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Persönliche Korrespondenz
Entstehung
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die Londoner Empfehlungen, stellten aber Bedingungen, die der-artig offenkundig waren, dass- wäre ich Amerikaner oder Englän-der gewesen- ich gesagt hätte: Meine Herren Franzosen . Die Zone,die sie besetzt halten und in einer Form ausplündern, die dennazistischen Ausplünderungsmethoden in nichts nachsteht, war ur-sprünglich von uns besetzt. Wir haben Euch gastlicherweise die-sen Raum zur Kontrolle gegeben, aber nicht zu dem Zweck, dass Ihrdie Armen noch ärmer macht.

Sieht der USA - Burger nicht auch da die Diskrepanz zwischen Auf-wand und Ergebnis? Millionen Tonnen Lebensmittel wandern nachDeutschland , in der Bizone fliessen diese Lebensmittel tatsäch-lich in die Kanäle der deutschen Verbraucherschaft. In der fran-zösischen Zone versickern die Zuschüsse schon im französischen Verwaltungsapparat, und der Rheinland / Pfälzer hungert.

Amerika scheint viel zu viel Geld zu haben. Man sollte es drübenlieber verbrennen.-Von Paul fahren wir etwa um den 12.8. herum über Köln zu Lottenach Düsseldorf , von dort nach Wesel , und am 14.8. nach Bad Pyrmont. Marias Mutter liquidiert das Altersheim zum 15.8., am 16.8.nehmen wir sie mit ihren Habseligkeiten in den kleinen Wagen undbringen sie nach München . Hier hat sie ein kleines Zimmer, das wirihr so nett wie möglich herrichten und das auch im Winter heiz-Nos bar ist. Wenn man heute etwas Geld hat, kann man sich auch die

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Kohle kaufen, die man im Winter braucht, um nicht ständig aufein-anderzuhocken in einem Raum, sodass allen geholfen ist. Für ihrekleine Rente kann sich Marias Mutter nicht nur gut ernähren, son-dern sich auch an unserer hohen Wohnungsmiete beteiligen. Wir ha-ben also in der 70jährigen Dame nicht nur eine ideelle, sondernauch materielle Hilfe, und ausserdem fühlt sie sich hier wohlerals in einem Altersheim, in dem mehr Irre als Alte wohnen. Sielebte bisher mit fünf Personen in einem Raum, war von den fünfendie einzige, die gesund war und die aufpassen konnte, dass dieanderen keinen zu grossen Unsinn anstellten. Eine ältere Dame kamabends erst dann zur Ruhe, wenn sie ihre verschiedensten Bedürfnisse in einen Hausschuh, in eine kleine Bank, in eine Tischschubla-de oder in andere ähnliche Dinge hineinerledigt hatte. Auf dieDauer muss selbst der gesündeste Mensch in dieser Atmosphäre yrückt werden. Jetzt, nach der Währungsreform, kann Marias Mutmit ihren 200 Mark etwas Vernünftigeres anfangen. Mit 200 Markkann sie sich in einer Pension in einem bayerischen Luftkurortzur Ruhe setzen, wenn es ihr Spass macht. Vielleicht macht es ihrim nächsten Jahr Spass. Wir haben nichts dagegen.-

Um es nicht zu vergessen: vor unserer Fahrt nach Naila kam dasHope- Paket an. Es trägt seinen Namen mit Recht, denn es erfülltdie schönsten lukullischen Hoffnungen. Auch dieses Paket war inseiner Zusammenstellung äusserst glücklich, und wir natürlichauch. Wir leben- da wir im Augenblick kein Geld haben- im we-sentlichen aus diesen beiden letzten Paketen, kaufen uns etwasFrischzeug dazu, sind gesund und aktiv wie immer, haben gele-gentlich einen kleinen Missstimmungs- Koller, wenn wir an die Un-zulänglichkeiten des Daseins im allgemeinen und im besonderen den-ken, und haben gottseidank nur sehr wenig Zeit, an diese Unzu-länglichkeiten zu denken, weil wir dauernd etwas zu tun haben. Undnicht nur etwas, sondern sehr viel.

Dieser Brief geht leider den normalen Weg und braucht deshalbseine Zeit. Aber Hauptsache ist, dass er geschrieben wurde. Wirwünschen Euch allen alles Gute nach wie vor, und sind mit den