Akte 
Persönliche Korrespondenz
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

-2-

Das Paket muss am 21. oder 22. Mai abgegangen sein, denn die New York Times hatte das Datum vom 21. Mai, und Coronet war ebenfallsvom Mai. Die vier Liliputs machen mir grosses Vergnügen, ichhabe sie noch zu einer Zeit, als sie bereits in Deutschland ver-boten waren, lesen können und mich über manche journalistischePfiffigkeit, über Triers Titelzeichnungen und viele interessanteAufsätze gefreut. Umso grösser mein jetziges Vergnügen daran.-Die Mierendorff- Broschüre, die ebenfalls beilag, besitze ichjetzt zwei Mal. Charles A. Beard schreibt übrigens in der inMünchen gedruckten Neuen Zeitung, die amerikanischerseits gemachtwird und sehr gut redigiert und inhaltlich fabelhaft aufgebautist. Bei der Neuen Zeitung ist ausser Erich Kästner auch nochEgon Jamesson alias Egon Jacobsohn , zu dem Dr. Kempner mich imJahre 1932 schickte, um bei der BZ mitarbeiten zu können. Bekannt-lich ging ich aber dann zu Mosse.- Das Buch von Elliot Paul " TheLast Time I Saw Paris" ist eine Bereicherung unserer noch beschei-denen aber schon wieder im Aufbau befindlichen Bibliothek, dennMaria und ich kennen und lieben( liebten) diese Stadt, waren beidegemeinsam dort, besuchten die Exposition Internationale im Jahre1937, und ich kam als Soldat zwei Mal durch Frankreich und nachParis , Maria war während des Krieges ebenfalls dort. Gottseidankydass sie im Augenblick über einem Plakat- Entwurf für die Münche-ner Volkshochschule brütet, sodass ich das Buch zuerst lesen wer-de, obwohl ich mich über Arbeit nicht beklagen kann, denn ichnutze die Bracn- Zeit, um für manches vorzusorgen und um manchesin Ordnung zu bringen.

Also: die beiden Herrensporthenden( blau und rot kariert) sindzauberhaft und gerade das Richtige für mich, und nicht nur fürdiese Jahreszeit. Ich habe mir, nachdem Maria bei den Shortsnoch nachts die Knöpfe nachnähte, heute für das hochsommerlicheWetter die Höschen mit dem blau karierten Hemd angezogen, dazuweisse( alte) Soldatensocken, deren Füsslinge im wahrsten Sinne desWortes noch tragbar sind, angezogen, und ein Paar alte blaueSandaletten, die ich noch aus Jugoslavien aus dem Jahre 1946 be-sitze. Damit bin ich heute stolz herumgelaufen und kam mir fan-tastisch angezogen vor.- Die schwarzen Herrenschuhe sind wunderbbar, aber lei er, leider sehr, sehr gross. Zwei Nummern min-destens. Ich habe sie mit den dicksten doppeltem Socken anpro-biert, aber ich schwimme doch darin herum. Morgen oder übermor-en werde ich versuchen, in einer Tauschzentrale diese Schuhe ge-gen ein gleichwertiges passendes Paar umzutauschen. Wenn es beimersten Mal nicht klappt, wird es beim zweiten Mal funktionieren.-Die weinroten Wildleder- Halbschuhe passen Maria wie angegossen,sie hat sich das schwarze Kleidchen angezogen, aus Jux die Schür-ze vorgebunden, sich eine amerikanische Frisur aufgesteckt, undwar sowohl wegen des ungewohnten modischen Anblicks als auch we-gen der unbeschreiblichen Freude kaum wiederzuerkennen. DieSlips und Unterhemdchen passen mir selbstverständlich wie nachMass, desgleichen die Socken, obwohl auch sie etwas gross sindAber sie sitzen gut. Eure Schuhgrösse, die Ihr ausgesucht habt,wer 13. Ich glaube, ich habe höchstens 11, also ungerechnet 4444,5. Von den fünf Herrentaschentüchern muss das erste bald indie Wesche, denn es ist ein Vergnügen, sich in ein weisses Tuchzu schneuzen, nachdem man mehr als fünf Jahre lang bunte, grobeWehrmachtstücher benutzte. Der rote Schlips steht ausgezeichnetauf dem gelbweissen Seidenhamd, das ich zu meinem schwarzen An-zug zu tragen pflege( das wurde alles ausprobiert in der Nacht!),Maria stend mit den roten Handschuhen vor dem Spiegel, um gleichdarauf die ersten notwendigen Aenderungen vorzunehmen bzw. vorzubbereiten: die bleu- weiss- gestreifte Sommerhose passt ihr, diegrüne passt mir nicht ganz, weil sie in der Hüfte zu weit ist,aber das ist bereits aufgetrennt, zurechtseschnitten 2118ammences