Akte 
Persönliche Korrespondenz
Entstehung
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mit, was der armen Menschheit von der Weltgeschichte beschert wurde. Mai1940 kam. Emil und sein Freund waren grade in Luxemburg , als wir in Muel­ hausen am Radio hoerten, was passiert war.Es waren drei Tage der Hoechsteninneren Angst und Sannung ohne Nachricht- bis wir die beiden Maenner nacheinigen Erlebnissen und Strapazen wieder sahen. Und dann, kurze Zeit daraufbegann auch fuer uns wieder einmal- diesmal die grosse muehevolle Fluchtdurch Frankreich . Es war ein Volk von Millionen, dass sich aus dem Osten,aus dem Norden und aus Paris in einer unbeschreiblichen Panik nach demSueden Frankreichs zu, bewegte. Die Zahl der Deutschen unter ihnen, die Zahlder" Politischen " war dabei verschwindend klein.--Ihr- ich meine das deut-sche Volk, hat nachdem viel schlimmeres erlebt, Teile davon hast Du, andereshaben Andere geschildert.Wenn man mitten drin ist, sieht man nur den Aus-schnitt, den man selber erlebt. Aber ich darf trotzdem sagen: wir, die wirseit jeher gewoehnt sind, uns einen Ueberblick ueber das Ganze zu verschafferhatten auch in diesem Fall die Erleichterung( die seelische meine ich) des" Ueber den Dingen stehen Koennens".-- In Muelhausen hatten wir ein fuerneun Personen eingerichtetes schoenes Haus( in dem wir auch noch Gaesteunterbringen konnten, die in dieser Zeit nicht gerne ins Hotel gingen) zu-ruecklassen muessen. Das Haus war natuerlich nur gemietet, aber das, was drinwar, bedeutete fuer uns arme Haescher ein wenig menschliche Behaglichkeitund die Moeglichkeit des Arbeitens nach unserem Herzen. Wir hatten Fetwasmehr an Gepaeck mitgenommen, als eigentlich vorgeschrieben war, mit dem gro-ssen Erfolg, dass wir endlich, nach zehn erlebnissreichen Tagen mit Nichts******** ankamen. Ich hatte ein dreckiges zerschlissenes Kleid an, die Waeschedie ich in Muelhausen angezogen hatte,( es war" sehr gescheiter" Weise nichtdie Beste und in der Hand hatte ich ein Marktnetz mit ein Paar Reserve-Schuhen. Allen anderen von unserem" Buneh" ging es nicht viel besser. So lan-deten wir in einem sued franzo esischen Dorf, bekamen freundlicherweise einverlassenes Bauernhaus angewiesen, es waren zwei Zimmer und Kueche. Wir be-kamen sogar aus Latten und Laettchen zusammengeheftete Patentmoebel undStrohsaecke und waren gluecklich in unserem" Herren" und" Damenzimmer" mit4 und 5" Betten " drin und der Kueche, in der wir an einem Riesenkamin, derdie Tiefe des ganzen Hause einnahm am offnen Feuer kochten. Damals habe ichGymnastik gemacht, naemlich beim Kochen( Buecken und Aufrichten ohne Ende)Das Holz war nass und qualmte, wir waren froh, dass ein wirklich sehr lie-benswuerdiger Bauer und erlaubte, seinen Wald von dem Holz zu sauebern, dassonst im jahrelangen Verrottungsprozess den neuen Kompost bildete. Auchsonst gab es Moeglichkeiten des Holzgewinnens, in legaler Arbeit. Sie warnicht leicht, besonders nicht fuer Emil, der schon damals nicht in so sehrguter gesundheitlicher Verfassung war, waehrend sein Kollege und Freundviel kraeftiger war. Dass man von selbst geflueckten Brombeeren und Pilzen,von allerhand wilden Krauetern, von den Ertraegnissen eines im Sueden Frank-reiche noch schnell angelegten Gartens einen Teil seines Lebendunterhaltesfristen kam und mindestens das frugale Mahl verbessern und bereichernkann, hatten wir sehr bald weg. Dass man sich aber im Sueden Frankreichs erstein Klo bauen muss, mit dem wir dann hoechstes Aufsehen erregten, mussten wirerst lernen. Der Buergermeister und die Nachbaren waren uns gut gesinnt, siepassten auch fuer uns auf, ob eine Gefahr im Anzuge war. Schliesslich ging estrotzdem nicht mehr( obgleich der Teil noch nicht occupiert war) und man ver-stand es, dass wir die Gelegenheit nach hier zu kommen, benuetzen wollte Wenndas so einfach gewesen waere.Emil gehoerte zu denen, die von den Vichy- Leu-ten" an der Ausreise verhindert" werden sollten. Das war der Term fuer einebestimmte Spezies von Freunden. Aber auch fuer uns anderen war es nicht soleicht. Etwas fehlte immer und war nicht zu beschaffen, doch diese Einzelhei-ten fuehren zu weit. Wir gehoerten zu denen, die auf einem Frachtdampferueber die Insel Martinique abfahren durften, Kaethe und ich am 24.Maerz 41,Emil acht Tage spaeter. Auf der paradiesischen Martinique wurden wir nochfuer einige Wochen interniert. Zusammen mit Emil landeten wir dann am 29.Manin New York -- wir beide aelteren nur mit einem Besucher- Visum, das eigentlich

Fa

die Flucht

die Erlaubnis zur Aus reise usw.

das portugisische Einreise"das spanische Durchreise Visa ,