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Mitarbeit. Ich könnte bestenfalls eige Exemplare von da capo herüberschicke, was auch einegute Werbung bei den an den Ereignissen in Deutschland iteressierten, im Ausland lebendenDeutschen wire. Aber das liegt alles noch etwas fern( nur, man muss so etwas rechtzeitigdiskutieren).
Ihr seht, dass ich trotz meiner augenblicklichen Lage- ich arbeite zur Zeit icht im The-ate Control Office- den Kopf nicht siken lasse. A uch Maria behält ihn oban, und wie dasaussieht, zeigen die Bilder, die zum grössten Teil est vor wenigen Tagen aufgenommen wur-den. Das Bild" Mike Maria" war das Auftakt- Bild für ein Album, das wir zum GeburtstagVan Loons zusammengestellt haben. Das Plakat an der Wand ist das von Maria gemalte Eröff-nungsplakat der Klenkunstbühne" Der bunte Würfel", die am glichen Tage von Van Lonas Geburtstag hre Pforten mit ein sehr hübschen Progamm öffnete. Bid Nr. 2 zeigt Maria beim Malenener Moritat, die nicht nur gesungen und mit diesen Bildern vorgetragen wurde, sondern an-schliessend an jeden Vers wurde der gesungene Vers von drei begabten jungen Leuten ge-tanzt. Auf Bild Nr. 3 blättere ich das fast vollendete Vorlage- Heft von da capo durch, sehereichlich elend aus, woran auch mei einziger guter schwarzer Anzug und das eizige weisseHemd nichts ändern können. Ausserdem lag mit noch der Schock im Körper. Darüber noch eineKlenigkeit nachher. Erst die Bilder: auf Nr. 4 und 5 blättern Maria und ich in einem von unsfür uns angelegten Album, in das alles hinenkommt, was uns menschlich d geistig getifft undbewegt, Einladungskarten von Theatern mit den dazugehörigen Kritikannd unserer eigenen Mei-nung, ein Bild eines uns befreundeten Tänzers mit eier klenen Zeichnung von Maria, einigeGedanken enes guten" enschen, mit dem wir eie Stunde verplauerten( wir haben enige wenigehr gute Menschen in unserem Kreis), ein besonders interessanter Brief enes guten Freundes, usw. Auf Bild 4 betrachtenwir uns gerade höchst interessiert enige Farbabbldungen mo-derner amerikanischer Malerei.- Zu Nr. 6 ist nicht viel zu sagen, nur: das und soMaria. Das gilt auch für Bld Nr. 7. 8a und 8b sind unverkenbar. Ich habe vor einigen Ta-gen en Bild von Mutti daneben gehalten nd eine sehr weitgehende Ähnlichkeit festgestellt.Bild Nr. 9 zeigt en klenes frugales Abendessen, das die Direktion des Bunten Wirfels derRenatastrasse gab. Ausser den beiden Direktoren und Gattinnnen und den drei Vertretern derRenatastrasse( Van Loon, Sgt. Behr und ich mit Maria) nahmen noch Claire Waldoff und Barna-bas von Gezy teil. Ein ähnliches Bild ist schoneimal an Euch abgegangen.
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Und zu der Kleinigkeit betr. Schock im Körper: ich muss mir" damals", es ist jetzt schon6 Wochen her, in den acht Tagen, in denen ich in der kalten Zelle auf dem Boden hauste, et-was geholt haben, was icht Rheuma oder Ischias ist, sondern eine fantastische Nerven- Entzün-dug, die an manchen Tagen meine ganze rechterhintere Hälfte lahmlegte. Ich bin ganz und garnicht zuperlich, und es muss schon recht heftig sei, wenn ich schlapp mache und mich hin-lege, aber das war der Fall. Ich konnte an manchen Tagen nicht krauchen, und auch jetzt istes noch nicht ganz überstanden, obwohl ich so tue, als sei nichts mehr. Aber auch das gehtvorüber.
rm
Ein guter Junge mit Namen Joseph Morissey war in den Tagen des Überganges von den erstenBesatzungsschrecken bis zur mehr und mehr beginenden Fraternization unser treuester Freund,ohne dessen Hilfe wir mit tausend Dingen nicht fertiggeworden wären. Dieser Joe wurde einesges plötzlich discharged, verliess uns und München , wir schriben ihm, und er uns, wirhickten ihm Kleingketen, aus denen er entnehmen konnte, dass wir an ihn dachten, aberjetzt ist der Faden plötzlich abgerissen. Vieleicht weiss er nicht, wohin er seie Briefeadressieren soll. Ich würde mich freuen( und er sich auch!), wenn Ihr von dort einmal Ver-bindung mit ihm aufn hmen wirdet. Er könnte Euch sehr viel erzählen, wie er uns hier an-traf, wie er uns half, welche Freude wir an ihm hatten, und wie traurig es eigentich war,dass er so plötzlich fortmusste. Wir versprachen ihm, ihn zu besuchen, wenn wir eimal driben sein sollten. Er wollte mit uns sein wie mit Bruder und Rohwester. Und da er wirklichein Prachtkerl ist, schreibt ihm dooh mal: Mr. Joseph Morissey, 112 Duncan Aue., Jersey City , 6, New Jersey .
Eine zweite, diesmal verwandte Linie: ein Veter von Maria mit Namen Sascha Greiner, amerikanischer Staatsbürger, drüben seit mehr als 15 Jahren, ist uns verlorengegangen. Als Ma-rias Mutter das letzte Mal von ihm hörte, lautete seine Anschrift: Mr. Alexander W.Greiner,Steinway Hall 109 West, 57th Street, USA , Er war Steinway - Vertreter und arrangierte instlerkonzerte. Reagieren wird er auf den Namen Adelhaid Neppert, das ist Marias Muter undseine Tante. Wenn Ihr darüber etwas feststellen könntet, wirdet Ihr Marias Angehörigen einegrosse Freude machen. Wenn Ihr ihn entdeckt, könnt ihr ihm folgendes mitteilensSeine Tante Adelhaid Neppert lebt in eiem Altersheim in Bad Pyrmont , sein Onkel Hermann Alexander Neppert ist im Herbst 1944 gestorben und liegt in Aargenau in der Nähe von Posen,wohin er evakuiert war und wo er wieder amtierte, begraben. Madlene ist zur Zeit arbeits-los und versucht, ehen Weg zu finden, um sich ihr ferneres Leben einzurichten. Musizieren