Akte 
Persönliche Korrespondenz
Entstehung
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- in Naila . Für ein Jahr kann man das mal machen. Naila liegt zwarenost direkt an der amerikanisch- russischen Zonengrenze, aber Maria ist

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schon einige Male aus unangenehmen Situationen herausgekommen. Ichbleibe in München und lasse mich von Marias Mutter die wir ab 16.August zu uns nehmen, wohnungsmässig versorgen. Zum Wochenendefahre ich nach Naila , oder Maria kommt nach München . Das sind kei-ne Entfernungen, und unsere Gemeinsamkeit wird durch eine örtliche- Entfernung nicht im geringsten beeinträchtigt. Vielleicht muss ichos in den ersten Wochen in Naila intensiv mithelfen, damit Maria esmit dem Aufbau leichter hat. Sie bekommt wahrscheinlich dort einekleine Dienstwohnung, ein Zimmer wird sie benutzen, das zweite ihreAssistentin Christa Voigt, die als Schriftlehrerin mit hinaufgeht,das dritte Zimmer wird Studio für private Arbeiten, die Maria ne-benbei ausführen wird, denn einige ihrer zwar im Augenblick still-gelegten Aufträge werden sicher wieder in Angriff genommen. DieMünchener Wohnung bleibt so, wie sie ist, was auch keine materielleMehrbelastung ist, denn Maria bekäme einen Wohnungskostenzuschussvon DM 50.00.

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Am 4. oder 5. August werden wir eine etwas grössere Fahrt gen We-sten unternehmen, so wie wir es im vorigen Jahr auch machten. Da-mals kamen wir allerdings über Bremen und Hamburg bis hinauf nachCappel- Altendeich. Diesmal geht es nur ins Rheinland , zuerst nachMainz , wo ein Architekt, Bekannter von Maria, bei der Universitäts-Bauleitung sitzt. Von Mainz nach Frankfurt / Main , wo wir am 7.8. vor-mittags um lo Uhr den aus Kopenhagen einlaufenden Zug erwarten,der unseren Bekannten Dr. Mengin nach kurzem Aufenthalt weiternach Basel trägt. Dieser Bekannte hat einen Ruf nach Buenos Aires als Sprachwissenschaftler erhalten( er spricht aztekisch , popokate-" petellisch usw.) und hat Maria erst jetzt wieder mit einigen sehrschönen dänischen, englischen und schweizerischen kunsthandwerk-lichen und modisch- handarbeitlichen Zeitschriften versorgt.Nach diesem Zusammentreffen fahren wir weiter zu Paul, wo wir we-nige Tage bleiben wollen, um uns etwas anzuessen.( Paul schrieb unseinen kleinen Brief mit erfreulich optimistischer Tendenz, dassnämlich die Währungsreform endlich den Wert seines geringen Gel-des, das vor der Währungsreform wertlos war, wiederhergestellt hat,und dass er sich jetzt tatsächlich für sein Geld etwas kaufenkönnte, wenn es etwas zu kaufen gäbe. Es gab etwas zu kaufen, aberdie Franzosen bekamen einen so günstigen und umfangreichen Um-rechnungskurs, dass sie auf einmal reiché Leute waren und jetztnoch mehr als vorher mit einem Male alles aufkaufen konnten. Rhein­ land- Pfalz ist ein armes Land geworden. Die Franzosen haben an derArt der Währungsreform, wie sie dort durchgeführt wurde, ausge-zeichnet verdient. In der französisch besetzten Zone hat man des-halb auch das Gefühl, dass diese Reform nur deshalb gemacht wurde,- um diesen Teil Deutschlands restlos auszukaufen.- Ich bin- als

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abzweigenden Spross am grünen Baume meiner kosmopolitischen Einstel-lung gesehen- frankophil, war es immer schon, liebe die französi-sche Sprache, liebe Paris , die französische Literatur, die Maler,die Mode, aber ich verachte die französischen Chauvinisten, dieunter dem Vorwand der ewigen Angst vor Deutschlands Überlegenheitjede Chance wahrnehmen, um sich zu rächen, an denen zu rächen, dieihnen eine offene und ehrliche Hand entgegenstrecken. Warum müs-sen die Franzosen immer da aus der Reihe tanzen, wo sie ihre primi-tivsten Vorteile wahrnehmen können! Sie unterschrieben die