Liebster Fritz, liebste Maria,
den 14.April 1947
" Both of the nephews" sind eingetrudett, nachdem sie sich in Muenchen nochbis zum 1.April Zeit gelassen hatten. Dann reissten sie sehr schnell, wa-ren schon am 12.April hier, per Flugzeug.-- Many hearty thanks for the goodwishes.But I am 68 now, not 69 Years old. Alright, it does'nt matter. But Inext year, I would'nt like to be 70, when I really am not.--- Also liebsterJunge, Dein Ischias hat sich wieder gemeldet, das ist nicht gut. Mein morscheslinkes Bein macht mir ebenfalls Kummer.Ich habe mir den Luxus gestattet, mitder Kuechenleiter umzufallen und auf das kranke Bein.So hat es die Verprellungsehr uebel genommen und ist darueber hinaus sehr rebellisch geworden. Dasaussert sich nicht mehr in der Form, wie die frueheren akuten Anfaelle, aberes genuegt vollkommen, um mir den Schlaf zu vertreiben und die Laune zu verder-ben.Ich habe soeben noch Eure Briefe durchgesehen, die von Maria, mit der Anlagevon Walter Aub.Schade, es war zu spaet nach Weignacht, ich haette es gerne( mit Erlaubnis) in eine Zeitung gebracht, aber die" Stimmung" war schon ver-flogen. Ich hebe es auf.(?) Mir rieselte es ueber den Ruecken, als ich eswieder ueberlas.--- Den Brief vom 21. Jan. und vom 15.I.dazu( Maria) hebe ichfuer eine stillere Stunde auf, ebenso Deine beideh Briefe( Fritz) vom 3.und16.Maerz.Ich kann mich noch immer nicht konzentrieren. Das Bein, eine Erkael-tung, Aerger( ausserhalb des Hauses bei meiner Arbeit fuer D.) eine Darmgrippevon Kaethe haben mich mit meiner umfangreichen Post, die sich taeglich un-heimlich vermehrt, sehr in Rueckstand gebracht.--- Nehmt die Versicherung,dass wir an allem lebhaften Anteil nehmen, was Ihr uns schreibt.Wir wuenschtennur, mehr tun zu koennen, nicht nur in Richtung Pakete, sondern an anderemBeistand.
Nun ist Pit Stern tot.Emil empfand ihn als einen guten Freund, den er wegenseiner besonders guten Charakteranlagen sehr schaetzte.Auch ich schaetzteihn sehr, als Mensch, als Suchenden, vor allem aber wegen seiner anstaendigenmenschlichen Grundhaltung.-- Schade-- Ich lege en einen Nachruf der NeuenVolkszeitung bei, der ihm gerecht wird.
Bekommt Ihr meine Drucksachensendungen?
Seid beide herzlich gegruesst.Nein lieber Fritz, wir wollen es nicht tragischnehmen, wenn Du Dir was von der Seele schreibst. Wir haben Verstaendnis da-fuer.--- Wenn man solche Briefe bekommt, wie sie mir z.B.Louise Schroeder u.a.schreiben, dann kann man es nicht tragisch nehemen, wenn Ihr beide( vollkommenberechtigt) gegen das Schicksal rebelliert. Nur eine Stelle aus einem Brief:"...... es ist schwer, sehr schwer, so vielen helfen zu sollen, wenn die Haendeleer sind. Es fehlt ueberall und so ist es kein Wunder wenn viele ueber" Wasser-suppen" klagen.Aber noch schlimmer ist der Mangel an Decken. Die ausgebomtenMenschen haben- sowie auch ich- bis zum Jahre 1944 an Stelle der verlorenenDecken usw.ein Kopfkissen und eine sogenannte Wolldecke erhalten; spaeteraber ueberhaupt nichts mehr.-- So kommen Menschen, Alte, aber auch Kinder, miterfrorenen Gliedern zum Zwecke der Amputation ins Krankenhaus und anderewerden tot aufgefunden, erfroren. Diese taeglichen Nachrichten von erfrorenenMenschen zehren an unseren Nerven. Der Himmel mag geben, dass dieser Winterendlich ein Ende hat:"
Dieser und aehnliche Briefe, die ich von Menschen, die helfen wollen und sollen,bekomme, laufen mir nach, ich stehe dauernd unter diesem Eindruck und unterdem Gefuehl der Ohnmacht. ---- Deshalb verzeiht mir, wenn ich es heute kurzmache. Nehmt unsere schoensten Gruesse von Kaethe, Emil und von Eurer
Anlage Lettel
2 Pakete
grassen Mutti