si ch eines Tages wieder legen.
Gott seidank hatteich in Muenchen in einem kleinen Haeuschen eine Bleibe, dieeinigermassen heilgeblieben war. Das Dach war einige Male herunter, Fensterund Tueren herausgefetzt, Waende zusammengebrochen, aber ich habe gute zweiMonate lang aufgebaut, mir unter Muehen das Material organisiert, Maria warauch bald nach meiner Heimkehr aufgetaucht und machte tuechtig mit. Jetztsind Waende und Deckan schneeweiss gekalkt, die Waende stehen, die Fenster-rahmen sind drin und haben sogar Doppelscheiben, das Dach ist gedeckt, derSchornst ein steht wieder gerade und raucht sogar ein bissel, weil ich imWald ordnungsgemaess ein paar Ba eume umlegte und nach Hause schleifte. Jetztla euft auch mein kleines Auto fuer mein Office, das den Krieg nur leicht be-schaedigt und leicht bestohlen ueberdauert hat, die arage ist wieder hoch-gebaut,-- und das alles unmittelbar nach der Katastrophe, bis heute, wo esnoch immer nichts gibt, kein Material, garnichts.
Aber ich gehe schon wieder mit einer Fuelle von Ideen schwanger, plane dieHerausgabe einer Kunst- Zeitschrift, schlage mich mit den scheinbar unueber-windlichen Scjwierigkeiten herum, und werde auch das schaffen. Weil ich esmir vorgenommen habe. Maria macht fuer eine Kleinkunstbuehne, die demnaechateroeffnet, Plakate, Programme und die Buehnenbilder, wir ersticken in Arbund verdien en dem Lohnnieveau entsprechend, und versuchen, das, was uns zudiesem oder jenem noch fehlt, eben durch ehrarbeit bis in die spaete Nachtnoch heranzuschaffen.
Heute kam nun Ernst Langendorf , er konnte mir nicht viel erza ehlen, weil erEuch lange nicht mehr gesehen hat, gab mir Tante Mi, s Brief und Emils ver-fielfaeltigtes Schreiben" Lieber Freund", und sagte, dass er an seine Adres-se ein Paket schicken lassen koennte.
Ich kenne Eure materielle Lage nicht, und es fa ellt mir deshalb auch schwer,irgend einen Wunsch zu aeussern; aber ich tue es trotzdem. Was uns am Lebenerhalten kann, ist: Kaffee, Tee, Zucker, Zigaretten, und nicht zuletzt Scho-kolade. Wir haben fuer insgesamt vier Monate jetzt wieder ein Pfund Zuckerbekommen, das andere gibt es nur auf dem schwarzen Markt, und die Preise koen-nen und wollen wir nicht bezahlen.-- Aber das ist nur ein ganz schuechterngeaeusserter Vorschlag.
Zu Wilhelm Hoegner werde ich in diesen Tagen gehen. Goldschagg arbeitet hieran der Sueddeutschen Zeitung . Kennt Ihr ihn? Ueber Paul Loebe war zu seinem70. Geburtstag ein langer Artikel in der Zeitung. Carlo Mierendorff ist, wieich erst jetzt erfahren habe, nach seiner Entlassung aus dem KZ irgendwann,gestorben, ob natuerlich oder umgebracht habe ich nicht feststellen ko enneLotte und Paul mit Familie habe ich ueber das Rote Kreuz suchen lassen, aberbis jetzt nichts gehoert. Vielleicht bekomme ich auf Grund Eur er Adressenan-gabe jetzt Nachricht. Ich habe sofort geschrieben. Paul be gegnete ich zumletzten Mal in Metz auf einer Fahrt aus Frankreich nach Deutschland , auf derferme St. Symphorien. Mit Lotte habe ich sehr eifrig korrespondiert und ausGriechenland einige Male in Duesseldorf angerufen, aber dann hoerte es auf,weil sie wahrscheinlich auf Wanderschaft ging, von einer ausgebombten Unter-kunft zur anderen.-Dr. Theo Haubach ist im Zusammenhang mit dem 22. Juli umgebracht worden.Wenn Ihr von irgend jemandem aus unserem frueheren Kreis hoert, der jetztwieder Fuss fasst, dann schreibt es mir. Ihr koennt noch ueber Capt.Van LoonsAnschrift berichten, oder ueber Langendorf. Ich selbst muss versuchen, ab undzu jemanden zu finden, der bereit ist, uns allen zu helfen.Von Onkel Roberts Sohn und meinem Cousin Paul bekam ich ueber Van Loon Post.V.L. hat ihm sofobt sehr nett geantwortet und ihm gleich einige Tips fuerWien und den grossen Bekanntenkreis gegeben, den V.L. dort hat. Jetzt warteich auf die naechste Antwort, oder auf das plaetzliche Auftacueh von Paul,der angekuendigt hat, dass er einen Trip nach Muenchen einmal versuchen will.Er hat auch meine Privatanschrift: Muenchen 9, Haselburgstrasse 6, Tel: 40857.Und meine Bueroanschrift: Muenchen , Renatastrasse 48.
Gebt Robert Kenntnis von diesem Brief, auch er hatte mir sofort geschrieben,und ich kann ihm nicht extra danken, weil ich Lengendorf nicht belasten will.Ich empfinde es sowieso schon als besonderes Geschenk des Schicksals, dassich nicht nur aus allem herausgekommen bin und meine Frau mir erhalten blieb,sondern dass ich auch weiss, dass Ihr lebt und dass ich ueberhaupt mit Euchin Verbindung sein kann. Schreibt recht bald, Ihr Guten. Und seid umarmt