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und bleibt E mil, und da Du seit dem 12. September nicht mehr ge-schrieben hast, sind wir nur noch unruhiger. Und das ist- ganzoffen gesagt der Hauptgrund, weshalb wir seit dem 20. Septembereine Schreibpause machten. Euch in jedem Brief zu schreiben, dassauch von Euren Paketen nichts angekommen ist, haette Euch ebenfallszusaetzlich noch mutloser gemacht.
Aber gestern bekamen wir eine Mitteilung von der Caritas, von derdie Care- Pakete betreut werden, dass wir von Emil Kirschmann , N.Y.,unter der Nummer 115897 ein Liebesgabenpaket erhielten und es ab-holen koennen. Heute war Sonntag, morgen gehe ich dort vorbei. Esscheint das Care- Paket zu sein, das Ihr im Juli in Auftrag gege-ben habt. Das haette dann sehr lange gedauert. Wir werden soforteinen zweiten Brief hinterherschicken mit einer genauen Beschrei-bung unserer Freude, aber die dreimonatige Vorfreude war fast ge-nau so schoen.Ich habe inzwischen mit Mr. Norden, dem Chief Editor des amerika-nischen, in deutscher Sprache herausgegebenen illustrierten Maga-zins" Heute", Fuehlung aufgenommen und mich sehr gut mit ihm unter-halten. Er erbat sich Vorschlaege ueber die Ausgestaltung der Zeit-schrift, ich setzte ihm einige Themen und grundsaetzliche Dingeauf, und er hat sich gefreut. Am liebsten moechte er mich zum 1.November in die Redaktion von" Heute" holen, weil er meint, dassich mit meiner Verlagslizenz doch noch nicht sofort etwas anfangenkann, weil kein Papier da ist. Vielleicht hat er recht. Auf jedenFall soll ich mit einem mir befreundeten Fotografen in freier Mit-arbeit, die sofort beginnt, einige von mir vorgeschlagene Themeninszenieren. In der kommenden Woche wollen wir damit anfangen. Dannhat mir der kaufmaennische Direktor des" Bunten Wuerfels", der sichin Nuernberg ein zweites Theater herrichten will, die kuenstleri-sche eitu g dieses Hauses angetragen. Ich habe mal gross zuegig jagesagt, aber bevor nicht praktische Schritte fuer die Herrichtungunternommen wurden, ist alles nur planende Theorie. Und warum sollich den Leuten die Freude verderben, mit mir rechnen zu duerfen.Wenn es vielleicht in einem Jahr so weit ist, bin ich vielleichtgarnicht mehr hier. Oder er hat jemanden gefunden, von dem er sichmehr verspricht. Aber den Plan, mit meiner Theater- Lizenz eine Mor-genstern- Veranstaltung zu starten, halte ich nicht nur fest, son-dern gehe bereits an aie praktische Verwirklichung. Ich will diese,Sache, die sich" das grosse La- lu- la"( n.ch einem Gedicht Morgenst.)nennt, mit einem Schauspieler und einem Taenzer( Vergiu Cornea, demBallettmeister der Bukarester Staatsoper, mit dem ich befreundetbin) inszenieren, mit einer ganz neu zu komponierenden Musik, undin einer ganz neuen inszenatorischen Auffassung, ohne viel Deko-ration, nur mit viel Licht- u d Schatten- Wirkungen, u d mit weni-gen Requisiten, als pars pro toto. Wir haben uns schon zu einemKollektiv zusammengefunden, das Programm in seinem Ablauf und inseiner Inszenierungsform steht fest, die Konzeption der Musik istfertig, morgen Nachmittag habe ich eine Regie- Sitzung, und viel-leicht fangen wir unmittelbar danach mit der praktischen Proben-Arbeit an. M aria gehoert als Buehnenbildnerin und als kritischeMitarbeiterin selbstversta endlich mit zum Kollektiv.Ich schreibe Euch etwas ausfuehrlicher von diesen Dingen, damit Ihreinmal seht, womit ich mich, wenn ich einen Arbeitstag im Buero,der von morgens 8.30 bis abends 17.30 dauert, hinter mich gebrachthabe, nebenbei unter anderem noch beschaeftige. Es gehoert auch da-zu eine gute Portion Idealismus, den ich aber habe, wahrscheinlichvon der ganzen Familie, nur mit dem Unterschied, dass er sich etwasverlagert hat in ein Gebiet, das mir auf Grund meiner beruflichenTaetigkeit seit 1934 etwas naeher gerueckt ist. Eigentlich: zwangs-laeufig naeher ruecken musste, denn es war lange Zeit am unpoli-tischsten, und man konnte stillen, aber permanenten Widerstand lei-sten.
Ich habe in diesem Brief mit A bsicht mit keinem Wort von meinen