Akte 
Korrespondenz: Fritzmichael Röhl
Entstehung
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" Warte lieber noch'n bischen, biste grösser bist. Dann versteh'ste desalles viel besser. Ich fang ja auch man gerade erst damit an."

Damit war Marie weder in Bezug auf die Situation in ihrer Netz- und Gar-dinenfabrik noch auf allgemeine politische und soziale Dinge sehr vielklüger geworden. Nur ihr Kopf war voller geworden mit Problemen, mit de-nen sie sich fortan im Unterbewusstsein abquälte, ohne viel darüber zureden.

" Wie ich dann später wahrnahm, arbeitete die Fabrik weiter, aber nur inTagesschicht. Die Umstellung hat dem Besitzer nicht sein Vermögen geko-stet. Ich weiss aus der späteren Entwicklung meiner Vaterstadt, dass erimmer zu den reichsten und einflussreichsten Bürgern gehörte. Es hiessauch, dass sich die jungen Burschen nicht für diese Arbeit geeignet hät-ten. Die Frauen seien durchweg geschickter und zuverlässiger gewesen. Dieganze Eisode-die verzweifelte Wut der Arbeiterinnen, der Aufschrei die-ser Mütter, und das Gespräch mit meinem Bruder Otto- haben einen starkenund nachhaltigen Eindruck auf mich gemacht. Es war ein Einblick in sozia-le Verhältnisse, für deren Verständnis mir noch der Schlüssel fehlte. KeinMensch und kein Buch waren für mich da, un mir dabei zu helfen, eine Er-klärung zu finden. Aber die kurze Zeit in der Fabrik mit allen Drum undDran hat einen Einfluss auf mein allgemeines Denken genommen und mir spä-ter in der Erinnerung bei meiner ganzen Entwicklung viel und entscheidendgeholfen."

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Als Otto und Ma rie wieder nach Hause kamen, war inzwischen auch Vatereingetroffen, hatte schon gegessen, und war gerade in Begriff, zu Bettzu geben. Marie, anggregt und nachdenklich gemacht durch die Unterhal-tung mit ihrem Bruder, war sogar schon zu einem Entschluss gekommen, densie auch sofort ihrem Vater mitteilte. Nachdem sie kurz von der Situationin der Netzfabrik erzählt hatte und die Möglichkeit erwähnte, dass sieals eine der ersten entlassen würde, da sie ja keine Facharbeiterin sei,meinte sie:" Da sehe ich mich doch lieber vorher nach einer anderen stel-le um. Vielleicht finde ich die noch vor der Entlassung, und dann gibtes auch keinen Verdienst- Ausfall."