Akte 
Persönliche Korrespondenz
Entstehung
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Da es uns besonders auf der Rueckfahrt von Neuwied nach Muenchen besonders boese erging, wollen wir in Zuku ft moeglichst nur nochmit dem Wagen fahren, weshalb wir auch jetzt alle Anstrengungenmachen, um alles zusanenzubekommen. Maria hat auf Grund vonAdressen und Empfehlungen bei einem kurzen Besuch in Koeln denMann entdeckt, der in der Lage ist, mir innerhalb kuerzesterZeit die Felgen zu liefern. Das kostet zwar einige Pfund Kaffee,und dem Schmied Wyland, der uns die 70 kg Eisenscheine schenkt,werden wir auch eine kleine Freude machen muessen in Form eineskleines Paeckchens mit Fett und Kaffee, aber wieviel weniger Fettund Kaffee werden wir notwendig haben, wenn endlich unsere Kistewieder flott ist. Deshalb beissen wir auch in den etwas saurenApfel, denn wir freuen uns ja selbst zu sehr ueber die Pakete,die endlich ankommen.

So war es, fuer uns ein schoener Willkommen, als wir bei unsererAnkunft unter der eingegangenen Post auch die Mitteilungen fan-den, dass einige Pakete abholbereit seie. Wir haben jetzt, mittausendfachem Dank an Euch, das Weihnachtspaket bekommen, undan Hand Eures damaligen Briefes, den Inhalts geniesserisch au e-packt. Die beiden Schlafanzuege, rot und bleu, sind himmlisch,wir haben ja eine Schwaeche fuer verrueckte praktische Dinge, undfinden uns gegenseitig darin grossartig. Der graue Pullover passtMaria, die ueber Faltenroeckchen und Nylonstruempfe genau sogluecklich ist wie ueber das Kuechengereet, und wie wir beideueber die vielen Kleinigkeiten und Grossigkeiten, die wir unsunbescheidenerweise ja selbst gewuenscht hatten. Der Wecker istein Prachtstueck und wird uns viel Geld sparen, denn wir habenuns im letzten Jahr immer nur telefonisch wecken lassen koennen,und jeder Weckiuf, kostet 45 Pfennig. Zu Schwarzmarktzeiten istdas nicht viel Geld, aber das Geld wird bereits knapp in Deutsch­ land , und es riecht heftig nach Waehrungsreform. Man munkelt, dasssie am 1. April kommen wird, und jeder wird zuerst denken, essei ein Aprilscherz, aberbsolche Scherze dauern nicht lange, undschon am 2. April wird es uns dann klar sein, dass wir ueberNacht noch aermer geworden sind.

Eine entscheidende Aenderung duerfte fuer mich beruflich einge-treten sein. Ich hatte, bevor ich nach Weissenthurm fuhr, meinenPosten als Geschaeftsfuehrer zur Verfuegung gestellt, weil mdie Milita erregierung fuer Dinge im Bunten Wuerfel verantwort-lich machte, fuer die ich niemals verantwortlich sein konnte,denn ich hatte auf die kaufmaennische Fuehrung des Hauses nichtden geringsten Einfluss, obwohl ich notariell Mitgeschaeftsfueh-rer bin. Dr. Hahn hat den Laden so gefuehrt, wie er das fuer seinegoistischen Plaene und Moeglichkeiten fuer richtig hielt, under haette mich niemals in seinen Kram hineinsehen lassen. Im Ge-gegteil: weil ich bereits zu viel von seinen kleinen und grossenSchiebungen wusste, hat er jetzt die Gelegenheit, die ich ihmbot, benutzt, um seine Mitgesellschafter, die in seiner Hand nurMarionetten sind, so aufzuziehen, dass sie nach seinem Wink tanz-ten, und als ich jetzt zurueckkam, hatte in meiner Abwesenheiteine Gesellschafterversammlung stattgefunden, in der mein Rueck-tritt als Geschaeftsfuehrer und als künstlerischer Direktor ak-zeptiert worden war. Gleichzeitig fand ich einen Brief der Mili-taerregierung vor, die mir mitteilte, dass im Falle einer Annah-