Akte 
Persönliche Korrespondenz
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

- 2-

hier eine Wohnung hatte. Es waere damals fuer ihn und fuer mich vielesleichter gewesen, denn er suchte ein annehmbares Quartier, da er zivilwohnen und leben durfte, und ich suchte einen guten Mieter, auf denman sich verlassen konnte und der die Garantie fuer die gute Pflege un-seres Eigentums gewesen waere. Dadurch waere uns mancher Aerger erspartund manches kostbare Stueck in u serer Wohnung erhalten geblieben. Da-durch, dass us wildfremde Menschen hier eingewiesen wurden, verschwan-den einige sehr schoene Zeichnungen von den Waanden, unser Glasgeschirrschrumpfte bis auf einige Wenigkeiten zusammen, meine Schmalfilmkamerawurde aus ihrem Versteck gebuddelt und davongetragen, und auch anderswieging vieles kaputt und wurde viel ruiniert, was nicht geschehen waere,wenn August hier gewohnt haette. Wennn.. Tempi passati. Darueberzu weinen hat keinen Zweck. Aber provoziert durch Augusts Besuch malkurz daran denken ist seelisch und moralisch tragbar und erlaubt.A ugust erzaehlte mir, dass er korrespondenzmaessig mit Lotte die denk-bar schlechtesten Erfahrungen gemacht hat, weil sie nie reagierte. MitPaul in Weissenthurm hat er staendige Fuehlung, hat ihn auch gerade imrechten Augenblick einmal besucht, recht insofern, als Paul gerade eine2 Zentnersau geschlachtet hatte. Ihm soll es durch das Gut von uns allenam besten gehen, und ich freue mich am meisten darueber wegen der beidenJungens von Paul, die gottseidank kraeftig heranwachsen und dem vielenSchweren, was auch dieser Jugend noch einmal entgegentreten wird, wenig-stens koerperlich stark gegenueberstehen und es deshalb auch mit mehrWiderstandskraft bewaeltigen werden koennen.

A ugust wollte versuchen, hier in Muenchen wieder einige Geschaeftsver-bindungen anzuknuepfen, was aber misslang, da alle frueheren Partner aus-gebombt und dadurch vom Erdboden ud aus dem Geschaeftsleben verschwundensind. Er hat hier uebernachtet, konnte noch das Erfreuliche, das sich mirbietet( hoffentlich), mit auf den Weg nehmen, und fuhr heute frueh ueberAugsburg und Nuernberg , wo er noch einige Leute aufsuchen will, weiterund nach Hause.- Es waren schoene, wenn auch wenige Stunden, und ichhabe mich sehr gefreut, weil ich wieder einmal merkte, wie schoen es dochist, wenn man sich von Angesicht zu Angesich gegenueber sitzt und allesdas geradeheraus und ehrlich sagen zu koennen, was einen bewegt.- Ermacht in Idar- Oberstein den Vorsitzenden der SPD - Ortsgruppe, die jetztschon mehr Mitglieder hat als 1932, ist etwas bekuemmert ueber die Akti-vitaet der Kommunisten, die ueber erhebliche Geldmittel verfuegen muessen,denn sie leiste en sich in Id.- Obst. jetzt sogar den siebenten festen Par-telangestellten mit einem Monatsgehalt von RM 450.00. Das ist im Rahmender sonstigen Lohnverhaeltnisse nicht nur ein hoher Betrag, sondern im Rah-men der personellen L eistungsfaehigkeiten der politischen Parteienbeinahe schon Luxus. A ugust zerbri h sich den Kopf,sich den Kopf, wie die KPD das an-stellt, weil er verzweifelt nach Mitteln und Wegen sucht, um mit den Ein-nahmen aus den Mitgliedsbeitraegen- er bekommt sonst von keiner Seiteoder von der Zentrale irgendeinen Zuschuss- den bestmoeglichst arbei-tenden A pparat hinzustellen.Ich habe ihm gesagt, dass hier auf dem Gebiet der Mitgliederwerbung nochgarnicht gearbeitet wird, zumindest nich durch die SPD . Neulich hoerteich einem Gespraech zweier juengerer Menschen auf der Strassenbahn zu, diesich ueber die Parteien und ihre Programme u terhielten. Der eine meinte,dass die SPD so wie er es aus den zur Kenntnis durch Plakataushang ge-brachten Mitteilungen entnehme die politisch, wirtschaftlich und weltan-schaulich gesuendeste Einstellung zu allen Problemen der Gegenwart habe.I ch schaltete mich ein und sagte:" Warum werden Sie dann nicht Mitglieddieser Partei?"- E r:" Das sagen Sie so. Wo soll ich mich denn aufnehmenlassen? Nirgendswo findet man die Adresse eines Bueros oder einer Orts-gruppe". Und der junge Mann hatte leider Recht.

Man hoert irgendwie mal etwas von der bereits wieder bestehenden Arbeiter-W ohlfahrt, aber wer, wo, fuer wen und wie sie arbeitet ist unergruendlich.In puncto Werbung gilt es nochn a 11 es nachzuholen. Aber das ist auchwieder ein Frage des Geldes, des Papiers, des Drucks, also: wirtschaftlichgehandicapt. Genug fuer heute.Alle herzlichsten Gruesse Euch beiden,