Akte 
Persönliche Korrespondenz
Entstehung
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16. Maerz 1947.

Meine liebe grosse Mutti,

Dein letzter Brief vom 4. Maerz mit dem kleinen Zettelchen, derden Inhalt eines neuen Pakets ankuendigt, war an Maria gerichtet,aber ich werde ihn beantworten, denn Maria ist mit den Arbeitenals Kostuemberaterin fuer das von Schweikart inszenierte Theater­ stueck " Der Staatsmann und die Kuehe" beschaeftigt,- und dieseberatende Beschaeftigung sieht so aus, dass Maria von Behoerde zuBehoerde jagt, um Bezugscheine aufzutreiben, und wenn sie dieScheine hat, jagt sie den Materialien nach( so faehrt sie morgenwegen des Stoffes fuer einen Schotten- Rock fuer eine Schauspiele-rin nach Augsburg ). Eben sitzt sie mir gegenueber an einer Hand-Naehmaschine und baut aus einem alten weissen Kittel fuer dassel-be Stueck eine englische Schwesterntracht. Am 26. Maerz, also inzehn Tagen, ist die Premiere und alles ueberstanden. Dann wirdsie sich etwas Ruhe goennen. Vielleich faehrt sie fuer wenigeTage in die Allgaeuer Gegend zu Bekannten, um dort auszuspannenund eventuell einige Aquarelle zu malen.

Hast Du zu Deinem gestrigen Geburtstag den kurzen Zettel von denboth nephews bekommen? Es waere schoen gewesen.

Vor einigen Tagen besuchte ich Ernest Langendorff, um ihn fuer mei-ne Verlagsangelegenhei zu bemuehen. Ich habe mit ihm ganz offengesprochen und ihm gesagt, dass mich einige amerikanische Herrenregelrecht bewusst getaeuscht haetten( um kein haerteres Wort zugebrauchen). Er kennt die ganzen Z usammenhaenge und hat mir ver-sprochen, einmal festzustellen, wo die ganze Sache haengengebliebenist, und warum.- Als ich z. B. dem Pruefungsausschuss meine letzteStellungnahme ueberreichen wollte und diese Stellungnahme vorhereinem zustaendigen amerikanischen Sachbearbeiter( den ich selbst vonmeiner frueheren Taetigkeit her sehr gut kenne und mit dem ich michausgezeichnet stand) zeigte, meinte er, dass es vollkommen zwecklossei, den Pruefungsausschuss zu bemuehen. Er sprach so hochnaesig-uebermuetig, er liess mich so bewusst fuehlen, was fuer ein kuemmer-licher, geschlagener, bedeutungsloser deutscher Wurm ich sei, dassM aria( die diese Szene miterlebte) an zu schlucken fing und leichtrot anlief. Das bedeutet bei ihrem Beherrschungsvermoegen sehr viel.Und als ich fragte, was ich denn nun tun koennte, mit wem ich michunterhalten, wer mir einen Rat, oder zumindest eine ganz klare Ant-wort geben koennte( nachdem ich mehr als ein Jahr lang mit klarenAntworten an der Nase herumgefuehrt wurde), bekam ich zur Antwort:" Das kann ich Ihnen nicht sagen. Warten Sie ab."- Wie lange? 15Jahre?

Was habe ich denn jetzt verbrochen? War es falsch, fast zwei Jahre( sagen wir: anderthalb) fuer das Theatre Control Office und die In-telligence Section zu arbeiten und alle privaten Plaene zurueck-zustellen? War es nicht richtig, im Auftrage der Amerikaner denDeutschen zu helfen?- Ich verstehe manche Schwierigkeit, aber ichverstehe es nicht, dass man im letzten Jahr 20 Verlagslizenzen er-teilte, aber mir dauernd sagte, es gaebe keine Lizenzen, weil keinPapier da sei. Und a nn erschienen lustig und frog 1uter neue Blaet-ter und Schriften.