deckten wir die letzten kümmerlichen Reste unseres Wagens ineiner Waldschneise. Der Wagen ist fachmännisch bis auf die Ka-rosserie und den rohen Motorblock abmontiert worden. Wir habenihn noch nachts abgeschleppt und die Fordwerkstatt, in der sichdas Rodiment jetzt befindet, erklarte mir, dass eine Beschaffungder gestohlenen Bestandteile aufnormalem Wege so gut wie ausge-schlossen sei. Es ware ohne weiteres möglich, den Wagen durchAnkauf aller Teile auf dem schwarzen Markt verhaltnismessig schnellwieder flott zu machen, aber das würde mici 25000.- bis 30000kosten, ist ausserdem auch aus anderen Gründen völlig ausgeschlos-sen. Mir bleibt nur der Weg der Kompensation, zu deutsch : 1 BüchseSchmalz gegen einen Vergaser, 1 Care- Paket gegen einen Reifen mitFelge usw. Also ist auch dieser Weg so gut wie ausgeschlossen.Ich will versuchen, einen Ersatzwagen zu bekommen, damit ich micheinigermassen bewegen kann, denn auf Grund der intensiven Verkehrs-einschrankungea in München , ist die Arbeit, die ich zu leistenhabe, ohne Wagen undenkbar und führt zum Ruin des Theaters.Drückt mir alle Daumen, damit ich es in irgend einer Form leichthabe.
In diesem Zusammenhang möchte ich noch einmal fragen, ob Ihr einenWeg wisst, wie Maria Euch einige Ihrer zauberhaften Aquarelle zumSchmuck Furer Wohnung schicken kann. Im Augenblick keine ich lei-der niemanden der he rüberfahrt und sie für Euch mitnehmen könnte.Vielleicht rede ich bei nächster Gelegenheit mal mit Dr. Kemptner.Das Programa, das in Nürnberg angelaufen ist, hat grossartig einge-schlagen. Ich habe auch mit grosser Intensität und Liebe darangearbeitet. Ein Programmzettel ist an Euch abgegangen( Wir pfeifenaur die Zeit").- Mit dem zur Zeit in München laufenden Programmhabe ich grosses Pech gehabt. Einzelheiten zu erzählen führt zuweit. Die Autoren haben restlos versagt. Die technischen Schwierig-keiten waren gerade in den Tagen der Vorbereitung so unwahrschein-lich gross, angefangen von Quartierbeschaffung für die Künstlerbis zu Transport schwierigkeiten von und zum Theater, zu den Probenund dann die augenblickliche Situation mit den willkürlichen Strom-abschaltungen haben für unser Münchner Haus zu einem regelrechtenTheater- Vabanquespiel geführt. Aber auch dieser Kelch wird vorbelgehen. Mein Optimismus ist nach wie vor ungebrochen und meine Ar-beitsintensität hat weder durch den geklauten Wagennnoch durch dieanderen Schwierigkeiten nachgelassen.
Bei dieser Gelegenheit fällt mir ein, dass ich unter meinen letztenBrief an Euch mir roher Hand nur Roehl unterschrieben habe, was da-mit zusammenhängt, weil er zwischen der geschäftlichen Korrespondenzlag, und von mir in der Eile nicht noch einmal überlssen wurde, aberIhr werdet das nicht krum genommen und vermutet haben, wie das zu-stande kam.
Meine Sekretärin, die in diesem Augenblick mit kummervoller Mienemir gegenüber sitzt, weil sie vor einigen Tagen aus ihrem Zimmerhinaus flog und im Augenblick nicht weiss, wo sie unterkommen kann,wird diesen Brief an Euch in die Maschine schreiben. Dafür bekommtsie aus dem nächsten Paket einen kleinen Trost.22
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