Akte 
Persönliche Korrespondenz und Erinnerungsstücke
Entstehung
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Unser Brief:

Liebe Freunde!

In diesem Monat wird unter eine Freund-schaft, die in den dunklen Jahren derinneren und äußeren Not begann, einSiegel gesetzt werden, das die Dauer undBeständigkeit dieser Beziehung verbürgt.Ich meine die Freundschaft zwischen zweiWohlfahrtsverbänden, von denen dereine in Amerika , der andere in Deutsch­ land seinen Sitz hat: Das Unitarian Ser-vice Committee( USC) Boston und derHauptausschuß der Arbeiterwohlfahrt( AW) in Bonn . Damals, vor mehr als10 Jahren, kamen Delegierte des USC zuuns nach Deutschland , um zu fragen, wiesie unsaußer materieller Hilfe- sonstnoch Beistand leisten könnten. Damalsbegann die Freundschaft, und sie fandihren äußeren Ausdruck in der Veranstal-tung einer langen Reihe von Seminaren.Zu diesen Seminaren sandte das USC er-fahrene Fachleute der sozialen Wissen-schaft und Praxis. Diese machten unsereMitarbeiter und Freunde, die in den vor-ausgegangenen Jahren der beruflichenIsolierung von der in der Welt vorge-gangenen Entwicklung ausgeschlossen ge-wesen waren, mit den Auffassungen undVorstellungen moderner Sozialarbeit be-kannt.

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Siebzehn solcher Seminare fanden in den-Jahren 1949-1953 statt, mehr als 450Männer und Frauen, von denen viele ansehr hervorgehobener Stelle der öffent-lichen Fürsorge oder der AW stehen,nahmen daran teil. Sie alle denken heutenoch mit aufrichtiger Dankbarkeit anjene Arbeitswochen zurück, in denen wirgemeinsam mit den amerikanischen Kol-legen uns bemühten, die sozialen Auf-fassungen und Inhalte der Vergangenheitzu analysieren, vor allem aber uns überdas klar zu werden, was in unserer Zeitnotwendig ist, um auch von der Seite dersozialen Arbeit her, die in den Menschenangerichteten seelischen Verwüstungenzu heilen.

Wir suchten gemeinsam nach neuen We-gen, nach Methoden, mit denen wir bes-ser und erfolgreicher helfen könnten, mitgrößerer Sachkunde, mit vertieften psy-chologischen Einsichten, nach pädagogi-schen Grundsätzen, die im Schmelzofender Erfahrungen und Einsichten unsererTage befreit worden waren von den Vor-urteilen einer überwundenen Zeit.

Wir wurden uns darüber einig, daß Hilfenur dann auch die Eigenkräfte des Hilfe-suchenden zu aktivieren vermag, wennsie in einer Weise geschieht, die den an-deren nicht demütigt, ihn nicht zum Al-mosenempfänger degradiert, sondern ineiner Art geleistet wird, die ohne Vorbe-halte, ohne Bedingungen gerade auch denGefährdeten, den schon Gestraucheltenbrüderlich annimmt.

Und wir suchten gemeinsam nach We-gen, wie auch im weiten Bereich der so-zialen Arbeit- die ja letzten Endes ausnichts anderem besteht als aus hilfrei-cher menschlicher Begegnung- durch dieArt und Qualität dieser menschlichenBegegnungen ein Beitrag dazu geleistet.werden könne, daß das Schreckliche, dasUnmenschliche der Vergangenheit sichnicht wiederholt. Die Würde des Men-schen, seine Freiheit müssen auch in dersozialen Arbeit respektiert werden, To-leranz als ein Wesenselement der Demo-kratie muß auch die Beziehung zum hilfe-suchenden Mitmenschen bestimmen.Diese und ähnliche Gedanken lagen allenÜberlegungen, auch den spezifisch fach-

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lichen zugrunde, über die in diesen 17 Semi-naren diskutiert, gestritten und gerungenwurde.

Mehr als 10 Jahre sind seit dem Beginndieser Zusammenarbeit zweier Wohlfahrts-verbände vergangen, die auf zwei verschie-denen Kontinenten beheimatet sind.Damals waren wir die ausschließlich Emp-fangenden. Wir haben weiter gearbeitet; wirhier, unsere Freunde in den USA .Und nunwerden wir uns in diesem Monat mit 12

nach einer Pause von 7 Jahren

amerikanischen Freunden wieder treffen.Wir werden vom 16.- 27. August in unseremZentralschulungsheim in Rösrath zusam-menkommen, um über die Probleme zu spre-chen, die die Welt von heute der sozialenArbeit stellt. Aber der Kreis wird größergezogen sein als in den Seminaren, die wirbis 1953 gemeinsam durchführten. Auch ausder Schweiz , aus Österreich , Belgien undEngland werden Persönlichkeiten aus denverschiedensten Bereichen der SozialarbeitGäste des Hauptausschusses der Arbeiter-

wohlfahrt sein; zusammen mit den Teilneh-mern aus der Bundesrepublik wird diesesInternationale Seminar für Sozialarbeit 70Personen umfassen.

Das Saatkorn, das vor mehr als 10 Jahrengelegt worden ist, ist aufgegangen und hatFrucht getragen. Könnten wir auf andereWeise besser danken?

In unserer Zeit und Welt, die, wie wir es indiesen Tagen wieder mit erschreckenderDeutlichkeit erfahren, sich in einem konstan-ten Zustand der Labilität und Gefährdungbefindet, brauchen wir nichts so notwendig

wie gute Beziehungen und Freundschaft zwi-

schen Menschen und Organisationen in allerWelt. Unser Seminar in Rösrath ist nur einkleiner Beitrag dazu, er erhält seinen Wertaber durch die Gesinnung, die alle Beteilig-ten beseelt.

Ihre

Glückliche Familien schaffen glückliche MenschenVon der Arbeit der Mütterschule der AW in Minden

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Mit Unterstützung des Sozialministe-riums des Landes Nordrhein- Westfalen ,des Landesverbandes Westfalen- Lippe,der Stadt und des Kreises Minden hatdie Arbeiterwohlfahrt, Bezirk östlichesWestfalen Kreis- und OrtsausschuẞMinden in der Stadt Minden eineMütterschule als institutionelle Einrich-tung der Familienpflege geschaffen.Diese Einrichtung wendet sich an alleMütter, die jungen und die alten Mütter,die, die das erste Kind erwarten, und die,die schon viele Kinder haben, die berufs-tätigen Mütter und die Mütter, die denVater mitersetzen müssen, die Mütter mitkleinen und die Mütter mit heranwach-senden Kindern, an Großmütter undFrauen, die ihren Beruf in der Familieausüben. Dazu kommen die Mädchenüber 18 Jahre und die Bräute, die auf dieAufgaben in Ehe und Familie zugehen.Ebenso wendet sie sich an die Väter undVerlobten, wenn Fragen und Aufgabendurchdacht und durchgesprochen werdendie unmittelbar die gemeinsame Verant-wortung von Mann und Frau betreffenwie Erziehungsfragen, Berufsfragen,staatsbürgerliche Fragen, Wohnungsfra-gen, Fragen der Freizeitgestaltung. Beiallem, was diese Mütterschule aus demLebens- und Aufgabenbereich der Fa-milie mitlebend und mitdenkend auf-greift, ist entscheidend, daß ein deutlichesBild in der lebendigen Begegnung mit denMüttern als Leitbild entwickelt wird, dasden Aufgaben der Familie in der heu-tigen Gesellschaft entspricht.

Diese Mütterschule macht ernst damit,daß sie eine Stätte der Erwachsenenbil-dung ist. Es geht gewiß auch um einereale Vermittlung von Kenntnissen undFähigkeiten, aber immer muß sie so ge-schehen, daß dabei eine innere Bildungsich vollzieht, die zu verantwortlichemselbständigem Handeln und echten Ent-scheidungen befähigt.

hove herke

Die Mütterschule soll Freude an der Fa-milie und an den Familienaufgabenwecken und entfalten. Sie muß dazubeitragen, daß die Familie in der heu-tigen Zeit einen neuen Aufforderungs-charakter bekommt. Darüber hinauswird sie allen Teilnehmern Gelegenheitgeben, sich in einer ihrem Alter, ihrerLebenserfahrung und ihrer Lebenssitua-tion angemessenen Weise für die Anfor-derung in Beruf, Ehe, Mutterschaft, Haus

und Familie fähig und bereit zu machen.

Nur glückliche Familien schaffen glück-liche Menschen.

Die im Kursus bereitete Mahlzeit vereinigtfröhlichen Tischrunde.die jungen Frauen und Mädchen zu einer

Fotos: Archivbild

Die Mütterschule Minden als Modell-einrichtung vermittelt in elf Kursusgrup-pen Kenntnisse und Fähigkeiten aufallen Gebieten des familiären Lebens.Vom Kochen über die Haushaltspflege,von der Erziehung über die Säuglings-pflege, vom Nähen bis zu Fragen der mo-dernen Geselligkeit spannt sich der weit-gehende Rahmen. Fragen der Kosmetikund der Körperpflege, Probleme des Um-ganges mit Menschen im Berufs- undPrivatleben und Anregungen, wie mitselbstgefertigten Kostbarkeiten nach ei-genem Entwurf das Heim verschönert