Liebe grosse Mutti, lieber Emil,
es ist zwar noch keine Entscheidung gefallen, ob und wann und wo ich wie-der anfangen werde, um die Zeit bis zur rteilung der Lizenz fuer meineZeitschrift zu ueberbruecken, aber dass ich in den naechsten Tagen wie-der mit einem Job in einer amerikanischen Dienststelle rechnen kann, weissich schon jetzt ganz genau. Dann laeuft auch das kleine Waegelchen wieder,das uns vieles in diesem harten Leben erleichtern hilft. Maria kann dasganze Material, das sie auf umsta endlichste Art und Weise von hier aus derWohnung zum Bunten Wuerfel schleppen muss, wieder mit dem Wagen transpor-tieren, und auf mancher Hin- und Rueckfahrt kann man einen der vielen We-ge erledigen, die tagtaeglich eigentlich zu machen sind. Von dort muss mansich Kartoffeln abholen, von einer anderen Stelle Brennholz. Hauptsache,Kartoffeln und Brennholz sind ta tsa ech 1 i, c h vorhanden.Vorgestern- ich hatte gerade meinen Brief an Euch mit dem Bericht ueberAugusts Besuch bei mir in den Kasten geworfen rief mich mein Freund Hann-beck an und teilte mir mit, dass ein Brief fuer mich da sei. Er war am 26.Juni abgestempelt und enthiel die beiden Artikel fuer den Vorsitzendenbzw. Geschaeftsfuehrer der AW in Muenchen bzw. Bayern , den Radio- Artikelvon Tania Long( ich kenne Tania Long, hat e vor genau einem Jahr mit ihrverhandel um fuer Radio Muenchen nicht nur Schallplatten zur Verfuegungzu stellen, sondern auch, um meine Dienste Radio Muenchen zur Verfuegungzu stellen. Damals wurden alle meiner Vorschlaege strik abgelehnt, u.a.auch mit dem Hinweis, dass kein einziges deutsches Lied, das seit 1933ueber irgend einen deutschen Sender gegangen sei, gesendet wuerde. Ichhielt das fuer undurchfuehrbar, weil ich tatsaechlich inzwischen ja auchMusik- und Sender fachmann geworden bin. Und es hat sich herausgestellt,dass Radio Muenchen heute nicht mehr ohne aeltere deutsche Lieder auskommtund dass auch inzwischen einige meiner Vorschlaege, wenn auch nicht inder Art, wie ich sie verwirklicht haette, aufgegriffen und durchgefuehrtwurden. Abgesehen davon, dass die Meinungen ueber Radio Muenchen - trotzjener oder dieser Massnahme gegen dieses, Jenes, diesen oder jenen- heutenoch sehr kritisch beurteilt wird und noch lange nicht das Sender- Formathat, das es in Anbetracht des gewaltigen personellen Aufwands haben muess-te. Viele Deutsche sind halt so( und das liegt ganz allgemein in der mensch-lichen Veranlagung), dass sie sobald sie eine Funktion oder einen Postenhaben, paepstlicher werden als der Papst, in engerem Sinne amerikanischerals die Amerikaner. Wenn es heisst, dass die Amerikaner die Erfinder desFragebogens sind, dann sind die Deutschen die Erfinder der Behoerden, aufdenen Papiere verteilt werden, damit man mit diesen Papieren zu anderenBehoerden gehen kann, die einem mit einem Stempel bestaetigen, dass manrechtmaessiger Papierbesitzter und damit in der Lage ist, das Anrecht aufdas Herumstehen in irgendwelchen anderen Wartezimmern irgendwelcher and e-ren Behoerden erworben zu haben. In diesen anderen Wartezimmern der anderenBehoerden wartet man darauf, ein weiteres Papierchen zu erwerben, dass ei-nen berechtigt( siehe oben, usw.).
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So viel ueber Radio, Behoerden, Fragebogen und andere Papierchen. Deneinen Zeitungsausschnit ueber die Einwanderungsberechtigung nach Norda merika , also in die USA. , verstehe ich so, dass Soldaten, die erst ab1. September 1941, also eit dem Tage der Kriegserklaerung Deutschlands anAmerika , in den Militaerdienst eingezogen werden, kein Einwanderungsrechthaben, dass diejenigen, die vor dem 1. September 1941 bereits eingezogenwaren, davon nicht betroffen werden. Ist das richtig verstanden? Ich binzum 1. April 1940 eingezogen worden, zu den Telefonsoldaten, und musstebis auf die kurzfristigen Unterbrechungen als Dolmetscher in den zwei La-gern auf einem switchboard stoepseln.- Aber da es ja noch nicht so weitist, sind das alles noch vorbereitende theoretische Diskussionen.