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Handel lockt" und" Der rote Handel droht"
mir faellt im Augenblickgerade diese" Liste" ein). Aber Du waerst bestimmt interessiert daran,zu wissen, was unsere Rest- Bibliothek enthaelxt.
Was Du mix wegen Paul schreibst, ist unzutreffend. Ich habe mehrere Ma-le an Paul geschrieben, auf meinen ersten Brief bekam ich Antwort, aufdie anderen nicht mehr. Das fiel in die Zeit der" gebundenen Haende"und sowohl Paul als auch Lotte wollte ich darueber nichts sagen, weilbeide sicher mit sich selbst genug zu schaffen haben. Auch an Paul Kirsch.mann nach Oberstein habe ich nichts geschrieben. Seit einigen Wochen binich nun wieder im job hier, mache die Sub Clearance bei ICD, und habe vor14 Tagen, in den ersten freien Minuten, die ich hatte, sowohl an Lotteund Paul, als auch an Paul Kirschmann( der mich wie ich berichtete- vorkurzem ueberraschend besanhte) geschrieben. Jetzt warte ich auf Antwort.Ich kann mir nicht denken, dass die drei oder vier letzten Briefe anPaul und auch an Lotte verlorengingen. Ich warte. Aber beide duerfennicht sagen, dass ich mich rar mache. Im Gegenteil: ich bin ein fleissi-ger Schreiber, weil ich gerne wieder ganz festen Kontakt habe mit uns al-len. Jetzt, wo die Zonengrenzen zwischen der amerikanischen und briti-schen Zone offen sind, trage ich mich ernsthaft mit dem Gedanken, Pauleinen Besuch zu machen. Es laeuft zwar gerade eine grosse Aktion bei mir,und fuer einen solchen Trip braucht man mindestens eine Woche, von derallein vier bis fuenf Tage fuer die Fahrt draufgehen, sodass ich eineneintaegigen Besuch machen koennte. Das sind immer Strapazen, man musssich verpfangsmaessig fuer eine laengere Zeit eindecken, weil man nichtweiss, ob, wann und wo und wie man unterwegs etwas zu futtern bekommt,und eigentlich wollte ich das dann machen, wenn ich mir eine ration auseinem Care- Paket einstecken kann. Dann gehts leichter, und man ueber-steht es besser.
Liebe grosse Mutti, Ihr beschwert uns garnicht mit Eurem Kummer, im Ce-genteil: genau so offen, wie wir Euch ueber alle unsere persoenlichenAngelegenheiten bettchten, genau so bitten wir Euch, uns mit allen De-tails zu versorgen, wenn sie auch noch so schwer und bitter sind. Unddeshalb ist es auch richtig, dass Du Emils schlechten Gesundheitszustanderwaehnst, denn so wie Ihr Euch Sorgen un uns macht, so sind wir um Buchbesorgt, und meine Maria genau so sehr, denn sie gehoert, obwohl sie Euchund Ihr sie nicht kennt, so eng zur Familie, weil sie an allem als ganzerMensch teilnimmt, was mich angeht, was zu meinem" Kreis" gehoert. Alsgestern Dein Luftpost brief ankam, rief mich Maria sofort an und las mirdie Stelle ueber Emils Gesundheitszustand vor, weil sie spuerte, dassdies die wichtigste Mitteilung dieses Briefes war, und fuegte aus sichheraus einen beunruhigten Kommentar hinzu. Sie hat noch immer keine Ruheund fragt mich dauernd, was ihm fehlen koennte, ob er schon einmal eineernsthafte Krankheit gehabt habe, ob er durch die ganzen Ereignisse desstaendig auf der Flucht- seins, der Emigration usw. nervisch gehandicaptsein koennte, ob es die Bronchien sind, von denen er schon frueher ge-plagt wurde( ich erzaehlte ihr einige Male davon, dass Emil auch zur Kurfrue her mal in Bad Ems war usw.). Aber nicht nur dieses innere Mitgehenund Mitfuehlen mit meinen familiaeren und sonstigen Problemen beweistihre Zugehoerigkeit zu" uns". Es sind im wahrsten Sinne des Wortes tau-send" unbeschreibliche" Kleinigkeiten. Es gibt nur eins: Ihr muesstetMaria kennenlernen! Das ist selbst ihr grosser Wunsch, den sie noch nieausgesprochen hat, der sich aber in vielen beilaeufigen Aeusserungen ver-
raet.
Der Sommer war bei uns verhaeltnismaessig kurz, und teilweise nicht so,wie man sich einen Sommer vorstellt. Aber der Ernte ist das