Lieber Fritz, liebe Maria,
mass
der
grosse Mutti hat alles was unsim Zusammenhang mit Euch bewegt, schon gesagt. Mir bleibt,( im Vertrauen, wie immer) nicht mehr viel zu sagen uebrig.Natuerlich ist, dass uns alles, was Euch angeht, interessiert,Auch das, was im allgemeinen als Kleinigkeit abtut und wo-rueber man im allgemeinen nicht spricht. Aber nach so lan-gen Jahren der Trennung, dabei lange Zeit, in der uns von denNazis verbrecherischer Weise heraufbeschworene Krieg wieein eiserner Vorhang voellig voneinander abschloss, istauch das kleinste wichtig, mindestens interessant Solangewir die hervorragende Gastfreundschaft der Franzosen genies-sen konnten, haben wir dann und wann wir durch einen Schlei-er doch noch etwas von dem uns vertrauten Deutschland sehenund hoeren koennen. Aber als wir auch dort unser Buendelschnueren mussten, war es ganz aus. Ich habe kurz nach un-serer Ankunft hier an meinen Bruder August einen Brief ge-schrieben im Juni 1941, also vor der KriegserklaerungHitlers an Amerika -, ob der je angekommen ist, weiss ichnicht. Naechstens werde ich August danach fragen.- Ich wer-de einmal wenn die Zeit gekommen ist, genauer aufschreiben,was wir alleserlebten. Neben bitteren und harten Dingen-und ungefaehrlich war es auch nicht gerade, wenn man z. B.gerade an dem Tag und um die Stunde, wenn Hitler wiedereinmal ein unschuldiges Land ueberfiel, dort war, wie am10.Mai 1940 in Luxembourg - auch viel freundliches, mensch-liches, gutes. Ich habe schon einmal von den Bauern in denPyrenaen gesprochen, bei denen wir nach unserer Flucht imJuni 1940 Unterschlupf fanden. Schon mehr als einmal habe ichgesagt, dort bei diesen geraden, aufrechten, aus einem Stueckgeschnitzten Menschen koennte ich leben, mit ihnen in Feldund Wald sinnvolle Arbeit tun, mich mit ihnen freuen inder bescheidenen Weise, wie sie es gewoehnt sind. Mit un-sern Nachbarn von damals stehen wir heute wieder und nochin Verbindung.- Und auch von hier werde ich dann sprechen.Von diesem grossen, schoenen, rei chen Land, das uns in so wun-dervoller Weise und mit einer unnachahmlichen fra GesteZuflucht und Obdach gewaehrte. Heute vor einem Jahr ging wasmenschlich war von Roosevelt fuer immer von uns. Aber seinGeist und seine Ideen leben. Er war einer der groesstenMaenner nicht nur dieses Landes, nein der Menschheit ueber-haupt. Von ihm und seinem Wirken wird in Wahrheit" erstdie Nachwelt zeugen.." Wo in der Welt waere es sonst moeg-lich gewesen, dass wir Angehoerige einer Nation, die an die-ses Land den Krieg erklaert hatte, voellig ungestoert lebenund unserer Arbeit nachgehen konnten. Anfangs 1942 musstenwir als" Enemie Alien" registrieren. Und dann haben wirnichts mehr gehoert; nicht ein einziges Mal wurde ich oderjemand aus meinem Bekanntenkreis nach unserer Legitimationgefragt. Und niemand stoerte es, wenn auf der Strasse oderin Lokalen deutsch gesprochen wurde. Das ist gross, wienur eins in der Freiheit gross gewordenes Volk gross seinkann. Aber darueber spaeter mehr. Heute nur noch vielherzliche und gute Gruesse, Wuensche fuer Euch beide und dieFreunde und das Versprechen, bald wieder zu schreiben.
Euer
Emil
NUN IST
ES
DOCH MEHR
ABGEQUÄLT HAT.
UND LANGER GEWORDEN, ALS
ATSCH!!!
DAS, WAS SICH GR. MOTTi