Akte 
Persönliche Korrespondenz
Entstehung
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am Donnerstag Abend, aber das ist der letzte Termin, da ich arFreitag unbedingt auf einer entscheidenden Gesellschafterver-sammlung dabei sein muss, auf der sick herausstellen wird, obdie Arbeitsbasis im Bunten Wuerfel kaufmaennisch so reorgani-siert wird, wie das fuer einen lukrativ arbeitenden Betrieb un bedingt notwendig ist, oder ob ich den ganzen Dreck hinwerfeund Kohl bane, oder mich um meinen Verlag kuemmere.In Weissenth rm tauchte vor einigen Tagen Karl Zo ergiebel mitFrau auf, es ist schoen, wenn ich gelegentlich doch wieder Men-schen begegne, um die man in vielen Gedanken waehrend der unsi-cheren Jahre gefuerchtet hat und die unbeschadet durchgekommensind, abgesehen natuerlich von den materiellen Schaeden, diewir alle mehr oder weniger umfangreich erlitten haben, die unsaber nicht so wear getan haben wie die geistige und seelischeVergewaltigung, die wir- so gerne wir wollen- noch immer nichtganz loswerden, weil wir nicht so ko ennen, wie wir gerne wollen.Die juengste Tochter von Z.- giebel lebt verheiratet in Muenchen ,ich werde mit ihr zusammentreffen.

Paul und ich haben heute Mittag nach dem Essen einen erstenSpaziergang zum Bahnhof gemacht, und sind dann auf einem Rund-gang durch die Stadt gewandert und auf Schritt laengst vergessenen Spuren begegnet, die manche kleine Begebenheit wieder inunsere Erinnerung brachten. Das alte Kirschmann- HaeuschenMuellersheckweg ist zusammengeschrumpft, in unserer Vorstellungwar es ein stattliches Einfamilienhaus,- jetzt liegt es einge-bettet in einer hochgewachsenen Stadt, fuer die es leider auchdas traurige Charakteristikum der gx in wahrsten Sinne des Wortes graeulichen Kasernen gibt, die die Hoehen der Stadt" schnu ekken". Ich erkannte die Stellen an der Nahe an der Bruecke, aufdenen ich mich zum letzten Mal im Jahre 1925, also vor 23 Jak-ren, mit den Kirschmann- Kindern tummelte, sah die Stelle, ander Georg damals sass und die Felsenkirche zeichnete, sah durchdie Aussenwand des Kirschmann- Haeuschens den fuenfjaehrigen Paulauf einem Stuhl stehen, vor dem Grossvater Kirschmann, wie Pauldem Grossvater ueber den Kopf streichelt und dabei feststellt:Grosevatter is doch e scheener Bua.- Wir stiegen- vorbei ander Krone"- hinauf zur Felsenkirche, die inzwischen ihr Aus-seken verandert hat und ungebaut wurde, wir sahen ueber dieDaecher, ueber die xxxx sontaeglich belebten und mit franzo e-sischen Besatzungssoldaten bevoelkerten Strassen und ueber manches andere hinweg, und ich musste feststellen: Idar- Oberstein gehoert zu unserem Leben. Am Abend fiel mir eine ganz aek chdargestellte Passage in einem amerikanischen Generationsromanein, den ick kuerzlich las, wo ein Bruder zum anderen in eineraehnlichen aeusseren Lage sagte: this small place belongs to ourlife.- Gestern redeten wir bis in den Beginn des Sonntags hi-nein, und hente ging es weiter mit dem Brzaehlen, es ging buntdurcheinander, politische Gedanken wurden wieder abgeloest vonploetzlichen Erinnerungen, ich sah mir Claerchens altem Foto-Schatz an, wobei mir M nschen und Situationen einfielen, an dieich laengst nicht mehr dachte, die mir in Wirbel der Jahreund Ereignisse gaenzlich entfallen waren.

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Es waren zwei schoene Tage hier, und mir tut es mur leid, dassMaria nicht dabei war, weil sie an allem interessiert ist undsich auch schon sehr auf Oberstein gefrent hatte. Sie kennt Au-gust ja schon genauer, or war 1936 einmal in Berlin , und inzwi-schen schon einige Male in Muenchen , wo man aber niemals dazukan, sich in der Ruhe zusammenzureden, die man dazu unbedingtbracht. Hier hatten wir sie, aber wir wollen das im Sommernachholen, und wenn Maria demnaechst in Rheinland einige Arbei-ten ausfuehren wird, kommt sie auch wenn sie alleine unterwegsist- auf jeden Fall nach Oberstein. Ich muss schliessen, Paulist bereits auf der Couch eingeschlafen, August und Claerchenlesen Zeitung,- und morgen muessen wir etwas frueker heraus,also: alle Gruesse und Wuensche an Dick, an Euch, von Eurem