Akte 
Persönliche Korrespondenz
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

- 3-

vor allem Werkzeugmacher, Mechaniker fuer die optische Industrie usw. Minimalsind die Aussichten fuer sogenannte geistige Berufe. Hochqualifizierte Wissen-schaftler auf allen Gebieten haben grosse Chanzen. Aber wie mir scheint, nurfuer kuerzere Zeit. USA hat sich davon eine ganze Reihe" ausgeliehen."- Mariamit ihrer Vielseitigkeit wuerde sich wahrscheinlich durchsetzen koennen. Aber nurmit Geduld und dem dazu noetigen finanziellen" Background". Fuer Fritz wuerde esauf geistigem Gebiet viel schwerer sein. Drueben erworbene Sprachkenntnisse sind vorallergroesstem Wert. Aber sie genuegen nicht, Zeitungs- und Zeitschriften- englisch ( richtiger: amerikanisch) muss man sich erst erarbeiten. Und dann braucht man den" Start". Entweder durch ganz ausgezeichnete Arbeit-kann auch ausgefallene sein-oder durch Protektion. Die grossen Zeitungen stellen Anforderungen, die Magazinsnoch groessere. Ich will nur zwei Beispiele anfuehten. Du, Fritz, kennst meinenfrueheren Kollegen aus dem Ministerium Fritz Tejessy. Er war ein guter Redakteurin Kassel und spaeter im Ministerium sehr geschaetzt. Tejessy hat erst hier langeZeit in einem Hotel den Handyman, d.h. Maedchen fuer alles gespielt. Dann er-lernte er die Weberei und jetzt ist der Mann als Weber in einer grossen Weberei inNew Hampshire taetig. Und Hans Hirschfeld , Dr. Hans Hirschfeld ? Lange Zeit hat ernichts gefunden. Dann arbeitete er mit grossem Erfolg beim OSS. Als dieses Amt nachdem Krieg aufgeloest wurde, stand er da. Fand nichts seiner Vorbildung und seinemKoennen entsprechend. Trotz der besten Empfehlungen. Seit mehr als einen Jahr ar-beitet er in einer kleinen Metallwarenfabrik, saegt und schneidet Messing gegeneinen ungenuegenden Lohn. Wenn Frau Hirschfeld nicht arbeitete( sie macht in eineminen Betrieb Handarbeiten) ginge es dort noch knapper her. Einschraenkend mussich allerdings sagen, dass es sich bei den beiden Maennern-und bei anderen, dieein aehnliches Schicksal haben, um aeltere Menschen als bei Euch handelt. JuengereMenschen, denen Tempo und-- Klima weniger zusetzt resp., die sich anpassen koennenhaben eine Chance, vor allem, wenn sie genuegend Fantasie und keine Bange vor ei-ner Umstellung haben. Vor allem, wenn sie es nicht fuer unter ihrer Wuerde halten,als Fabrikarbeiter ihr Brot zu verdienen. Es muss ja nicht unbedingt dasselbe sein,was ich ein Jahr lang xx tat. Ich war nicht mehr der juengste, hatte ausserdem ei-nen, wenn auch damals nur leichten Knax und musste ein Jahr Lang unter hygienischund sanitaer absolut unzula englichen Verhaeltnissen an einer Maschine stehen.Dazu war der Lohn sehr, sehr knapp. Wie gesagt, ich will nicht miess machen. Nurdarf sich niemand einbilden, die Dollar laegen hier auf der Strasse herum oderwuechsen an den Baeumen. Hier muss im allgemeinen sehr schwer gearbeitet werden.Und ohne den Willen fest zuzupacken und ohne Courage geht es nicht. Diese Voraus-setzungen sind bei Euch erfuellt. Nun muesst Ihr Euch entscheiden. Was wir Euch helfen koennen, soll natuerlich selbstversta endlich geschehen.- Einigen wenigen Emi-granten ist es gelungen, bei Zeitungen resp. Zeitschriften unterzukommen. So z. B.Alexander Schiffrin( Schriftstellername Max Werner). Aber seine grosse Zeit warwaehrend des Krieges. Bruno Neumann, den Du aus dem Sekretariat der Reichstags-fktion kennst, hat sich hier mit grosser Muehe und Bienen fleiss eine sehr an-Sendige Existenz aufgebaut; Erich Rinner macht Researcharbeit fuer eine Broker-firma an der Wallstreet . Ihm soll es auch gut gehen. Die meisten anderen frettensich durch. Leben gewissermassen von der Hand in den Mund. Reichtuemer hat noch keiner sammeln koennen. Und die Emigranten aus unserer Zeit, die sich eine Car kaufenkonnten, sind sicher an einer Hand zu zaehlen. Mitarbeiter an amerikanischen

Zeitungen und Zeitschriften von drueben zu werden, ist des Versuches wert. Die" Neue Volkszeitung" zahlt nicht, kann nicht. Ihr geht es finanziell nicht gut." Staatszeitung und Herold" kann wahrscheinlich etwas zahlen, ist aber in dieserBeziehung sehr" zurueckhaltend" und hat ihre staendigen Mitarbeiter drueben. Ausserdem druckt sie viele Briefe, auch solche, die ihr von den Lesern zur Verfuegung ge-stellt werden. Und die kosten nichts." The Progressive", den Du nennst, hat keinGeld, Gut zahlen z. B. die Magazins wie" Time"," The Saturday Evening Post"," Harpers"," News Week"," Colliers"," Fortune"" Readers Digest" um nur einige zu nennen. Aber da anzukommen ist schwer, sehr schwer. Die grossen Zeitungen und dieNachrichtenagenturen(" New York Times ", Herald Tribune"" U.P"" A.P") haben ihrestaendigen Mitarbeiter drueben. Der einfachste Weg scheint mir, wenn moeglich, dieBekanntschaft eines dieser Maener suchen und dann weiter sehen.- Gestern sindzwoelf Redakteure deutscher Zeitungen aus den westlichen Gebieten

AG CON

GORD