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27. Juli 1948.
Meine liebe grosse Mutti, lieber Emil, liebes Käthchen,
in unserer Korrespondenz hat es aus begreiflichen Gründen einekleine Unterbrechung gegeben. Der letzte Luftpostbrief wird jaangekommen sein. Diese Zeit war ausgefüllt mit Versuchen, wiederAnschluss an das inzwischen währungsreformierte Dasein zu finden.Am Sonntag Abend sind wir u.a. von einer mehrtägigen Fahrt mitdem Wagen aus dem Gebiet der Handstickerei, Keramik und Korbflech-techterei um Naila ( bei Hof an der amerikanisch- russischen Zonengren-ize) zurückgekommen, wo wir uns die Möglichkeiten angesehen haben,1150 die es auf Grund der Absicht des Kultusministeriums, dort eine200.nes Handstickerei- Fachschule einzurichten, gibt. Maria wäre prinzipi-apell bereit, nach Naila zu gehen. Die Aufgabe ist schwer, aber loh-edete nend( künstlerisch). Ob sie in der erstrebten Beziehung, nämlich
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der Ankurbelung des Exports, erfolgreich sein wird, dürfte allge-Gemein bezweifelt werden, da die wirtschaftliche Entwicklung- soroweit man von einer solchen überhaupt sprechen kann- in völligschleiervollen Richtungen verläuft, um schliesslich irgendwo zuversanden. Was hat es zum Beispiel für einen Zweck, bestimmteStoffe herzustellen, die wunderbar sind, die aber Dank der Fabri-kationsreste, die man uns vielleicht überlassen wird, so teuer hergestellt werden müssen, dass sie mit den Stoffen, die man jetztJotum fast ein Zehntel des Betrages aus Amerika auf den deutschen Le Markt wirft, nicht mehr konkurrieren können.- Ein Bekannter vonsuns, ein Siemans- Mann, der jetzt aus Italien zurückkam, hat fest-gestellt, dass die ȧterienische Wirtschaft so gut wie am Ende ist.tere no Die Fabrikanten sitzen auf ihren Vorräten und wissen nicht mehr,wohin sie damit sollen. Interessenten, die eventuell etwas abkau-A fen könnten, dürfen nicht, weil sie nicht in Dollars bezahlen. Ame-storikanische Waren haben Italien überschwemmt und sie zu billigenPreisen zu haben. Wir werden früher oder später alle umsattelnund uns doch dem Ackerbau zuwenden müssen, denn eine andere Chancewerden einige europäische Länder nicht mehr haben. Wir sind auchschon so weit, dass wir nicht mehr an das segenbringende Amerikaglauben, obwohl wir nicht verkennen, dass man unerhört viel tut,um Deutschland zu helfen, Wenn man aber hinter die Kulissen sieht,stellt man ernüchtert fest, dass man es ja nicht den Deutschen zuliebe macht, weil man sich vielleicht davon überzeugt hat, dasswir doch ein sehr brauchbares Volk sind, das Anspruch darauf erhe-ben kann, gleichwertig und gleichrangig neben anderen Völkern zuleben, sondern weil es sogenannte übergeordnete Interessen sind,die im Augenblick dazu führen, dass es so tut, als ob man uns tat-sächlich hilft, ohne jeden politischen oder wirtschaftlichen Hin-tergedanken.- Wir gehen in das vierte Jahr nach unserer Befreiung,aber von Freiheit ist nichts zu merken. Selbstverständlich sindid wir frei, wir können alles sagen, was uns bedrückt. Aber die wirk-liche Freiheit fängt da an, wo man selbst das tun kann, washilft. Aber wir können ja nicht exportieren, wie es uns gefällt, undwie es denen gefällt, die von uns importieren. Das wäre eine gesun-de Entwicklung, wenn man uns die Freiheit liesse, frisches Gemüsezu billigen Preisen aus Holland einzuführen, statt Gemüsekonservenfür kostbare teurere Dollars aus den Staaten. Wir wollen den Hollän-dern etwas von unseren Sachen, die Holland gebrauchen kann, abge-ben, aber wir dürfen nicht. Die Holländer wollen aber diese Sachenvon uns haben. Man sagt ihnen: kauft das von den Engländern, aber