Akte 
Persönliche Korrespondenz
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

Fritzmichael Roehl, Muenchen 9- Harlaching , Haselburgstrasse 6Tel. 40 857.

Liebe grosse Mutti, lieber Emil,

19. August 46.

den Antwort brief von Mi vom 28. Juni, der eine Antwort auf meinenBrief vom 26. Mai war, habe ich erhalten. Ich habe weder den Briefvom 12. Juni bekommen, noch den dazugehoerigen Zettel. Ausserdem ha-be ich jetzt auf Grund der Luecken festgestellt, dass eine Menge Postvon mir nicht angekommen ist. Die Anschrift des Vetters von Maria,Sascha Greiner, Direktor bei Steinway and sons, habe ich mehrfach mitegeteilt.

Ich danke Dir, grosse Mutti, fuer den anschaulichen Unterricht ueberdie postalische Ordnung der civilian U.S. mail, und ueber den Be-richt von der grossen Hitze. Ist denn Emil nun auch fuer vier Wochenin die Catskils gefahren?

Mir ist klar, dass Ihr nicht im geringsten im Ueberfluss lebt, deshalbhaben wir auch mit um so groesserer Dankbarkeit alles das, was Ihruns bisher geschickt habt, angenommen, weil wir wissen, dass es unterei genen persoenlichen Opfern abgespart und abgegeben wird. Deshalbsollt Ihr auch keine kostspieligen Dinge mehr schicken, zumal diePreise fuer Kleidung und aehnliche Dinge sehr hochgeklettert sind.Wenn Ihr mal etwas einpackt, dann nur das, was uns ernaehrungsmaessigauf die Beine hilft. Dazu wuerde gehoeren: Fett oder Oel , damit manetwas braten kann. Wenn wir uns Mehl und Wasser mit Trockenei zusam-menruehren, oder auch nur Mehl und Wasser, und haben eine Kleinig-keit Fett, koennen wir uns zum Fruehstueck statt gekochter Kartof-feln( die allerdings jetzt auch ausgegangen sind) mal ein Omelettemachen. Als Narkotika fuer die Nerven sind Kaffee und Tee immer sehrerwünscht, genau so Zigaretten. Und wenn dann gelegentlich mal einStueck Seife dabei ist, Zahnpasta, ein paar Kaemme, oder etwas vondiesen Kleinigkeiten des Alltags, die in Deutschland noch nicht her-gestellt und verkauft werden, schreien wir auch vor Freude.- Abernoch einmal: nur dann, wenn es Euch tatsaechlich nicht abgeht, dennich weiss, dass Emil und Kaete hart arbeiten und hart verdienen mues-

sen.

Der inhaltlich rot geschriebene Brief ist inzwischen umfangreich-an Euch abgegangen. Ich habe jetzt, so lange ich auf meine Lizenzwarten muss, wieder im Office angefangen, allerdings nicht in derTheatre Section, sondern in einer anderen Abteilung, in der es et-was ruhiger, aber gleichermassen interessant zugeht.

Van Loon ist inzwischen in New York eingetroffen. Seine Anschrift:Gerard Willem Van Loon, 409 East 52nd Street, New York 22, N.Y. , Tel.EL 53899.

Setzt Ihr Euch einmal mit ihm in Verbindung? Er kann Euch wahnsinnigviel von Maria und mir erzaehlen, war oefters hei uns in Harlaching ,kennt unser Leben, unsere Atmosphaere, alles.

Ich muss schliessen, da es Samstag ist, ich gerade eine Pause und dieBueromaschine benutzt habe, und jetzt runter zum Lastwagen muss, deruns in die Stadt faehrt.

In den naechsten Tagen ausfuehrliches und mehr, ja? Alles Herzliche!

Euer