Akte 
Persönliche Korrespondenz
Entstehung
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Liebe grosse Mutti.

Nacht vom ersten zum zweiten Mai 48.

heute Nacht ist russische Ostern, üher mir die Russen-Emigranten jetzt alsStaatenlose in emerikanischen Diensten, feiern mit Dollars und selbstgebrautemSchnaps russische Ostern. Als Gast ist Kutner mit seiner Freundin Bettina Moissi und der Kamera mann Oberberg dort, ich habe einen Tischund einen Sessel, und2 Vasen leihen müssen. Dafür erbat ioh mir die Schreibmaschine und da ich beidem Abspielen sentimentaler russischer Lieder zur Laute doch nicht schlafen kann,so schreibe ich an alle Freunde und Bekannten die längst fälligen Briefe.Leider als erste schlimme Nachricht: Micha gt für Woohen im Krankenhaus. SeinIschias ist so schlimm geworden, dass er unbedingt eine Kur machen musste umnicht gelähmt zu bleiben. Bis Mitte Juni ist er bestimmt dort. Minohen 8, IsmaningerKrankenhaus Ismaninger Strasse, Bau 6 Zimmer 39.

Ich hoffe nur, dass die artzte ihn ganz auskurieren. Zuhause hatte er nicht dierichtige Behandlung, ich musste ja auch sehr arbeiten, war tagsüber in einemPX Laden hier in Harlaching , den ich für die Amerikaner ausmalte. Ich habe 2Räume ganz bunt bepinselt. Der Chief wollte alles noch bunter und" Patsch an dieWand"wörtlich). Ich finde es selbst aber auch ganz lustig, wemmgleich es auchnicht ernst zu nehmen ist. Er will" gut bezahlen". Leider begreift er nicht, dasser mich nur ganz schäbig bezahlen kann, denn früher verdiente ich 2 Leioas im Monat.Wenn er mir auch für einige tausend Mark Ware anbieten wird, so ist das immernoch nichts mehr als ein paar Mark, denn meine Rechnung lautet auf Reichsmarker rechnet seine amerikanische Ware bestimmt nach Schwarzmarktpreisen, so sindwir armen Deutschen natürlich die Leidtragenden. Wenn er es wenigstens einsehnwürde. Ich komme mir sehr dum dabei vor und habe mich schon auf die komischTour heftig mit dem jungen Mann( 26) gezankt. Seine Mutter stammt aus Odessa , derVater aus na sagen wir Galizien . Wenn ich dann abends nachhause kam zeichneteich für den Dombauverein Wesel , Arbeit, die mir wirkliche Freude, bereitet. Es istein alter Dem aus gotischer Zeit, total zerbomt, der soweit möglich erhalten undrestauriert wird. Die Herrn des Dombauvereins sind ausserordentlio kultivierteund interessierte Menschen. Wahrscheinlich werde ich im Mai wieder hinauffahren.Dann will ich auch bei Paul Station machen. Die letzten Wochen waren recht heftig.Bei Px bekam ich allerdings mal eine Tasse Kaffee, was allerdings vom Chef alsLockmittel hingestellt wurde. Eine traurige Meinung haben die amerikaner von uns DeDeutschen , alsob ich da male, weil ich mal eine Tasse Kaffee bekomme! Ich glaubenicht, dass ich wiede. für Amerikaner malen werde, ehe nicht eine Währungsreformdiese falschen Vorstellungen vom Wert des Bohnenkaffees und der Chesterfieldaufgeräumt hat. Bin sehr netter Captain hat mir diese Arbeit vermittelt, weiler glaubte mir damit zu helfen. Diesen Caiptain habe ich beim Autoanhalten quasiauf der Strasse kennen gelernt, Er Heiratet jetzt eine Deutsche aus Berlin . Leiderkonnter. wir diese Freundschaft nicht erheblich ausbauen, da micha schon seit 7Wochen krank ist. Zwischendurch hatte er immer wieder einige Tage an denen es ihmbesser ging. Da hat er sich dann um das Auto gekümmert, das viel Mühe und noch mehrGeld verschlungen hat. Ich habe vom Finanzamt Geld zurückgezahlt bekommen, so dassMichas Krankenhausaufenthalt gesichert sit. Leider kann er beruflich natürlich alleangebahnten Dinge nicht weiterbetreiben. Hauptsache nur, dass er wieder laufen kennDann wird sich schon wieder etwas finden. Ausserdem beginnen meine beruflichen Aussten allmählich die Wege zu nehmen, die ich mir wünsche Bau und Malerei am Bau.Ausserdem werde ich auf der grossen Kunsthandwerk- Ausstellung in Köln anlässlichder Wiederherstellung und der 700 Jahr Feier des Doms vertreten sein. Mit StickereiInzwischen habe ich ein Madonnenbild für einen Porzellanmanufaktur direktor gestickund ein Speiseservice für 6 Personen dafür bekommen. Ihr sehrt, ich war sehr aktiv.