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Persönliche Korrespondenz
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GOP

auf dem besten Wege, das gleiche Misstrauen zu ernten. Auf dieVereinigten Staaten setzen auch heute noch die meisten Menschenden letzten Rest ihrer arg zusammengeschrumpften Hoffnungen, obwohl viele Details vermuten lassen, dass man uns besser und mehrhelfen könnte, wenn man die richtigen Methoden anwenden würde, dieausserdem den amerikanischen Steuerzahler wesentlich entlasten wür-den. Alles, was Du an politischen Gedakken äusserst, wird von unshier aufgesogen, jeder Tip wird akzeptiert. So werde ich mir das Heftder" Frankfurter Tribüne" mit dem Artikel von Paul Hertz besorgen.Noch einmal zu unseren Auswanderungsplaenen: inzwischen sind die Immi-grierungsbestimmungen in die Staaten( angeblich) gelockert, aber dieSchwierigkeiten sind nur von denjenigen zu überwinden, die 1. Ange-hörige oder Patrone in den USA haben, die das Effidavit besorgen, die2. die Kaution hinterlegen und die Bürgschaft übernehmen, dass mandim Falle der Arbeitslosigkeit dem Staat nicht zur Last fällt, und ie3. die Überfahrt bezahlen.- Da keiner dieser Punkte auf Maria undmich als erfüllbar zutrifft, habe ich schon vor längerer Zeit meineFühler nach Südamerika ausgestreckt, denn wir müssen und Wol1 en aus diesem Europa der ewigen Spannungen und Unruhe heraus, weilin unserem Leben keine Ruhe mehr sein wird. Vielleicht habt Ihr trotzder vielen Briefe und Informationen doch nicht die richtigen Vorstel-lungen. Ich wunderte mich über Wilhelm Sollmann , der mir seelenruhigals Amerikaner sagte, dass Deutschland auf Jahrzehnte hinaus am Bodenliegen bleibt und vielleicht sogar noch einmal endgültig überwalztwird, weil das so sein muss.- Es müsste nicht so sein. Aus-serdem glaube ich, dass Ihr unsere Wendigkeit unterschätzt. Wir sindtrotz unserer 40 Jahre noch sehr jung, ich bin wendig, ein guterOrganisator, verstehe mich auf viele manuelle Dinge, und hätte nichtdie geringste Scheu, als Kellner, Trimmer, Fabrikarbeiter oder Zei-tungsverkäufer zu arbeiten, weil ich weiss, dass das ein Uebergangs-zustand sein würde. Maria ist äusserst praktisch veranlagt, wir sindausgezeichnet aufeinander abgestimmt und eingestellt. Wir würden nichtdarauf warten, dass man uns eine Chance gibt, sondern die Chance selbsfinden, mitunter kann man bei einiger Geschicklichkeit sogar so eChancen konstruieren! und dann so ausnutzen, wie es unseren Fähig-keiten entspricht. Ich will garnicht unbedingt direkt und mit allerGewalt in einen journalistischen job, und Maria will sich nicht inein Atelier setzen, für das sie keine Miete zahlen kann, und Bildermalen, die sie nicht verkaufen kann. Wir haben mehr Sinn für ballyhoo,als Ihr vielleicht glaubt.- Wir haben in unserem Leben nicht nur mitdem Kopf gearbeitet, sondern sehr, sehr oft unsere Hände benutzen undsie mit dem Kopf steuern müssen. Das haben wir bis heute nicht ver-lernt. Wenn Du Fritz Tejessy und Hans Hirschfeld anführst, kann ichdas verstehen, aber Tejessy und Hirschfeld sind wahrscheinlich intel-doon egligenter als ich, während ich mir einbilde, klüger zu sein. Wenn Duschreibst, lieber Emil, dass drüben sehr schwer gearbeitet werdenmuss, dann bestimmt nicht schwerer als hier. Wir drehen wochenlangtäglich unsere 18 Stunden herunter, ohne zu ermueden. Aber wievielLeerlauf ist dabei!

con tung"

Zu den zwölf Redakteuren, die zur Stip- Visite herüberkamen, erläuterndfolgendes: Werner Friedmann ist Lizenzträger der" Süddeutschen Zei­ tung ", an der Goldschagg hauptverantwortlich den politischen Ton an-gibt. Waehrend der Presseausstellung( ich lag im Krankenhaus und sahsie nicht) gab Friedmann für die Dauer der Ausstellung eine Tageszei-tung als Chefredakteur heraus, die" Abendzeitung", die nach Schlussder Ausstellung unter der Friedmann- Lizenz mit einem neuen Chefredak-teur weiterläuft und in München die einzige täglich erscheinende Zei-