Akte 
Persönliche Korrespondenz
Entstehung
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SCHLECHTE DEUTSCH .

L. FRITZ

D

BITTE STOLPERE NICHT ÜBER DAS

NACHSTE MAL WIRDS

BESSER

3

Mr. Emil Kirschmann 339 East 173 StreetNew York 57 N.Y.

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den 6. November 1945

Lieber Fritz,es war wirklich eine gute und liebe Ueberraschung, als unsRobert erst anrief und dann spaeter den Brief der Mutte Deinew" Boss "schickte. Bitte, sage Du Mr. van Loon noch einmal besonders auch in meinem( unserm) Namen herzlichen Dank. Mieze( Deine" grosse Mutti" haben wirmanches Mal grosse Froehlichkeit erzeugt, wenn wir die Geschich te erzaehl-ten, als Du als kleiner Junge bei Tietz in Koeln verloren gegangen warstund den um Dich besorgten Verkaeuferinnen weinend sagtest, als sie Dichfragten, ob Deine Mutter auch da sei:" Alle beede!" und auf die erstaunteFrage, ob Du zwei Muetter haettest, antwortetest:" Ja, ne grosse und ne kiяankleene") hat in ihrem Brief alles gesagt, was gefuehlsmaessig gesagt wer-den, kann. Sie schreibt einen guten Brief und alles was sie sagt, gilt auchvormir, rich tiger: fuer mich. Um sich gegenseitig das zu sagen, was nach denlangen Jahren der Trennung und des Erlebens in dieser Zeit wirklich gesagtwerden muesste und koennte, muesste man sich doch gegenueber sitzen. EineNacht reichte nicht aus. Ja, lieber Junge, es sind in diesem Fruehjahr elfJahre gewesen, als ich Dich betruebt von Saarbruecken nach Berlin zurueck-fahren liess. Ich habe das-Deine Rueckkehr nach Deutschland - damals undspaeter immer fuer Unsinn gehalten, konnte aber Deinen Argumenten, vor allemdem, dass nicht alle herausgehen koennten undeinige drinnen bleibenmuesstennichts durchschlagendes entgegen setzen. Und seither haben wir nichts mehrdirekt von Dir gehoert. Einige Male sahen wir Lotte in Saarbruecken undspaeter in Muelhausen- und sie erzaehlte uns einiges. Und spaeter noch ein-mal in einem Brief-wir waren schon in Amerika - von der Schwester Kaete'sDu seist in der Naehe von Paul, der damals schon zurueck in Metz war, Sol-dat. Ich will hier in Kuerzeer zaehlen, was wir erlebten.( Von Dir kommthoffentlich bald ein Brief mit Deinen Erlebnissen.) Nach dem Abstimmungsbe.trug an der Saar -es war ein Betrug und alle am damaligen VoelkerbundsratBeteiligten sind schuldig- emigrierten wir nach Frankreich . Wir, das sindMieze, Kaete( eine Schwester von Else Fey, die Dich einmal in Berlin besuchteich, Max Braun und Frau und Georg Denicke( Vielleicht ist Dir Georg Decker eher ein Begriff) und Max Hofmann, den Du wahrscheinlich in Saarbruecken augesehen undkennen lerntest. Es waren natuerlich viel viel mehr Leute, dievor den Nazis ausrueckyeen, aber ich zaehde nur die auf, mit denen wir inengstem Kontakt waren und zusammen lebten. Erst wohnten wir in der Naehe vorMetz , von dort gingen Brauns und Denicke nach Paris und wir mit Max Hofmannim Fruejahr 1936 nach Muelhausen. Dort arbeiteten wir, d.h. gaben unsere" Freigeits Korrespondenz", die sich im ganzen Ausland grossen Ansehens erffreute, heraus und machten illegale Arbeit. Muelhausen war ein guter Ort fueuns. Die Freunde dort waren ausserordentlich nett, hatten fuer unsere Ar-beit grosses Interesse und waren hilfsbereit bis zum aeussersten. Wir hat-ten Verbindungsstellen entlang der ganzen Westgrenze und ich war viel unterwegs; von der Schweiz bis Holland , Dabei hatte ich viele Kontakte mit Freunden von drinnen. Und so kam es, dass th mit meinem Freund Max Hofmann zu-sammen auch gerade als die Deutschen in Luxemburg , Belgien und Holland ein-brachen-am lo.Mai 1940- in Luxemburg war. Nur mit Glueck und mit Hilfe ei-nes Freundes-der mir uebrigens spaeter auch half, aus Frankreich heraus-zukommen- kamen wir wieder heil in Muelhausen an, Dort blieben wir bis zum14. Juni 1940, dem Tag an dem die Deutsch en in Paris einzogen, um in zehn-taegiger Flucht schliesslich in den Pyrenaen( in der Naehe von Pau ) zu lan-den. Dort, in einem gottverlassenen Dorf haben wir dann einige Monate