Akte 
Persönliche Korrespondenz
Entstehung
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Fritzmi chael Roehl, Muenchen 9- Harlaching , Haselburgstrasse 6

Tel. 40 857

14. Mai 1947.

Meine liebe grosse Mutti, liebes Kathchen, lieber Emil,

seit meinem letzten Brief an Euch hat sich inzwischen wieder eine-ges ereignet. Ich schrieb Euch, dass ich anfang April einen kurzenabs techer nach Nuernbenggemacht haette, um dort den ersten Teildes neuen" Fuerfel"-Programms zu inszenieren. Seit diesem Brief,der vor nunmehr vier Wochen abging, hat sich die Situation fuermich grundlegend geändert.

Nürnbreg, den 23. Mai 1947.

Fast zehn Tage spaeter kann ich erst diesen Brief in Nürnberg fort-setzen und hoffentlich auch beendigen.-

Als ich mit der Inszenierung in Nürnberg fertig war und nach München zurückkam, war der vorübergehende Lizenzträger aus dem" Würfel" aus-gestiegen worden, weil seine Qualifikation nicht ausreichte. Ein Er-satz war schwer zu finden, und da kam men auf die Idee, mich zuverpflichten. Nach 24 Stunden Ueberlegungszeit sagte ich zu und ja,und fing dann sofort an, das noch von einem anderen Oberspielleiterstammende Programm in einer blödsinnigen Tag und Nachtarbeit umzu-bauen, um am 1. Mai eine Neu- Inszenierung herauszubringen, was auchgelang. Ein Plakat und ein Programm sind an Euch abgegangen. Nachdem ersten Mai musste ich mich sofort bemühen, das Juni- Programm vor-zubereiten. Die ganze Sache ist insofern kompliziert, als je einWürfel- Haus in München und Nürnberg ist. Das neue inchener Programmgeht nach vier Wochen Laufzeit nach Nürnberg , um dort vier Wochenzu laufen. Inzwischen muss in Nürnberg mit dem Nürnberger Ensembleein neues Programm inszeniert werden, dass denn in München anläuft,um nach vier Wochen ebenfalls nach Nürnberg zu gehen.Und jetzt stecke ich mitten in der dick sten Arbeit. Zur Zeit inszeniere ich gerade des neue Münchener Juni- Programm mit dem Titel" Ichwünsch mir was!"- Eine musikalische Traumbild- Revue. Ueber Pfing-sten, also in zwei Tagen, werde ich einige Stunden bei Maria sein,die sich ebenfalls wieder hundertprozentig in den Würfel eingschaltehat und alles macht, was ihr unter die Finger kommt. Sie hilft mir,ie immer, ganz wunderbar. Meine Verleger- Lizenz habe ich inzwischenicht aus den Augen verloren. Vor 3 Wochen sprach ich mit Kempner darüber, der mir empfahl, noch einmal mit Mr. Wallenberg, Chief Editorder amerikanischen" Neuen Zeitung", zu sprechen, was ich auch tat.Wallenberg wollte versuchen, sich in den Lizenzierungsprozess einzu-schalten, um die Geschichte. vielleicht etwas vorwärtszutreiben. Ichhabe Wallenberg noch nicht anrufen können, weil mich Nürnberg brauchte. Vor einigen Tagen haben Maria und ich unsere Interzonen- Pässebekommen. Wenn es jetzt zeitlich möglich wäre, würden wir am lieb-sten nach Düsseldorf zu Lotte, nach weissenthurm zu Paul, und zumSchluss nach Pyrmont zu unserer iammi fahren, um sie von dort nachMünchen zu holen. Vielleicht klappt es Anfang Juli, denn im Augustmacht der Würfel in beiden Häusern eine Pause, die mit 14tägigenGastspielen ausgefüllt werden. Die restlichen 14 Tage werden gebraucfür die Renovierung der Theater.

Vor längerer Zeit kam auch das März- Paket,- das angekündigte JanuarPaket ist noch nicht da, desgleichen noch nicht das Care- Paket, aberda es bekanntlich wieder Stockungen gab, wird hoffentlich auch dieJanuar- Sendung noch ankommen. Das herrliche Paket, das Ihr in Euremletten Brief angemeldet hebt, mit dem vielen Honig, dem Kaffee usw.erwarten wir ebenfalls von Tag zu Tag. Ich habe gerade uren Briefnicht zur hand, kann also auch nicht auf Einzelheiten eingehen. Dievielen Drucksachen- Sendungen sind übrigens alle angekommen. Es ist funs, Maria und mich, äusserst interessant, und wir lesen jede Zeil