Akte 
Persönliche Korrespondenz
Entstehung
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Mrs Marie Juchacz

oder: Mr Emil Kirschmann 339 East, 173rd Str.New York 57, N.Y.

den 10. Januar 1946

Mein lieber Junge, liebster Fritz, heute morgen kam Dein Brief. Er istdatiert vom 19.Dezember.Endlich.Geschrieben hatten wir Dir am 5.undam 14.Movember.Die lange Pause stellte alle unsere Berechnungen, diewir aus der Erfahrung beim Briefwechsel mit Freunden haben, auf denKopf. Wir bekamen Angst, eine ganz gewoehnliche Angst, dass Dir noch nach-traeglich etwas unangenehmes passiert sein muesste.Was? das wussten wirnicht. Aber man hat solange Jahre in einer Welt gelebt, in der immer et-was unangenehmes passien konnte und auch passierte, dass man sich immerauf schlechte Nachrichten wappnete und auch hauefig solche bekam.---Meine Illusion war, dass Dein Kapitaen van Loon Dir sicher nicht nurunsere Briefe uebergeben- sondern Dir auch die Moeglichkeit geben wuerde,mit uns in Verbindung zu treten, vielleicht ueber seine Mutter.-- Dochgenug, es wird sich jetzt sicher ueber den Genossen Unterleitner- Muenchen,und ueber Langendorf ein, wenn auch nicht zu haue figer, doch etwa regel-maessiger Austauschergeben. Bitte nimm das wahr, so weit es irgend geht,es ist bis jetzt die einzige Moeglichkeit mit seinen Lieben und seinenFreunden in Verbindung zu bleiben. Man ist sich gegenseiting so weit ge-faellig, wie das irgend moeglich ist und wenn man selber diese Willig-keit hat, kann man sie ohne Skrupel von den Anderen annehmen.Wir stehen noch ganz unter dem starken Eindruck Deines Briefes, erwirkt auf mich noch so stark, dass ich noch nichts dazu sagen kann.Sowaere es vielleicht besser, 24 Stunden zu warten mit der Antwort.Aberich treffe mich heute abend mit Dr. Paul Hertz, von dem ich weiss, dasser einen Brief an Unterleitner mit sich bringen will, um diesen Briefzum Transport anzufuegen------ Dein Kapitan wird Dich vielleicht auchin den naechsten Tagen davon unterrichten, dass wir schon bei seinerMutter angefragt haben, ob etwas mit Dir ist.----- Da der Brief nichtlang werden wird, nur noch ganz sachlich: Lotte's Adresse: Duesseldorf-Oberkassel, Kaiser Wilhelm Ring.4--- Sie war ausgebrannt, hat jetzt dieerste Wohnung.---- Paul's Adresse: Inspektor, Heil- und Pflege- Anstalt,Gut zur Nette, Andernach / Weissenturm / Rh. Hanna Juchacz( bis zum Frueh-jahr noch mit den Kindern): Castelaun/ Hunsrueck , Hasenstr.131. Dannschadet es nicht zu wissen: Else Pfau, geborene Fey aus Saarbruecken ,sie wohnt Ensheim- Auerbache an der Bergstrasse, Darmstaedterstr.91- undLotti Fey, Saarbruecken , Graf Johann- Strasse 2. Das letztere sind Schwes-tern von Kaethe Fey, früher Saarbruecken , mit der wir hier in einer Ge-meinschaft lehen, die eiene Fortsetzung von Frankreich ist.--

Grenze ist, sich also auch von dort aus ein

pass Saarbrücken nicht weit von der Franz.& Marie

Briefwechseler

wichtig.

11. 7

wissen.

Unser Brief vom 5.11.hat Dir wohl den richtigen Eindruck vermittelt,dass wir hier sehr bescheiden leben. Aber trotzdem kannst Du, koennt Ihr,ruhig bescheidene Wuensche auessern. Wir haben- aus der Schicksals- Gemein-sehaft her, die uns mit sehr vielen Genossen aus dem Reich und vonder Saar her verband, sehr vielen von hier aus unter die Arme gegriffenund tun es noch, soweit wie moeglich, auch schon nach Deutschland herue-ber.--- Es wird bestimmt in den allernaechsten Tagen ein parcel anDich abgehenago¯XXXXXXXXXXXXXXXXX Ernst Langendorf ,der fuer so viele Kameraden der liebenswuerdige Bote gewesen ist, wirdsich uns in diesem Fall auch nicht versagen.---- Ich bin froh fuer Dich,dass Du nicht nur einen" Beruf", sondern augenscheinlich eine Berufunggefunden hast, das ist sehr viel. Und ich bin doppelt froh, dass Du einenLebenskameraden zur Seite hast, der Dir nicht nur tragen hilft( auch dasist schon sehr viel) sondern augenscheinlich ein rechter Kamerad durchDick und Duenn ist.--- Wie ist die Figur Deiner Frau, falls wir auch et-was an Kleidung und Waeschen schieken koennen. Deine Figur kennen wir.Zeichnet Eure Fuesse auf ein Stueck Papier und gebt ev.Spezialwuenschean. Wir werden erfuellen, was wir koennen---- Das ist alles fuer heute,mehr schaffe ich nicht.Nur noch ganz herzliche Gruesse.Wir hoffen sehr,dass uns unser Scsicksal mit Euch beiden zusammenfuehrt. Die grosse Mutti,X

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