Akte 
Persönliche Korrespondenz
Entstehung
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tens an den Praesidenten dieser Kulturliga- Arbeitsgemeinschaft, Prof.Weber, der zwischen der franzoesischen und amerikanischen Zone hin undherpendelt, der also nicht leicht zu erreichen ist, was aberdoch ge-schafft wurde und mit dem ich zu heute Vormittag verabredet war. Nunist aber unser Telefon seit vier Tagen gestoert( die Kaelte ist zu tiefin den Boden gedrungen und hat ein Erdkabel laediert, die Reparaturenkoennen also unter Umstaenden wochenlang dauern), der Wagen, mit demHerr Schnackertz mich heute frueh abholen wollte, ist nicht gekommen,und gegen zwoelf erfuhr ich, dass er irgendwo liegengeblieben ist, mitder Strassenbahn zu fahren war nicht mehr moeglich, da das fast zweiStunden mit dem entsprechenden Fussweg dauert, telefonieren konnte mannicht, da mein Apaarat der einzige ist, der in der naeheren und weite-ren Umgebung steht, jetzt geht das Rennen von vorne los.Aber einmal werde ich den Professor erwischen, dann wird man sich auchueber die Zusammenarbeit einigen, dann kann alles vorbereitet werden,und wenn es das Schicksal will, koennen sich die Deutschen und Fran­ zosen ein wenig ueber Debussy vermittels eines Taenzers naehern.Zu meinen Verlagsplaenen: der Chief von Inform tion Control, Col. Ma cMahon, der mir in die Hand versprochen hatte, dass ich meine Verlagsli-zenz auf jeden Fall so chnell wie moeglich bekomme und der entsprechende Anweisungen an die zustaendige Section gegeben hatte, ist nach Hes­ sen versetzt worden. Seine Anweisung hat scheinbar keine Gueltigkeitmehr. Ausserdem muss sich am 5. Maerz ein Ausschuss konstituieren, derfuer weitere Verlagslizenzen die Vorpruefung und Vorberatung ueberneh-men muss. An diesen Pruefungsausschuss muss ich mich wenden( wenn ersich konstituiert hat, wenn er ein Buero in Muenchen gefunden hat, wenneine Sekretaerin engagiert ist, wenn Telefon liegt, wenn der AusschussBriefpapier, Aktendeckel, Tinte, Federhalter und einen Stempel- undlast not least auch dann mit der Arbeit begonnen hat. Wenn man dieweitere Entwicklung dieses Falles den anormalen Umstaenden entsprechendnormal betrachtet, wird der Ausschuss vielleicht Ende April so weitsein, um ueber die ersten Faelle zu ber ten. Da ich Privatmann bin undkein ehemaliger Verleger, komme ich ganz zum Schluss an die Reihe, wennes bereits so viele Verlage gibt, dass Privatideen nicht mehr berueck-sichtigt werden koennen. Das nennt sich dann, der neuerstehenden Demo-kratie entsprechend:" Freies Spiel der Kraefte". Bis dahin schreibenwir vielleicht April 1948. Ich habe dann genau drei Jahre gebraucht,un mich ueberzeugen zu lassen, dass ich einem Hirngespinst nachgelau-fen bin. Und im wesentlichen nur deshalb, weil dieser von mir keineFlasche Schnaps erhalten hat, weil ein anderer keine Stange Zigaret-ten bekam, weil ein Dritter nicht mit mehreren Pfund Kaffee geschmiertwurde, weil der Vierte nicht mit einer Dose Fett bestochen wurde. Weilich naemlich in meiner Idiotie keinen schwarzen Markt unterstuetzte,sondern aus Selbsterhaltungstrieb das Fett in der eigenen Pfanne auf-brauchte, den Kaffee selbst trank und die Zigaretten selbst rauchte.Ein anderes praktisches Beispiel: eine Nazi- Familie in Muenchen hat einHaus, dessen Dach zerstoert ist, und einen Sohn, der in Amerika lebt,Amerikaner ist und sehr viel Geld verdient. Diesem reichen Sohn wirddas Haus ueberschrieben. Es kann also nicht mehr beschlagnahmt werden,ist amerik nisches Eigentum. Der reiche Sohn schickt jetzt Paket aufPaket, Jede Woche mindestens zwei sehr umfangreiche. Mit dem Inhaltdieser P akete wird das Haus neu aufgebaut. Man bekommt dafuer allenotwendigen Baumaterialien, man bekommt die Handwerker, weil man ihnenzum Fruehstueck Bohnenkaffee mit Sahne und Zucker und aus weissem Mehlmit Buchsenmilch in schoenen Fett gebacknne Plaetzchen, zum Mittages-sen umfangreiche und nahrhafte Buechsenmahlzeiten, zum Nachmittag wie-