punkt, wo er glueckliche Menschen angetroffen hat.--- Soeben bekomme icheinen Brief von Paul und seiner Frau Hanna. Paul schreibt, dass er auch seineSorgen hat 3B woertlich... selten gut stand unsere Ernte und wir hattenalle Hoffnung, den kommenden Winter- besser zu ueberstehen und vielen Menschenvon diesem Betrieb aus helfen zu koennen Ein Hagelwetter, wie es die aeltestenMenschen hier noch nicht erlebt haben, hat unsere Ernte zum grossen Teil ver-nichtet und wir stehen vor unglaublichen Schwierigkeiten. Ich habe rund 1000Menschen in der Anstalt zu versorgen und gebe darueber hinaus noch taeglich400 liter Milch an die Stadt Andernach ab. Gemuese fuer jetzt und fuer denWinter ist vernichtet. So das Obst, der ganze Hafer fuer meine Pferde. Natuerlichauch die Haferflocken, die ich mir daraus fuer die Kranken machen lasse.Obst,Erbsen, Bohnen, Raps, 100% zerschlagen, Gerste, Weizen, Roggen 50% vernichtet.Die kommende Saat, Viehfutter ist in Frage gestellt. Wir sind als Notstands-gebiet erklaert worden, wissen aber durch die Zoneneinteilung nicht, wie unsgeholfen werden kann. Bei Tag und Nacht werden die noch vorhandenen Restevom Feld gestohlen, Vieh auf der Weide geschlachtet. Es hat bald keinen Sinn mehetwas zu pflanzen, denn selbst die jungen Gemuesepflanzen werden gleich nach-dem Pflanzen geholt......"------ Das ist das Wesentlichste, aber ich finde,dass es materiell und moralisch ein erschuetterndes Bild ist, weil er, Paul,es so einfach aus dem Erlebnis heraus schreibt. Das Unglueck will es, dass esdie franzo esische Zone ist, er schreibt, dass ein grosser Teil des KreisesMayen , dazu das ganze Gebiet Andernach , Neuwied und Koblenz zu Notstandsge-bieten erklaert wurden und auch besonders stark betroffen sind.---- Seine auHanna schreibt mir auch, Sie laesst ihre ganze Erschuetterung durchblickenueber die moralische Verfassung der Jugend, aber es freut mich besonders, dasssie sagt, dass dieser Zustand nicht eher gebessert werden koennte, ehe nichtdieser Mangel und diese Form des Kampfes um das taegliche Brot, die mit demfurchtbaren Mangel entstehen muss, behoben sei.---- Ich wuenschte natuelich,dass Du mehr mit Paul in Verbindung waerest, er schreibt so nebenbei, dass erDich kaum noch kennt.---- Ich bekomme auch jetzt recht viele Brief aus Koeln ,heute einen vn der nun 70jaehrigen Emma Bertold. Els Meerfeld hat mir geschrie-ben, Jean und sie leben in Goenningen im Kreis Reutlingen in Wuertemberg, werdenaber so bald als moeglich, d.h.wenn die alte, stark beschaedigte Wohnung fertigist, wieder nach Bonn gehen, Jean M. ist in seine alten Rechte eingesetztd.h.er bezieht deine volle Pension als ehemaliger Beigeordneter der Stadt Koeln .Er ist nun ueber 70 Jahre, scheint geistig noch vollkommen frisch.Um Rolf ha-ben sie grossen Kummer, er ist noch in franzoesischer Gefanenschaft und alleBemuehungen ihn freizubekommen, haben bisher nichts genuetzt.Weisst Du, dassRolf verheiretet war und geschieden ist. Lotte hat die Sache als Rechtsan-walt vertreten.--Goerlinger ist jetzt 1.Beigeordneter in Koeln , d.h.er istin der Stellung, die Jean M. frueher hatte.--- Heute habe ich nicht wenger als 6 Auslandsbriefe bekommen, bei der Bearbeitung entstehen dadurchsicher die doppelte Zahl, weil manches weiter zu leiten oder auch sachlichfuer die Arbeiter- Wohlfahrt zu bearbeiten ist Gestern waren es vier. Ebensogewichtig und wichtig. So waechst mein anerledigter Arbeitshaufen von Tag zuTag. Ich werde immen an einen Roman in der" Berliner Illustrierten" erinnert,--o selige Zeit-, er hiess:" Und so verbringst Du Deine kurzen Tage."Nun muss ich schliessen und Du verstehst das ja denn auh. Dir und DeinemKameradeddy Heinzund seinem Vater meine besten Gruesse.--Ich bin bald wie-zuhause, dann schreibt Dir Emil auch wieder einen Gruss an.
der
auch
Soeben lese ich in der Zeitung, dass die CARE- Pakete nun schneller ausge-geben werden sollen, es seien nun schon viele 1000 in Deutschland , hoffenwir.
Meine besten Gruesse und Wuensche Eure
grasse Mutt: