Akte 
Persönliche Korrespondenz
Entstehung
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Fritzmichael Roehl- München 9- Harlaching- Haselburgstrasse 6Tel. 40 857.

Liebe grosse Mutti,

liebes Käthchen,lieber Emil.

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Es ist nicht leicht, ganz schnell und kurz alles zu sagen, wasman vielleicht sagen könnte, oder musste, oder möchte, nachdemder Brief von grosse Mutti mit dem Zettel für die drei Kinder"und der herrlichen amtlichen" Mitteilung" ankam.

Auf jeden Fall: es wäre jetzt so weit, und das durfte wohl derletzte Brief sein, der hinübergeht an die grosse Mutti. Da wirnicht wissen, wann Emil und Käthe nachkommen, werden wir, an Euchbeide Letztgenannte wohl noch schreiben, denn einige Wochen werdendarüber noch vergehen.

Paul hat. als Erster Stellung genommen und veranlasst durch einbrieflos von mir an ihn geschicktes kleines Zuckerpaket- geschrie-ben, dass er die Sache organisatorisch in die Hand nehmen wird. Erwird wenn es so weit ist mitteilen, wann Maria und ich bei ihmerscheinen können.

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Ich stelle mir die ganze Sache so vor, dass Du, grosse Mutti, durchLotte Lemke " hineingeschleust" wirst. Sie erhält das endgültige Te-legramm und wird- so hoffe ich alles veranlassen, damit Du aufdem besten Weg von Bremen oder Hamburg über Hannover zu Paul kommstWir werden alle- wie Du es gewünscht hast von Lotte Lemke uberDeine Ankunft verständigt werden. Sobald Du bei Paul gelandet bist,arrangiert sich alles andere von selbst, denn jetzt- nach derWährungs reform- bin ich nicht mehr ganz so sehr mein freier Herrwie vorher, weil ich hinter der rar gewordenen D- Mark her seinmuss. Und wenn wir uns sehen, soll das ja nicht für fünf Minutenassein, sondern wir wollen dán n ja etwas voneinander haben.

Ich bin inzwischen Mitarbeiter der Fachzeitschrift " DER neue FILM'geworden, die ich jetzt bereits fast alleine zusammenstelle. Es istzwar nur ein Film- Fachorgan, spielt aber eben in Filmkreisen dieentscheidende Rolle, und ist deshalb für mich sehr wichtig, ohnedass es bereits die letzte Etappe ist. Von letzter Stufe kann manheutzutage. nicht mehr sprechen. Morgen bietet sich etwas anderesbesseres, einträchtigeres, was trotzdem der eigenen geistigen Orientierung entspricht, und dann sattelt man halt um. Wir- Maria undich sind darin gottlob sehr praktisch veranlagt, um nicht zu sa-gen:" amerikanisch" veranlagt. Maria hat für einen Film die Kostum-beratung gemacht, zwischendurch Wände bemalt, malt jetzt in eineramerikanischen Schule Aufenthalts- und Speiseraum aus, soll im Ja-nuar oder Februar wieder bei einem Film mitarbeiten, mein Heraus-geber und ich bereiten ganz langsam und intensiv eine Publikums-- Zeitschrift mit grosser Auflage vor, Das Film- Studio".- und wenndas nichts werden sollte, gebe ich vielleicht doch endlich meineeigene internationale Kunst- Zeitschrift" da capo" heraus, die xxkschon jetzt ohne jemals erschienen zu sein in sämtlichen inter-nationalen Katalogen verzeichnet ist.