Akte 
Korrespondenz: Fritzmichael Röhl
Entstehung
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sich aber immer wieder hingesetzt, sodass der Lehrer Peter Freymark keineMöglichkeit sah, die Tischrunde über Gohlkes Unruhe aufzuklären. PeterFreymark war erst kürzlich mit seiner Frau aus Soldin nach Landsberg ge-kommen. Nachdem er bei einigen Samstag- Gesprächen eine sehr freie Spracheführte und von den anderen zur Mässigung aufgefordert wurde, weil er ausseiner sozialistischen Einstellung kein Hehl machte, beschränkte er sichneuerdings darauf, die Tischrunde mit den Neuigkeiten zu unterhalten, dieer von seiner Frau Minna erfuhr. Minna war Hebamme, hatte schon sFrauen der um den Tisch versammelten Männer dazu verholfen, glücklicheMütter zu werden, und kannte sich deshalb in den Landsberger Familienver-hältnissen schon recht gut aus. Aber heute hatte Peter Freymark auch aufdiesem Gebiet Hemmungen und rettete sich in sein Lieblingsthema, die so-zialistische Schulreform, wie er sie sich als überzeugter Sozialdemokratvorstellte. Diese Ideen kosteten ihn schon sehr bald seine Stellung alsLehrer, denn er fiel dem Sozialistengesetz zum Opfer, das auch die Be-kämpfung sozialistischer Lehren in den Schulen anordnete. Vorwand für die-ses Gesetz waren zwei Attentate auf Kaiser Wilhelm I. Sofort nach Erlassdes Gesetzes vor einem Jahr, also 1878, wurden alle zu dieser Zeit er-scheinenden 332 Presseorgane verboten, 9oo Personen wurden ausgewiesen,1500 Sozialdemokraten erhielten Freiheitsstrafen. Dass die sozialdemokra-tische Partei bis zum Jahre 1890 trotzdem 1 Million Stimmen erhalten wür-de, ahnte man nicht einmal in den obersten Parteispitzen.Auch Peter Freymark wusste nicht, dass seine bald erfolgende Absetzungals Lenrer und vorübergehende verhaftung dazu beitragen würde, der aufge-schlossenen Landsberger Bevölkerung weiteren revolutionären, fortschritt-lichen Auftrieb zu geben. Im Augenblick ereiferte er sich an der konfessi-onslosen staatlichen Simultan- Schule, die es jedem ermöglichen müsse, daszu lernen, was seiner Begabung entspreche, gleichgültig, ob es sich umBürger-, Arbeiter- oder Ba uernkinder handele.x* x* xRakxxxxxxxxk Zu Frie-drich Theodor Gohlke gewandt, meinte Peter Freymark:" Wenn wir diese Schu-len schon hätten, wäre Dein Sohn Otto besser dran. Was hat er in dem ei-nen Jahr auf der vierklassigen Volksschule gelernt? Nichts! Und warum?Weil das Geld nicht ausreicht, um ihn auf die Bürgerschule zu schicken."xxxxxxx Das hätte Peter Freymark nicht sagen sollen. Der immer ruhige,niemals aufbrausende Theodor Gohlke stand erregt auf, dass der schwereHolzstuhl nach hinten xxk***** laut polternd unkippte. Er vertrug keineAnspielungen auf die Spekulationen, die er in diesen sogenannten Gründer-jahren nach seiner Meinung unbedingt machen musste, wenn er seine mühsamerkämpfte Selbständigkeit erhalten und sichern wollte. Vor einigen Jahrenwar er mit Frau und Sohn aus dem im Kreis Landsberg gelegenen Heinersdorf,wo er als Zimmerpolier gearbeitet hatte, nach Landsberg gekommen, in die-