20. März 1946.
Liebe Tante Ida, lieber Onkel Robert, lieber Robert und vielleicht bist du als" Discharged" bereits engetroffen lieber Pauk,
eben habe ich einen drei Seiten langen Brief an Mi und Emil nach New York geschrieben, undda die Mitternacht schon längst vorüber ist, wird dieser Brief nur kurz, aber insofern in-haltsreich, als er eine ganze Reihe Bilder enthält, die Euch bestimat Pudude machen. Dieganz kleinen Bilder wurden gemacht, als Paul auf seiner Fahrt von Wien nach Idar- Oberstein in München für eine Nacht Quartier machte, und die anderen Bilder lessen wir jetzt extramachen, um sie an Euch drüben zu schicken,
Paul wird Euch erzählt haben, wie er uns hier angetroffen hat, was wir machen, wie wirversuchen, wieder Wurzeln zu schlagen, und wie es der übrigen in Deutschland zurückgeblie-benen Familie geht.
Inzwischen hat sich in meinem Leben einiges verändert, was hoffentlich nur vorübergehendist. Emil und Mi können Euch Genaueres darüber mitteilen, ich möchte es in diesem Briefnicht noch einmal tun.
Ich rechne nach wie vor ganz fest damit, dass es einmal möglich set wird, seine Angehöri-en wenn auch nur besuchsweise für kurze Zeit drüben aufzusuchen. Das ist der Tag, auf denich mich am meisten freuen. Es heisst hier, dass man sich schon jetzt anmelden kann, umeventuell schon im Herbst damit rechnen zu können. Ich will in den nächsten Tagen genaueErkundigungen einziehen, vielleicht ist irgend eine Bestätigung von drüben erforderlich,und das muss man sich rechtzeitig beschaffen.
Ich gab Euch einmal die Anschrift von Colonel H.E.Beine an. Solltet Ihr an diese Adressegeschrieben haben, dann ist leider bis jetzt nichts angekommen. Das beste wird sein, wennIhr Eure Antwort an Capt. Van Loon richtet, der sie mir dann weitergibt, obwohl ich dasgerade deshalb bisher vermeiden wollte, weil Van Loon ein so fabelhafter Mensch und fastwie ein Vater zu mir ist, sich in allen Dingen mit mir die grösste Mühe gibt und hilft,wo und wie er nur helfen kan. Aber gerade weil er anderen abgeschlagen hat, seine Anschriftzu benutzen, möchte auch ich so wenig wie möglich Gebrauch davon machen.
Das wird sich aber im Laufe der Zeit alles irgendwie regeln. Ich teile Euch das rechtzeitigmit, damit in unserer nun wieder aufgenommenen Verbindung keine spürbare Lücke eintritt.
Meine Frau Maria, die Euoh gerne alle kennenlernen will, und ich grüssen Euch alle gansherzlich und warten auf eine baldige Antwort an Euren