Akte 
Persönliche Korrespondenz
Entstehung
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8. September 1947

Meine liebe grosse Mutti,

lieber Emil,

liebes Kätchen,

Euer Brief vom 26. Juli mit dem Gutschein des Parcel Service derA.W. habe ich vor einigen Tagen erhalten. Von der Konsumgenossen-schaft habe ich allerdings noch nichts gehört und warte auch in allerRuhe ab, da ich glaube, dass es keinen Zweck hat, an die G.E.G. nachHamburg zu schreiben.- Vor einigen Tagen kam der Luftpost brief vom21. August, in dem Du mir schreibst, dass Du inzwischen einen kleinenAusflug in die Niagara falls gemacht hast.

Da ich im Moment auf Grund von 1000 Schwierigkeiten nicht weiss, womir der Kopf steht, kann ich auch leider nicht sagen, was mich anMünchen bindet und ob und warum ich München und meine Arbeit in dieserStadt liebe. Es ist leider so, dass man sich heute seine Lieblings-städte nicht aussuchen kann, sondern zwangsläufig dort Wurzel schlagenmuss, wo ein wenig privater Mutterboden übrig geblieben ist.Ihr werdet inzwischen meinen kurzen Brief, den ich Euch nach meinerRückkehr von der Deutschlandfahrt schrieb, erhalten haben. Ich habedarin nur ganz kurz von Paul, Lotte, Rolf usw. geschrieben. Mit Rolfhabe ich zwar guten Kontakt bekommen und ich werde ihm auch gelegent-lich das Theater betrefrende Informationen geben können, aber er istja emster Theatermann und scheidet für meine Sparte der leichtenMuse aus. Trotzdem bin ich froh, da ich auf Grund des persönlichenWiedersehens wieder eine klare Vorstellung von unseren Freunden habe.Marias Mutter ist noch immer bei uns und wir haben es fertig gebracht,sie für die nächste Periode zu verpflegen. Ende d.Monats wird sie al-lerdings in ihr Altersheim nach Bad Pyrmont zurückkehren. Sie hat sichüber Eure Grüsse sehr gefreut und erwidert diese ganz herzlich.Auf die Care- Pakete mit dem Anzugstoff und dem Mehl und dem Fett binich aus ganz bestimmten Gründen besonders neugierig. Die Gründe sindfolgende: in der Nacht vom 1. zum 2. September arbeitete ich mitMaria im Bunten Würfel im Theatervorraum und auf der Bühne an Deko-rationen und auf Proben und hatte meinen Wagen wie üblich vor dem The-atereingang geparkt. Um 2 Uhr nachts war der Wagen noch da. Als ichum 3 Uhr das Theater verliess, war der Platz leer. Wir alarmiertensofort telefonisch und mündlich die Polizei, was mit anstrengendenNachtmärschen quer durch die Stadt und heraus bis Harlaching verbundenwar. Am 2. September nachmittags um 17 Uhr, also 1 Stunde vor dem An-laufen des neuen Programms, wurde uns telefonisch von der Polizei mit-geteilt, dass man den Wagen in der Nähe Münchens in einem Wald völligausgeplündert aufgefunden habe. Maria organisierte sofort einen Ab-schleppdienst und nach mehrstündigem Suchen im Perlacher Forst ent-

b.w.