Akte 
Persönliche Korrespondenz
Entstehung
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Willen abhaengig. Dass ich damals nicht geschnappt wurde, verdanke ich einer Genos-sin, der Frau unseres Genossen Doetsch. Sie warnte mich, von einer kurzen Reise insSaargebiet, so wie es abgemacht und vorgesehen war, nicht zurueckzukehren. DieGestapo hatte alle Vorbereitungen getroffen, mich in Koblenz zu holen. Aber auch dieRueckreise ist nicht so einfach. Auch da sprechen" staerkere Kraefte" ein gewichti-ges Wort. Aber ich verspreche Euch, so lange ich nicht bei Euch sein kann, wie seit-her von aussen alles zu tun, was moeglich ist, in Eurem und meinem Sinne zu wirken.Es waren oft die gleichen Freunde, die nach einiger Zeit schrieben: wir raten, we-nigstens noch eine Zeit zu bleiben. Die Aussichten fuer eine wirklich fruchtbareArbeit liegen noch sehr im Dunkel. Wir sind ueberzeugt, dass Du dort eben sovieltun kannst, um unserer Sache zu dienen..... Darauf muss ich antworten: wohl versuchen wir- meine Freunde und ich- aus der Situation das beste zu machen. Wir konnten hierwaehrend des Krieges feststellen, dass die Stimmung gegenueber uns, den Angehoerigeneines Feindlandes durchaus nicht feindlich war. Oft haben wir gefragt, wie es wohlsein wuerde, wenn die Laae umgekehrt waere. Und aus diesem Erlebnis, das wir dank-bar feststellen, haben wir dann-vielleicht voreilig- den Schluss gezogen, dass manmit dem" anderen Deutschland " und seinen besten Vertretern einer demokratischenStaatsidee schnell zu einem guten Einvernehmen kommen wuerde. Heute-fast dreiJahre nach Schluss des Krieges- muessen wir leider feststellen, dass die Vorurteilegegenueber Deutschland und dem demokratischen Teil des Volkes eher noch gewachsen undviel schwerer abzutragen sind, als wir uns das vorgestellt haben. Und auch dieseTatsache ist verstaendlich: die wahre Fratze des Nazismus hat sich fuer viele, vieleMenschen in diesem Lande erst nach dem Krieg gezeigt. Deshalb: Erwartet nicht zu-viel von dem Einfluss einzelner. Vieles hat sich schon gebessert. Aber bis zu demerwuenschten und notwendigen Umschwung ist noch ein weiter Weg.Aus all dem, was nur angedeutet werden kann, duerft Ihr schliessen: Es ist meingrosser Wunsch, bald wieder in Eurer Mitte zu sein. Wir werden uns eines Tages ge-genueber stehen und sehen, jeder ist der gleiche geblieben. Aber auch, dass jederan Jahren aelter und an Erfahrungen reicher geworden ist, vielleicht reifer, resig-nierter, wenn nicht mueder. Und mancher, der heute draengend sagt, was er allesvon meiner Rueckkehr erwartet, wir erkennen, dass meine viel bescheidenere Ein-schaetzung die richtigere ist.

Ganz persoenlich kann ich hinzufuegen: Mich ziehts in die alte Heimat und zu denGesinnungsgenossen zurueck. Es zieht mich zurueck, gerade weil es nicht so gut gehtdort. Und weil ich dieses Gefuehl nicht verstecke, sondern ruhig und vertrauensvollzeige, sollt Ihr nicht draengen. Sobald es moeglich ist, werde ich kommen.So gruesse ich in alter Treue mit: Freundschaft und Freiheitbesten Wuenschen fuer Euch persoenlich und Eure Arbeit

und bin mit den

immer Euer

Euis Kirschman