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Mein Vater Friedrich Theodor Gohlke stammte aus einer Familie, in derdie Männer seit jeher gleichzeitig Bauern und Zimmerleute waren. Sie be-stellten ihre kleinen Acker und bauten den anderen Bauern ihre Wohnhäu-ser, Ställe und Scheunen, aber auch die Kirchen. Es waren fromme Leute,diese Männer, besonders aber ihre Frauen. Eine Brüdergemeinde war es,wahrscheinlich die Herrenhuter, der sich die Vorfahren meines Vaters mitihren Familien angeschlossen hatten.
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Meinen Grossvater habe ich nicht mehr gekannt. Der älteste Sohn, Stief-bruder meines Vaters, hatte den Hof und das Baugeschäft übernommen. Erwar schon ein recht alter Mann, wohl an die siebenzig, als ichSchulkind noch einige Male dort war. Er hätte wohl mein Grossvatersein können, und ich habe ihn auch so empfunden. Er hatte nach meinerErinnerung einen feinen Kopf, ein intelligentes Gesicht und gute Augen.Die Tante empfand ich nicht so angenehm, ihre Freundlichkeit war nichtecht und herzlich. Auch schien sie es meinem Vater nachzutragen, dasser sich von der Brüdergemeinde fortentwickelt hatte.
In diesem ehemals gros sväterlichen Hause versammelten sich sonntags dieMitglieder der Gemeinde, die aus den umliegenden Dörfern zusammenkamen,zu Fuss, aber auch mit Pferd und Wagen. Da wurden in der grossen StubeBänke aufgestellt und Andacht gehalten, bei schönem Wetter auch auf demHof. Da ich nur gelegentlich in den Ferien dort war, um mich dann anselbstgepflückten Kirschen richtig satt essen zu können, waren die from-men Eindrücke nicht so stark. Die Erinnerung an den grossen Kirschbaumund andere schöne essbare Dinge haftete länger.
Die Eltern meines Vaters waren früh gestorben, er und sein Bruder Johannwaren noch Schulkinder, als sie Waisen wurden. Sie mussten zuweilen beiVerwandten unterschlüpfen, wo sie sich beim Hüten der Schafe nützlichmachen konnten und auch die Zahl der Esser in der Fan lie des Bruders verminderten. Beide erlernten dann, aus der Dorfschule entlassen, beimStiefbruder das Zimmererhandwerk. Die Lehre muss gut gewesen sein, je-denfalls gehörte das Bauzeichnen mit dazu, zum Beispiel der Aufriss unddie Berechnung einer Balkenlage, der Treppen, der Verband des Dachge-schosses, ja selbst Wendeltreppen und der Verband eines Kirchturms. Sohat es mir mein Vater öfter mit Stolz erzählt. Ich muss sehr empfänglichdafür gewesen sein und habe mich zeitlebens stark für das Bauen interes-siert. Allerdings, so sagte mein Vater mir, habe er später beim Dorf-schulmeister und aus Lehrbüchern sein Können noch ergänzt.Der Vater ging schon sehr früh aus dem Elternhause und damit aus demWarthebruch fort, um sich in einem anderen Dorf unweit Landsberg an derWarthe niederzulassen, in Heinersdorf. Im Gegensatz zu dem schweren