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Ich arbeite vom fruehen Morgen bis spaet abends in meiner Dienststelle,die das gesamte im bayrischen Raum erbluehende Theaterleben lizenziiertund kontrolliert. Dazu gehoert natuerlich, dass man in alle Premieren deTheaters, Varietes und Cabarets hineingehen muss, und nicht nur in Muen chen , sondern auch in der naeheren und weiteren Umgebung. Gottseidanklaeuft mein kleiner Ford, der sich seit 1938 trotz Garagen- Zusammensturzganz gut gehalten hat und fuer den mir auch durch mein Office Treibstoffzur Verfuegung gestellt wird. Aber wenn man nicht aus Vergnuegen, sonderaus beruflichen ruenden dauernd ins Theater geht, ist das bestimmt keinVergnuegen mehr. Ausserdem macht der Buero- Betrieb sehr viel Arbeit. Abeler macht auch Freude, und deshalb fuehle ich mich sehr wohl in der augen-blicklichen Lage.des Ich moechte soooo gerne einmal und sei es auch noch so kurz mit mei-ner Frau zu Euch herueberkommen und Euch und Emil und Tante M1 in New York he suchen. Aber wann wird das einmal moeglich sein? Den beiden New-ress Yorkern moechte ich bei dieser Gelegenheit raten, auf keinen Fall an 1-nen Besuch in Deutschland zu dentén. Nicht etwa, weil die Lebensbedgen tatsaechlich so hart sind wie nie zuvor und dass die zugeteilten Ka-lorien nicht im geringsten ausreichen. Nein, wir sind hier selbst mituns noch nicht so weit, dass die Ideen, mit denen Emil und Tante Mi sichvielleicht tragen, sich nicht im geringsten verwirklichen lassen wuerden.Ob wir ueberhaupt einmal mit Erfolg den Weg zur guten Demokratie finden,ist ja nicht allein von uns abhaengig. Im Gegenteil: wir sind ein ge-schlagenes Volk, dom man ein Existenzminimum laesst, dessen, Leben abge-grenzt wird durch die Bestimmungen, die erst allmaehlich auf Grund derPotsdamer Beschluesse wirksam werden, wir leben in getrennten Zonen mitHozwar grndsaetzlichen, aber im Detail doch sehr unterschiedlichen alliier-ten Verwaltungs- und Aufbau- Begriffen. Und des Detail ist in diesen Din-gen ausschlaggebend fuer die Richtung der Entwicklung. Folglich laufendie Bestrebungen in die verschiedensten Richtungen, das heisst also:deutscherseits geht alles auseinander, anstatt zusammen. Wir sind im Be-griff, uns von der Demokratie so schnell und so weit zu entfernen wie niezuvor.- Es gibt zur Zeit eine sueddeutsche, norddeutsche, westliche undoestliche Demokratie, und ausserdem noch ein Vier- Zonen- konglomerat. Umvon einer Demokratie zur anderen hin eberzugelangen, wos geistig geschehen kann, ist aber auch der oertliche Grenzspaziergang notwendig. Undgibt es so viele Formulare, Barrieren, Hindernisse, Schwierigkeiten, dassjeder am liebsten auf seinem Stuehlchen sitzen bleibt, die Heende moeg-lichst in den Schoss legt, vom schwarzen Markt lebt und sich sagt: einpaar Dume, die die Fastanien fuer uns aus dem alliierten euer heraus-holen, wird es schon geben.
Ja, Ihr Guten, das ist nur eine Bruchteil- Skizze meiner Meinung und mei-ner Beobachtungen.
Und wenn ich trotzdem Optimist bin und auch bleibe, dann liegt das ebendaran, dass ich mich trotz meiner 37 Jahre noch sehr, sehr jung fuehle,und meine um zwei Jahre aeltere Frau Maria hat ein so wunderbares Tempe-rament und ist eine kuenstlerisch so begabte Frau, und innerlich genau scJung wie ich, dass ich fuer mich selbst und Maria nichts befuercute, sondern glaube, dass ich es richtig anfing, ale ich den Tatsachen nicht auswich, sondern so zupackte, wie es gerade erforderlich war.
Ich habe Ilaene. Crosse und schoene Plaene. Keine politischen Plaene. Wirsind noch unreifer geworden, als wir waren. Und ich bin kein politisch- fanatischer Aufllaerer. Ich will diesem Volk auf andere Art einmal unter diArme greifen. Durch Vermittlung des Schoenen, dass es selbst in den Schwesten Zeiten immer schon gegeben hat. Man muss nur in sich und in anderehineingreifen. Aber derueber beim naechsten Mal mehr.Seid alle herzlichst gegruesst von Maria und von Eurem