-5-
Fritz und Maria, 1.Nov. 1946
Baketsendungen noch etwas angeheftet ist ein slip. Fuer die Farben sucheich einen Weg, oder eine Gelegenheit.Etwas, was nicht zu den Lebensnotwendig-keiten gehoert, koennte unter den Begriff" commercial" fallen. Wir wollen Euchmit Verbotenem keine Unannehmlichkeiten machen. Deshalb kann man ja( nicht we-gen" commercial" sondern wegen Verbot) auch keine Druckschriften und Bilderschicken. Troesten wir uns, die Zeit kommt auch. Aber-- fuer unsere bescheidenenSendungen nicht ueberschwaenglich danken- bitte nicht. Auch nicht von spaeteremErsatz sprechen. Materielle Dinge waren zwischen uns niemals Gegenstand der Er-oerterung.Selbstverstaendliches geschah immer.Und menschliche Anstaendigkeitist doch auch selbstverstaendlich. Wenn wir nicht mehr schicken, wisst Ihr, dassnicht Mehr moeglich war und ist. In diesen gewohnten Streifen passt auch dieKaethe-unser Hausgenosse- hinein.--- Auch von Kranksein sprechen wir nichtmehr als unbedingt notwendig ist, um unsere Freunde zu unterrichten.Mitleidauessern wir nicht laut, hoechstens zeigen wir Verstaendnis. Das geht oft miteinem eingeflochtenen Satz, vielleicht einmal mit einem guten Rat, wenn wirihn geben koennen.---- Auf Lohn und Gegengabe wird- auch nicht leise- gerechnet.Dass wir untereinander- soweit wir Freunde sind- die selbstverstaendliche an-verstehtstaendige Gesinnung und menschl.Handlungs faehigkeit voraussetzensich von selbst.----- Sage dem Heinz, dass wir ihn ums Himmelswillen seinerMarken nicht berauben wollen, wir sind ja gar keine Sammler.Es wird mir Freudemachen, seine kleine Sammlung zu bereichern, soweit das moeglich ist.Aber- auchin seinem Intresse wuensche ich, dass das CARE- paket nun endlich da sein moege.--- Ich haette mich gefreut, wenn Du, lieber Fritz, bei Paul eine Zeitlang Ernte-arbeit gemacht haettest.Als wir in Suedfrankreich waren, hat Emil, Kaethe undeinge andere Mitglieder unseres Haushaltes im Mais und im Holz gearbeitet.Emil hat sich dabei wirklich gluecklich gefuehlt, er sagte, das gaebe so einGefuehl mit der Erde verbunden zu sein und dabei etwas ganz nuetzliches zutun, was den Anderen auch zugute kommt. Wir Stadtpflanzen lassen immer die An-deren fuer uns arbeiten und dann schimpfen wir auf die egoistischen Bauern uswUnsere franzoesischen Bauern waren so menschlich anstaendig im Umgang mit uns,dass wir auch heute noch, immer mit Vergnuegen, von dieser Zeit sprechen.-- Paul,der ja kein besitzender Bauer ist aber trotzdem doch ein Bauer, weil er so mitseiner Arbeit verbunden ist, ueberrascht mich immer wieder aufs neue und sehrangemehm, durch seine soziale Einstellung, sein gesundes Urteil ueber die all-gemeinen und die politischen Verhaeltnisse. Er ist in politischer Beziehungvollig ambitionslos, aber durchaus gesund.--- Die Kinder scheinen ihnen Freudezu machen und es ist ein Glueck, dass sie, wenn sie auch sehr einfach lebenmuessen, doch etwas mehr zu essen haben als der Durchschnitt. Von Lotte selbstweiss ich wenig, Paul schickte mir einen Zettel mit, den sie ihm schrieb.Danachhat sie Wohnungssorgen, wahrscheinlich drohende Beschlagnahme, wobei allem An-schein nach, die Sache schon lange schwebt und sie dauernd in Aufregung heelt.Das ist fuer einen Rechtsanwalt keine Kleinigkeit.... Aber von Else Meerfelderhielten wir einen Brief:".... Wenn ich mit Lotte zusammen war, war es immerein Glueckstag.Tapfer und treu hat sie alle Schwierigkeiten, Not und Tod dazuueberwunden. Bei aller Hetze der Jahre ist sie ein feiner, frischer Mensch, dermitten im Leben steht, geblieben. Ihre treue Hilfe fuer Menschen in Gefahr, wirdsich gewiss, so oder so, lohnen. Wenn ich in Bonn bin, fahre ich zu ihr..Meerfelds wohnen in Bonn , Baumschulweg 25.Jean ist 75 Jahre alt. Rolf ist zumgrossen Schmerz der Beiden noch in franz.Gefangenschaft.Leon Blum setzte sichschon fuer ihn ein, die Quaker haben allerhand mobilisiert, bisher vergeblich.Else schreibt auch, dass Ihr, Du und Rolf, sich fast einmal vor Jahren in Aschaf fenburg getroffen haettet, Du aber musstest frueher abfahren.--- So mache ichdenn Schluss.Herzlichst Euch beiden und ebenso Gruesse an Heinz und seinen
here. Weihnachts genſtefuceEnil.
11
* Du nennst den August Kirschmann ploetzlich Paul.Hoffentlich hast Dunicht scan ihn geschrieben, vielleicht war es nur ein Schreibfehler in dem Brief an uns.