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Aber Du sagst, ich soll die Ohren steif halten. Und wie ich dasmache. Ich bekomme meine Verlags- Lizenz( Ausrufungszeichen. Diese Maschine hat keins).
Und schicke allerhand Gedrucktes. Es regt mich an, wir finden allesschon allein deshalb interessant, weil es aus einer anderen Atmo-sphaere kommt, mag es sich um nuechterne Lohn- Artikel ueber die In-dustrie oder um sonst was handeln. Wir raetseln nicht, wir freuenuns. Auch wir stecken ab und zu was ein an Euch. Nehmt das genau so.-Ich wusste garnicht, dass Klara Bohm- Schuch gestorben war. Von Ma-ria habe ich noch in meinem Familienalbum Aufnahmen aus Berlin- Britz mit Ringelspiel um Baeumchen und so. Hast Du ihre Adresse? Wer istihr Mann?
Lotte schweigt auch an mich. Hoffentlich hat Paul, als er sie in Dues seldorf besuchte, ihr etwas mitbringen koennen. Ich will Paul selbstbrieflich fragen, wie er Lotte und Meerfelds angetroffen hat. Ichkann ja von hier aus auch nicht helfen, wenn Paul uns besucht haette,haette er uns geldlos, kartoffellos, brotlos, aber gottlob nicht kopf-los angetroffen. Geld bekommen wir in den naechsten Tagen, sodass eswieder eine Weile reicht. Kartoffeln wird es jetzt, wo die Kaeltevorbei ist, auch wieder geben. Brot haben wir uns jetzt etwas besor-gen koennen, sodass M aria etwas mit auf ihre Augsburg - Fahrt nehmenkann.- Unsere Wohnung sieht ganz manierlich aus, weil ich viel herum-gemurkst habe, aber hoffentlich ist Rolf bald aus der Kriegsgefangen-schaft zurueck. Dann muss er sich wahrscheinlich zuerst etwas erholen( es fragt sich mur: wie).- Beinahe waere ich wegen einer Foto- Ge-schichte nach Duesseldorf gefahren, es hat sich aber zerschlagen. Abervielleicht koennen wir im Fruehjahr eine Rundreise machen, die wirdamit abschliessen, dass wir Marias Mammi mit nach Muenchen bringen.Się leidet sehr unter Asthma. Hoffentlich ist Muenchen klimatisch er-traeglich fuer sie.
Kennst Du Mr. Leonard Felsenthal, der mit Ernest Langendorf in derPress Section der ICD gearbeitet hat? Felsenthal rauschte vor weni-gen Wochen nach den Staaten ab, ich dachte, er wuerde nie wiederkommen, und sah ihn jetzt bei Langendorf wieder, wo er erzaehlte, dasser auf einem meeting war, wo er Dich von ferne gesehen hat. Langen-dorf machte ihm scherzhaft Vorwuerfe, dass Felsenthal nicht mit Dirgesprochen hat, denn Duk haettest ihn sicher ueber Langendorf undmich ausgefragt. Er will es das naechste Mal, wenn er hinueberfahhrt,nachholen.
Unter den Ausschnitten in der New Yorker Staatszeitung war auch einkleiner Artikel ueber die Europa - eise einiger amerikanischer Zeitungsverleger, angefuehrt von dem Chief editor und general manager des SanFrancisco Chronicle, Paul C.F.Smith, der einen Plan entwickelte,deutsche Journalisten fuer ein halbes oder ein ganzes Jahr nach Ane-rika zu holen, damit sie an Ort und Stelle in den demokratischen Jour-nalismus hineinfaenden. Ich habe an Paul C.F.Smith einen Brief ge-schrieben, in dem ich mitteilte, dass ich zwar nicht im KZ gesessenhaette, dass ich einigermassen heil an Geist und Koerper durch dieNazi- und Nazikriegszeit hindurchgekommen sei, dass ich mit Van Loonund mit der Intelligence gearbeitet haette, im Augenblick auf meineVerlagslizenz wartete, was noch lange dauern koennte, da es bereitssehr lange dauern wuerde, und dass ich die Idee, deutsche Journali-sten nach Amerika zu holen, grossartig faende. Am liebsten wuerde ichzu diesen Journalisten gehoeren. Mr. Smith hat mir jetzt kurz undfreundlich geschrieben, dass diese Idee wahrscheinlich erst in eini-gen Monaten verwirklich wuerde, dass er sich aber meinen Namen auf