Akte 
Korrespondenz
Entstehung
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H. SCHOEMANN

3. Maerz 1947.

BRUXELLES , LE

50, AVENUE EUGÈNE PLASKY

TÉLÉPH. 34.22.63

Mrs. Marie Juchhacz

339 East 173rd Street

New York 57 N.Y.

Liebe Genossin Juchhacz,

Vielen Dank fuer Ihre Zeilen v. 27. Januar nebst Anlagen. UnsereAktion fuer die AW Koeln geht weiter und vor einigen Tagen konntenwir einem Lastwagen der Quaker, der fuer eine katholische Organisationnach hier gekommen war, 16 Ballen Kleidungsstuecke fuer die AWhinzufuegen. Naechsten Monat hoffe ich wieder einige 100 kg Nahrungs-mittel schicken zu koennen, aber wie bereits erwaehnt mit einer Hilfevon dort, koennte unsere Sendung eine bedeutend groessere Ausdehnungerfahren. Das International Rescue and Relief Committee, das ich inBelgien vertrete, hat ab 1. Januar sein Budget fuer Belgien ge-strichen. Ich bin noch in Verhandlungen, um wenigstens einen kleinenTeil der bisher fuer Belgien reservierten Summe zu erhalten; das er-schwert natuerlich auch die Situation hier, da einige Faelle hierexistieren, in denen unter allen Umstaenden geholfen werden muss unddas fehlt dann andererseits fuer den Kauf von Lebensmitteln fuer dieAW Koeln. Wenn ich von dort einen Betrag erhalten wuerde, koennteich z.B. auch bestimmte Textilien zu guenstigen Bedingungen kaufen,wie Kinderstruempfe, usw. usw. Blankschar sandte mir einige Fotos, dieich Ihnen einliegend zukommen lassen. Es handelt sich um die Weihnachtsveranstaltungen der AW Koeln, wo mehr als 3000 Kinder beschenkt undbewirtet wurden. Ein sudetendeutscher sozialistischer Genos aus Busseles sehr dreckig geht, hatte es sich nicht nehmen lassen, trotz Krank-heit mehrere Wochen Spielzeuge fuer die Kinder zu fabrizieren, dienatuerlich einen grossen Erfolg hatten.BL. schreibt mir soeben:" Abgesehen von dem Bericht ueber die Weihnachtsbescherungen, der Dirin naechster Zeit noch zugesandt wird, moechten wir heute schonsagen, dass es eine Freude war, die leuchtenden und lachenden Kinder-augen zu sehen, als sie die Geschenke und Liebesgaben aus Belgien inEmpfang nahmen. Wir haetten es den Spendern gerne gegoennt, dieseFreude persoenlich mitzuerleben." Seit mehreren Monaten habe ich einPermit beantragt nach Koeln auf ein paar Tage zu gehen, um persoenlichdie Weiterfuehrung unserer Taetigkeit hier zu besprechenund zufoerdern.

dem

Fuer heute verbleibe ich,

freundlichem Grussми

PS. Hans Dohrenbusch ist infolge einer Differenz als Geschaefts-fuehrer der AW Koeln ausgeschieden. Es ist mir von hier nicht moeglichdiese Angelegenheit zu beurteilen. Ich bedauere persoenlichwenn ein Genosse, den ich immer als einen aufrechten Menschen ge-kannt habe, der Solidaritaetsarbeit entzogen wuerde, insbesondere dader Kraeftemangel doch sehr gross ist.