrund tre-11ten oder sogar ganz aufgegeben werden müssten.
Als Marie aber eines Tages fühlte, dass sich ein junges Menschenleben inihr regte, war ihr Entschluss schnell gefasst. Bei der kirchlichenTrauung war auch Bruder Otto anwesend, der im Begriff war, Landsberg zuverlassen und nach Küstrin zu gehen, weil sich ihm dort bessere Arbeits-möglichkeiten boten.
versuchte
Nach der Trauung verwagten, dass Otto, sich einen Augenblick untervier Augen mit Marie unterhalten, kombe Schnittede Diskussionmit energischer Handbewegung ab und sagte nur, dass sie genau wisse, wiesie sich zu verhalten habe. Gbos etwas verdunzte Antwort war nurs" Ichwollte Din ja keine Richtlinien für Deine Ehe mitgeben. Mir det nur auf-gefallen, als Bernhard sich hinimiete, dass seine Schuhsohlen kaputt sind.Ich sass direkt dahinter, und auch die anderen konnten das ganz deutlichsehen. Ich meinte nur, dass Du als verheiratete Frau Dich jetzt auch umsolche Fachen kümmern musst
Leider waren in dieser se nellen Ehe bei ihrer Schliessung nicht nur dieSebebsohlen von Bernhard Juchnez kaputt. Das gute Binvernehmen, dass bisdahin zwischen Marie und Bernhard bestand, liess bald nach, als Bernharddie nicht schlechten Einnahmen des gemeinsamen Geschäfts mehr und mehrfür seine privaten Zwecke verbrauchte. Da er nicht rechnen konnte, gaber gelegentlich mehr aus, als hereinkam, und Marie musste sich anstrengen,um die ärgsten Lücken zu schliessen. Gelegentliche Gespräche, die sie mitdiesem Thema anschnitt, wurden von ihr abgebrochen, wenn sie merkte, dessBernhard aufbrausen wollte. In dieser Zeit konnte sie keine zusätzlichenAufregungen vertragen, und sie hatte neben ihrer Arbeit und ihren gele-gentlichen politischen Exkursionen nur den einen Wunsch, ihr Kind gut undgeborengesund zur Welt zu bringen. Als Charlotte am 3. Dezember 1903 witwe, schien vorübergehend die Sonne über der Ehe zwischen Bernhard und
Würde
Wieder