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Korrespondenz
Entstehung
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Auszuege aus Briefen von Freunden aus Europa . Sie sind alle waehrend des Som-mers 1945 geschrieben. Wir bemuehten uns aus der Fuelle des Eingegangenen, dieAesserungen verschiedenster Art festzuhalten, soweit es der schmale Raum gestat-

tet.

"... der Krieg hat ein solches Elend ueber uns gebracht, wie Ihr es Euch glueck-licherweise kaum vorstellen koennt. Es geht soweit, dass wir die Existens von Dingen,die frueher eine Selbstversta endlichkeit waren, vergessen haben..."

"... ich brauche Euch nicht zu sagen, wie willkommen Eure Pakete sind, was siean Freude und Genues sen darstellen..."

"... Auch dieses Paket hat uns grosse Freude gemacht, da die Speisekammer beiuns selten" Vorraete" enthaelt, ist solch eine Sendung immer eine Erleichterung fuerein paar Tage... Als ich uns voller Freude einen richtigen Kaffee gemacht hatte, standploetzlich H. vor mir...( aus Bergen- Belsen zurueck..."

"... Die gezuckerten Mandeln waren die Freude der Maedels in der Schule, denKaffee und die Schokolade habe ich meinen Eltern mitgenommen... grosse Freude..., denTee habe ich behalten. Es kommt mir ganz unwahrscheinlich vor, so viele uns so kost-bare Dinge zu besitzen, von denen wir fasst vergessen hatten, wie sie schmecken undriechen..."

"... Das Gefuehl, wieder einmal Seife im Haus zu haben, um meine Dreckspatzenund die Wae sche ordentlich zu waschen.. Der Kaffee ist natuerlich reiner Luxus undich habe ueberlegt, ob ich ihn nicht besser fuer 500 Frs. verkloppen sollte und etwasnuetzliches dafuer kaufen. Der gute Kaffegeruch aber war staerker als meine Vorsaetze.""... Die 13 Jaehrige Ninette schrieb:" Als ich aus der Schule nachhause kam,sah ich gleich, dass Mama so anders dranblickte. Und als ich fragte: was gibt es denn?antwortet sie mit halber Stimme:" Uch, schau mal, was da auf dem Tisch liegt..." Oh,ich glaubte zu traeumen: Seife- Vorkriegsseife! Da liegen drei Stuecke, das eine weisswie Schnee, die anderen zartgruen, wie junges Gras. Waehrend ich wie angenagelt diesenSchatz anstaune, legt mir Mama die unglaublichsten Dinge auf den Arm: Pullover, Rockund Struempfe... Toll vor Freude schlage ich Rad, dann stuerze ich in den Garten undtobe mich aus. Als ich atemlos wieder herein komme, was sehe ich da auf dem Tisch?Schokolade! Schnell, schnell ist das rote Papier zerrissen, ich knabbere ein Stueck-chen.. Den Geschmack hatte ich schon ganz vergessen. Wie das gut ist... Und es gibt nochmehr schoene Sachen, die Sardinen, die wir heute abend essen sollen, Mama hatte sichschon den Kopf zerbrochen, was sie uns heute abend geben sollte. O, ich weiss nicht,wie ich Euch danken soll... Und die Mutter fuegt diesem Brief an:" Ninette mit ihrenLuftspruengen brachte das Haus beinahe zum Einstuerzen. Seit der" liberetion" hat eseinmal 125 gr. Schokolade gegeben. Ich teile die Freude ueber all die schoenen Sachenvon Herzen. Ihr solltet sehen, wie ich die Seife liebko se, denn die, die wir bekommenist unsagbar schlecht. Ich habe mich aber nur getraut sie fuer Dany( Baby von 6 Mona-ten, ein Maquis- Kind) zu gebrauchen, es waere mir wie ein Sakrileg vorgekommen, sieallgemein zu benutzen.." Und der Mann schrieb:"... wie sollen wir nur danken fuer diePakete, aus denen soviel Liebe, Freundschaft und Solidaritaet spricht..."

"... Ich moechte Euch das herrliche Paket bestaetigen. Ihr koennt Euch garnichtvorstellen, wie ich mich gefreut habe. Butter, Schokolade und die anderen wunderbarenSachen haben wir seit langen, langen Zeiten und nach qual vollen Hungerjahren nichtmehr gesehen. Ich wagte kaum davon zu essen, habe die schoenen Sachen immer wiederangeschaut, bis ich mir sagte ,, dass sie ja doch zum essen da sind. Vor einiger Zeitgab mir W. ein Stueck Seife ab, aus einem Paket, so weiss, so rein, so wohlriechend.Ich haette hinein beissen moegen und fand es fasst zu schade mich damit zu waschen..""... nach 5jaehriger Abwesenheit wieder in Paris . Wie ist hier alles so andersgeworden. Und doch, ich bin froh der drueckenden Einsamkeit entronnen und wieder un-ter Freunden zu sein. Sie ueberlebten die furchtbaren Jahre wie ich. Aber mancherfehlt... Durch Vermittlung von B. untersuchte mich ein tuechtiger Arzt... Unterer-naehrung, ich wiege 52 Kilo. Koennt Ihr Euch vorstellen wie ich aussehe? Der Arztverschrieb mir doppelte Fleisch- und Fettrationen... Aber-- am gleichen Tag bekam ichein grosses Paket von dem Freundeskreis des" Workmen- Circle", New York . Was ich dabeiemppfand kann ich kaum in Worten ausdruecken. Wie schoen zu wissen, dass noch Gleich-gesinnte jenseits des grossen Wassers an uns denken. Deshalb glaube ich, dass derGedanke der Internationalen Solidaritaet doch nicht ganz vor die Hunde gegangen ist.Sage allen meinen Dank..."

"... Das Paket, von Eurer Hilfsaktion stammend, war ganz wunderbar, und nochjetzt, nach fasst zwei Monaten zehre ich davon. Ohne solche Hilfe waere es kaum moeg-lich hier ehrlich zu leben und zum unehrlich leben reicht es auch nicht..."

"... Das erste Paket hat uns gut getan, wie freue ich mich auf das Naechste.Hauptsaechlich auf die Seife. Ach, wenn es Euch doch moeglich waere an Sp...( folgtAdresse) ein Coli zu schicken. Denen ist ganz besonders schlimm mitgespielt worden.Daran gemessen, sind wir noch lange nicht die Aermsten..."

"... Eben lese ich in der Zeitung, dass gewisse Lebensmittel bei Euch rationiertsind. So habe ich ein etwas schlechtes Gewissen. Bitte schickt nur, was es bei Euchausreichend gibt... Wir haben uns mit Eurer Hilfe schon wieder hochgerappelt und dasHerz funktioniert auch wieder besser..."

Aus dem Brief eines Genossen, der Gelegenheit hatte das franzoesisch besetzte