Ihr beiden Guten, liebe grosse Mutti und lieber Emil,
Ihr meint es wirklich zu gut mit uns!- Als Ihr uns einmal vorlängerer Zeit schriebt, wir sollten Euch unsere Wünsche mitteilen,Masse und Grössen usw., da haben wir das nur zögernd getan, weilwir wissen, dass Ihr selbst nicht an Ueberfluss leidet und Euchalles, was ein Paket enthält, selbst mühselig zusammenarbeitenmüsst. Aber wir schrieben dann alle Einzelheiten, weil wir glaub-ten, gelegentlich in einem kleineren Paket einmal dies oder daszu finden.
Was für eine Freude war es, als wir uns gestern Abend von unseremBekannten, Herrn Hannbeck, des Riesenpaket abholten, das die Se-kretärin von B. bei ihm abgeliefert hatte. Es wurde zwar unteretwas mysteriösen Umständen dort abgegeben, die Sekretärin sagte,dess das Paket in Heidelberg in der Postzentrale oder auf dem Wegvon dort nach hier erbrochen worden sei, was mich sofort stutzigmachte, denn ich weiss, dass die APO's bestimmter Nummern in München sind und dass der Mail- Service der Armee ausgezeichnet arbei-tet. Das Paket wer tatsächlich erbrochen, und ich nahm es nachHause, um erst einmal festzustellen, was es enthielt. Und dannwunderte ich mich, dass es keine einzige Zigarette und nicht dasgeringste Stückchen Schokolade oder eine andere Süssigkeit ent-hielt, obwohl Ihr beide unseren damaligen Brief als Sammel-" Be-stellung aufgefasst haben müsst, denn es enthielt tatsächlich alldas, worum wir gebeten hatten, bis auf verschiedene Kleinigkei-ten.Ich teilte meinem Freunde Hannbeck mit, dass nach, meiner Meinungdem Paket entwendet sein müssen: Zigaretten, Schokolade, Damen- Unterwäsche, eventuell Damenstrümpfe, vielleicht ein Schlafanzugusw. Hannbeck schickte heute morgen seine Freu zum Colonel, deraus allen Wolken fiel und sagte, dass seine Sekretärin ihm erzählthabe, dass Frau Röhl während seiner Abwesenhe it dort gewesen sei,um das Paket abzuholen, und dass besagte Frau Röhl der Sekretärinlo Pakete Chesterfield, eine Tafel Schokolade, zwei Schlüpfer, ei-nen Büstenhalter usw. geschenkt habe, eue Freude, dass das Paketangekommen sei. Frau Hannbeck wusste sofort, dass die Sekretarindas Paket erbrochen hatte, denn sie hatte dem Colonel die lo Pake-te Chesterfield gegeben und defür lo Wehrmachtspackungen Camel( mit gelber Banderole) erhalten, weil der Colonel lieber die Che-sterfield raucht. Der Colonel zeigte einige der Packungen. Erliess seine Sekretärin kommen, die mich in seiner und Frau Hannbecks Gegenwart anrief, um mir zu sagen, dass sich einige dieserDinge angefunden hatten.
Da ich nicht weiss, was das Paket enthiel, zähle ich im folgendenalles auf, was wir ausgepackt haben. Morgen Nachmittag, wenn ichdie gestohlenen Dinge zurückerhalte, füge ich diese Sachen ebenfa11s in einer zusätzlichen Aufstellung an, sodass Ihr genau fest-stellen könnt, ob wir alles bekommen haben al er nicht. Ich bitteEuch, dann umgehend zu schreiben, denn obwohl der Colonel am 15.Juli entlassen wird, könnte ich mich dennoch en die Sekretärin wenden, um mir die restlichen Dinge bzw. einen Ersatz dafür geben zulassen, denn ich weiss, dass die Dame alles besitzt, wasman gebrauchen kann, um ein fantastisches black market life zu führen. Der Colonel hat die Dame selbstverständlich gefeuert undsich bereiterklärt, alles das, was fehlt und nicht zurückgegebenwird, zu ersetzen. Aber bis zum 15. Juli kann ich das ja leidernicht feststellen.zdettel
Aber zuerst einmal die Aufstellung dessen, was ich tatsächlich er-hielt: