Meine liebe Matia,
den 4.Maerz 1947
bitte, bitte, Ihr muesst beide Geduld mit mir haben. Ich schreibe,trotz Euter deprimierten Brief, nur schnell, weil ich eine bestimmteReihenfolge erreichen muss und die" Zettelchen" loswerden will. Derangeheftete wird Euch hoffentlich Freude machen. Wenn ich Luft holenkann, der Berg neben meinem Schreibtisch kleiner geworden ist, dannschreibe ich wieder Richtige Briefe.
Inzwischen schicke ich allerhand Gedrucktes, weil wir das jetzt duerfen.Nicht daran herum raetseln, ich schicke wenn ich beim taegl.Lesen anEuch denke.Mag nicht alles intressant, mag manches ueberholt, manchesueberfluessig sein. Dann nehmt den guten Willen fuer die Tat.
Und Fritz, lieber Junge, halt die Ohren steif, es hilft alles nicht.Gestern bekam ich einen langen und anstaendigen Brief von Willi Schuch,dem Mann der verstorbenen Klara Bohm Schuch.Hast Du das lange Maedel,die Maria Schuch im Gedaechtnis? Sie ist verheiratet und hat dreiKinder, darunter ein Zwillingspaar.Sie evakuierte waehrend der Bombar-dierungen und sitzt heute noch auf einem Dorf, wodurch die Kinder wahr-scheinlich vor dem aergsten Hungern geschuetzt sind.So klang es durch,trotz Grossvater- Sehnsucht.
Lotte schweigt in allen Sprachen, Paul schreibt liebe Briefe, er hat Lottegesehen, die er grade nicht gut antraf, hatte ausser etwas Brot und eineletzte Erbsensuppe ohne was drin, grade nichts im Haus und auch keinGeld.Er war auch bei Meerfelds, die ausser Kartoffeln nichts hatten.Auch die Wohnung soll wuest aussehen, sie war doch sehr lange ohne Auf-sicht und ist ausserdem stark zerstoert. Und es sind alte Leute, die nichtselbst basteln koennen. Aber Rolf soll nun aus der Gefangenschaft kommen,vielleicht ist er schon da.
Hoffentlich hast Du liebe Maria nun bald Deine liebe Mutter dort, ichantworte Dir bestimmt bald.
Mit Emil bin ich nicht sehr zufrieden, er liesst diesen Brief nicht.
40527
Herzlichst immer Eure
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