Akte 
Persönliche Korrespondenz
Entstehung
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Meine liebe Maria,

den 6. Januar 1948

ganz herzlichen Dank fuer Deinen lieben Brief vom 28.Nov., er war schon zuSylvester bei uns.Manchmal dauert es auch noch 1-2 Wochen laenger, der Post-verkehr aus Bayern schein extra lang zu sein, von Paul und aus Saarbrueckenkommen die Briefe etwas schneller hierher, auch aus Hamburg und Berlin , Hannover .Ich nenne nur die Orte, aus denen wir die uns wichtigste Post erhalten, ausDuesseldorf haette ich sie gerne, aber da wird sie meistens nicht abgeschickt,so braucht man nicht auf die Zeit aufzupassen.(!)--So habe ich also denLipmann- Brief erhalten und nur nicht auf den Absender geachtet, verzeih.---Wenn das Anzugpaket nicht kommen sollte, muessen wir es reklamieren, bitte gibsofort noch einmal Bescheid. Das Fettpaket hoffen wir nun doch bei Euch? vonandrer Seite haben wir, so glaube ich wenigstens, nun doch schon eine Bestae-tigung.

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Dein Brief hat uns in grosse Sorge versetzt, wegen Eurer beider Gesundheits-zustand.Man fuehlt sich so sehr ohnmaechtig dabei.Aber wir sind auch in Sor-ge wegen der ganzen Kombination: Gesundheit, geschaeftliche Lage und dauerndeUeberbeanspruchung der Kraefte bei Euch beiden. Das gibt schreckliche Perspek-tiven.--- Wir hatten es uns zum Grundsatz gemacht bei niemendem, weder bei Euchnoch bei irgend einem der uns nahestehenden Menschen in seine persoenlichenSachen hineinzureden, abgesehen von der mangelnden Neigung dazu, waere es auchdann, wenn es einmal erwuenscht oder geboten ist, eine Unmoeglichkeit. Schonwegen der Entfernung und der sehr gehemmten Verstaendigungsmoeglichkeit( sieheobige Zeitangaben) So fasse es auch jetzt bitte nicht als Bevormundung oderunangebrachte Kritik auf, wenn doch nun einmal so etwas wie eine" Beurteilung"Eures Gesamttuns durchklingt und denke dabei, dass es restloses Wohlwollenist, was dahinter steht.---" in einer solchen Zeit, wie Ihr sie jetzt dortin Deutschland durchleben muesst, spart man seine seelischen und koerperlichenKraefte, man ist so geizig damit, wie es irgend moeglich ist." Von Lotte hoerteich ueber einen unserer Freunde, der sie besucht hat, dass sie ihre Praxisbewusst klein haelt, weil sie deutlich fuehlt, dass sie gesundheitlich nichtmehr leisten kann, als sie es tut.Ist das nicht ein sehr vernuenftiger Stand-punkt? Wenn ich z.B.las, wie Du dem Fritz hilfst, so sehr, dass Du nicht zuder Arbeit kommst, die air liegt und zu der es Dich aus dem Inneren herausdraengt, dann erstand vor mir die Frage, ob das wohl richtig gehandelt ist.Und ob nicht doch wohl Emil Recht hat, der mir immer sagte, dass er viel lie-ber saehe, wenn Fritz in einer Redaktion arbeiten wuerde oder- wenn das nichtmoeglich waere( was sich ja unserer Beurteilung entzieht) einfach aufs Landgehen wuerde.Vorläufig.) Wie die Tiere, die ihren Winterschlaf halten. Manhaelt auch das eine Weile aus, es ist immer noch besser als sich ganz herunterzu wirtschaften. Und dabei sich selber und die schoepferische Kraft seinesLebenspartners und- Kameraden mit zum Opfer zu bringen.Fritz soll mir nichtboese sein, wegen dieser Betrachtungen, sie draengten sich mir schon frueherauf, ich lese auch zwischen den Zeilen und es formt sich beim Lesen ein BildEures Lebens.--- Aber was ich schreibe, ist post festum.- Hoffentlich( ach dieses" hoffentlich" das immer ein so ganzes ohnmaechtiges Wuenschen umschliesst)kommt ihr aus den geschaeftlichen Sorgen heraus, ohne dass es Euch dann nach-laueft.Und ich komme mir vor, wie ein Moralprediger, zu dem ich doch so garkein Zeug habe.--- Ich kann Dir heute nicht mal ein Paket ankuendigen. Das,mit dem Eure kleinen Wuensche erfuellt werden sollen( was allerdings nun wie-der gewichtsmaessig und auch sonst auf Kosten der so notwendigen Lebensmit-tel geht) steht schon seit Weihnacht postfertig gepackt da, wegen des Schneesaber konnte es Kaethe- der einzige" starke" Mann in unserem Hause, aber nichtzur Post schaffen. Sie wird in ihrem Beruf als" visiting nurse" natuerlichjetzt so muede, dass sie dann am Abend nicht mehr in der Lage ist, ein paarvon den bereitstehenden Paketen fortzuschaffen und mit Taxies ist es auchnicht so leicht jetzt gemacht.Aber es geht sicher in einigen Tagen ab.Seid sicher, dass wir an Euch denken und mit bestem Willen zu helfen suchen,soweit es uns nur moeglich ist.

Ganz herzlich fuer Euch beide von uns dreienEure

grasse Mutti