Akte 
Korrespondenz: Fritzmichael Röhl
Entstehung
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Wie er damals, vor zwei Jahren, mit dieser Situation fertig wurde, weisser heute nicht mehr genau. Zwei Monate später starb die kleine Minna, einhalbes Jahr später folgte Franz. Henriette, seine Frau, war noch stillergeworden, umsorgte ihn und den kleinen Otto mit noch grösserer Liebe alszuvor, und brachte es fertig, den materiell gecht reich bedachten Haushaltso zu führen, dass sie sich jederzeit damit in der näheren und weiterenNachbarschaft damit sehen lassen konnte. Zwischendurch hatte es auch guteTage gegeben, manches Haus in Landsberg war dazugekommen, an dem FriedrichTheodor Gohlke fleissig mitgebaut hatte. Einmal reiste er sogar nach Kolowin Polen , weil er eine Empfehlung dorthin als guter und solider Bauunter-nehmer erhalten hatte. Dass er unverrichteter Dinge wieder zurückkehrte,lag nicht an ihm.

Und jetzt? Was würde in den nächsten Stunden, Tagen und Wochen geschehen?Warum hatte Peter Freymark ihm den indirekten Vorwurf gemacht, dass er,der Bauunternehmer Gohlke, finanziell nicht in der Lage sei, seinen SohnOtto auf die Bürgerschule zu schicken? Etwa deshalb, weil die Hebamme Min-na Freymark seit mehr als zwei Stunden auf der anderen Seite der Warthe in dem von der Familie Gohlke bewohnten Dachgeschoss dxxxxfxxaxtat desHauses vom Fischhändler Höhne darauf wartet, seinem vierten Kind zum Le-ben zu filfen und seiner Frau Henriette das Leben zu erhalten?

Es war still geworden an dem grossen Tisch, an dem die Männer fast verle-gen mit ihren Pfeifen hantierten, um Friedrich Theodor Gohlke nicht in sei-nen Gedanken zu stören. Ohne es zu wissen, hatte er den umgeworfenen Holz-stuhl aufgehoben, sich hingesetzt und durch die anderen hindurchgese-hen, als ob sie nicht am Tisch sässen. Jetzt stand er langsam auf, zogsich den Mantel an, setzte die Mütze auf, grüsste kurz und verliess denGasthof" Zur Krone". Beim Heraustreten aus der Türe wäre er fast mit Bür-germeister Anker zusammengestossen, der- einen kleinen, aber zakai anscheinend schweren Koffer in der Hand, der seinen Körper auf der rechten Seiteherunterzog, sodass es aussah, als ob er schief daherliefe an ihm vorbethastete. Mit einer hingemurmelten Entschuldigung zog Gohlke zum Grussseine Mütze. Er kannte den Bürgermeister gut, denn er hatte sich schon ei-nige Male dafür eingesetzt, dass die Baufirma Gohlke Aufträge erhielt. Auchden Neubau in der Nähe der evangelischen Kirche, für den er den Dachstuhlanfertigte, stand unter Ankers Schirmherrschaft. Am besten, er sieht nocheinmal nach, ob sein Geselle Franz alleine mit den letzten Querhölzernfertig wurde.Oder soll er nach Hause gehen? Die energische Minna Freymarkhatte ihm bestimmt, aber freundlich zu verstehen gegeben, dass kein Grundzur Unruhe bestehe, dass alles in bester Ordnung sei, und dass sein SohnOtto zur" Krone" kommen würde, wenn es so weit sei. Ob sich alle Väter

rade