in
- 2-
Redensart. Die Demokraten waren sechszehn Jahre am Ruder. Das ist lang genug,zulang. Gebt den Republikanern eine Chance. Sie sollen nun zeigen, was sie koen-nen. Die Demokraten betreiten ihre Agitation mit den Taten, resp den Un - oderNichttaten des 80. Congress, besonders dem Taft- Hartley act, die Republikaner suchen Material in den Ergebnissen der Un American Committees beider Haeuser.Die dort angewendeten Methoden werden von den anstaendigen Leuten als ungutbezeichnet." New York Times " und" Herald Tribune" finden in ihren Kommentarenz.B. sehr scharfe Worte." Smear campagne" ist ein nicht selten nicht nur vonLinkselementen nizkixяeiten gebrauchtes Wort. Der Schatten Roosevelts steigtherauf. Ihn macht man verantwortlich fuer tatsaechliches oder angebliches Ein-dringen von Kommunisten i resp. von Liberalen, die man bequemerweise und kur-zerhand als Kommunisten bezeichnet, in die verschiedensten Aemter. Dabei stuetztman sich auf Renegaten und suversive Elemente und merkt nicht einmal den schlechten Geruch, der dabei jedem anstaendigen Menschen in die Nase steigen muss.Und diese Kronzeugen scheinen nicht zu wissen, dass man den Verrat aber nichtden Verraeter liebt. Nach den Wahlen wirds wahrscheinlich um diese Dinge vielstiller werden. Aber als Opfer ist dann manch anstaendiger Kerl auf der Streckegeblieben. Wallace hat grossen Zulauf. Viele veraergerte Demokraten, manchersogenannte Liberale und vor allem die Jugend stroemt ihm zu. Wenigstens bei denKundgebungen. So war es ihm moeglich vor eingen Tagen trotz drohenden Regensnach polizeilicher Schaetzung im" Yankee Stadium" 48 000 Menschen zu ver-sammeln. Aber gewaehlt wird er nicht. Und das erscheint mir gut so. Er ist po-litisch ein Wirrkopf, von bestem Willen und sauberster Gesinnung. Viele sehen inihm einen politischen Messias. Er hat etwas messianisches. Fuer praktische Poli-tik und darauf kommt es an- ist er nicht brauchbar. Sein aussenpolitisches Pro-gramm hat als einzigen wesentlichen Punkt Apeasement gegenueber den Russen.Innenpolitisch ist seine Plattform ein Konglomerat von fortschrittlichem undopportunistischen Formulierungen. Wallace ist weit entfernt davon, ein Kommunistzu sein. Sein Unglueck ist aber, dass die Kommunisten ihn fuer sich reklamieren.Zahlenmaessig sind die Kommunisten trotz des Geschreis von beiden Seiten ohneBedeutung. Noch bedeutungsloser als die Sozialisten, die zudem gespalten sind.( Ueber diese Fragen erscheint in naechster Zeit ein ausserordentlich instrukti-ver Artikel im Monats(?) organ der Hessischen Sozialdemokraten" Frankfurter Tri-Buene" von Paul Hertz . Wenn es Euch interessiert, verschafft Euch das Heft.Das Unglueck fuer dieses Land ist, dass die Arbeiterschaft trotz zahlenmaessigvorbildlicher gewerkschaftlicher Organisation politisch indifferent sind. Diemassgeblichen Gewerkschaf tsleute habenseither bewusst die Politisierung der Ar-beiterschaft unterbunden. Sie haben ihren Einfluss rein opportunistisch angewen-det. Vielleicht wird das in Zukunft anders werden. Der Praesident der Autoarbei-ter, Walther Reuther, ein noch junger Mann, intelligent und energisch mit grossemEinfluss haelt die Zeit fuer gekommen, mit der seitherigen Methode zu brechen.Er soll die Absicht haben, nach den Wahlen im November unter Benutzung seiner Organisation-1 Million Mitglieder- und anderer- Gewerkschaften eine Arbeiterparteizu gruenden, wohl aehnlich der englischen Labor Party. So schliesst man auf grundeines Artikels von ihm selbst in seinem Gewerkschaftsorgan. Eine solche Parteiduerfte noch eine groessere und dauerhaftere Anziehungskraft haben, als die vonWallace. Und einer Notwendigkeit entspricht sie, trotz des angeblich in der anglo-saechsischen Demokratie fundierten Zweiparteien Systems.- In Eurem letzten Briefsprecht Ihr von Auswanderungsplaenen. Es ist ja nicht das erste Mal, dass wir voEuch das vernehmen. Wir koennen von uns aus weder zu noch abraten. Dass die Ver-haeltnisse drueben nicht gut sind und zu solchen Ueberlegungen fuehren, ist zuversta endlich. Und wenn nicht andere Hemmungen es verhinderten, wir wuerden wahrscheinlich eine Massenflucht von Deutschland und anderen Laendern in Europa er-leben, wie sie im Laufe der letzten hundert Jah re einige Male zu verzeichnen war.Z.B. auch nach dem letzten Krieg. Dieses Land ist noch aufnahmefaehig. Suedameri ka noch mehr. Die Lebensbedingungen sind immer noch im allgemeinen guenstiger, alin Europa . Auch wenn man e Reklame z. B. der suedamerikanischen Staaten sehrskeptisch ansieht. Eine Chance haben Landwirte, landwirtschaftliche Arbeiter, Handwerker aller Grade,