Markscheffel,
Paris
22.Febr.46
Liebe Grete eigentlich ist die Zeit noch nicht reif, um einen ganz orien-tierenden Brief zun zu schreiben. Es fehlen noch ein paar Tage.Aber da Duschriebst, dass Du anfang Maerz wieder rueber gehst, moechte ich nicht zuspaet kommen.-- Dank Dir fuer Deine Berichte, die ich gut verwenden konnte.Ueber das Historische Werden der AW sagt Dir ein klein Bischen der nocheinmal anliegende Artikel, sehr wenig, aber doch etwas.Heute muss man jadrueben von den Tatsachen ausgehen, die durch die Umstaende gegeben sind.So hoerte ich jetzt aus einwm Bericht, dass in den letzten Tagen oder Wochendie AW im amerikanischen Gebiet anerkannt worden ist. Das heisst: sie exislokal, arbeitete fleissig und mit Ideen, wurde aber vielfach ignoriert, stiertevon den Besatzungsbehoerden, teils aus Unkenntniss, teils aus Bequemlichkeit,teils aus anderen Gruenden. Von der" Charitas" und der" Inneren Mission "-auch" evangelisches Hilfswerk" genannt aus sehr durchsichtigen Gruenden.Mindestensfuehlten sich die Leute nicht verpflichtet die AW fuer die Beratungen mitden Behoerden zu nennen, wozu sollten sie sich eine Konkurenz aufladen, zumalsie nach ihrer Meinung doch dazu da sind, auch fuer die" Suender " mitzusorgen.--- Im englisch besetzten Gebiet soll, wie ich aus der gleichen Quelle er-fuhr, die AW( um anerkannt zu werden und zur Beratung mit herangezogen zuwerden) weniger Schwierigkeiten haben. In diesen beiden Zonen bereitet sichauch eine Zentralisierung vor- wie es ja auch notwendig ist, was Dir noch klarwerden wird, wenn Du weiter liest.--- In der franzoesischen Zone weiss derGuenther wohl besser Bescheid als ich.Aber der Berichterstatter ist von derAtmossphaere an sich, dort nicht sehr erbaut( ich meine von der allgemein-politischen) die natuerlich auf dieses Gebiet abfaerbt, wenn auch nicht ge-sagt werden kann, dass die AW ignoriert wird.---- In der Russischen Zone gibtes keine AW, aber ein sozialdemokratisches Wohlfahrts- Sekretariat, das abernotgedrungen seine sehr wertvolle und sachkundige Arbeit auf das Weichbildvon Berlin konzentrieren muss, das andere ist verschlossen.Was noch drauswird, muss uns die Entwicklung lehren, auch dies haengt mit dem Politischen zusammen.------ Seit einigen Tagen haben die Amerikanischen Hilfsorganisa-tionen die seit langem nachgesuchte Erlaubnis nach D.zu gehen. Nur eine klei-ne Vertretung, acht Personen fuer etwa ein Dutzend Brganisationen. Analogdieser Vetretung wird sich( in der Amerikanischen Zone) ein Ausschuss bilden,in dem neben neben Charitas und Innere Mission auch die AW vertreten ist,als zentrale Vertretung dieses Bezirks.Ob sich etwas aehnliches in der engl.Zone vorbereitet, kann ich nicht sagen, ich weiss nur, dass fit/ die Englaendeihre Organisationen( wahrscheinlich in einem viel groesseren Umfang zugelas-sen haben, sie sind schon taetig. Aber die Englaender haben nicht die Mittel,wie sie hier fluessig gemacht werden koennen und es werden wahrscheinlichnoch Verhandlungen gefuehrt von hoeherer Stelle, auf die von uns kleinenLeuten niemand einen Einfluss hat.---- Soweit ich unterrichtet bin, ist man-na sagen wir mal- bei Euch, nicht der Meinung, dass Transportmittel da sind,um vom Westen her in XXXXX Hilfsmittel heranzubringen.Wohl sei es- wie mirgesagt wurde, moeglich ueber die Grenzen der Am.Zone etwas herueber zu brin-gen, aber das geht dann von der Quote ab, die von hier aus fuer die Am.Zoneerlaubt wurde herueber zu bringen. Dies ist aber dann eine Sache von drue-ben, auf die wir wieder keinen Einfluss mehr haben.---- Hier sind erlaubt,durch die Hilfsorganisationen monatlich 2000 Tonnen an Fett- Milch- und Fleischprodukten, Kleidern, Schuhzeug und Medikamenten herueber zu schaffen.Mit diesegenerellen Erlaubniss ist jetzt- wie es scheint- auch fuer die verschiedenenOrganisatio nen, wie sie sich im Laufe der Monate seit dem engueltigen Sie-gestag herausgebildet haben, die Bahn frei fuer Sammlungen.Bisher konntenz.B.Organisationen unserer Art nur" unter der Hand" sammeln.Bisher ist je-der- ausserhalb der alten amerikanischen Wohlfahrtsorganisationen jede Er-laubniss versagt worden.-- Bitte, das soll auch der Guenther zur Kenntnissnehmen, das wird ihm den Schluessel fuer manches geben, was ihm vielleichtnicht ganz verstaendlich war.--- Zurueck zur Sammlung: Wenn wir das jetzt