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Entstehung
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Marianne Kühn

38, rue Léon Mignon

Mr.Marvin Stelman

The Workmen's Circle175 East Broadway,New York , N.Y. /USA .

Liebe Genossen,

Bruxelles III, den 18.Januar 1946.

JAN 25 1946

Ihre Adresse erhielt ich durch den Genossen HansSchoemann, den hiesigen Vertrauensmann des International Rescue andRelief Committee, der mir auch von Ihrem Rundbrief vom 15.10.1945Kenntnis gegeben hat. Weshalb ich mich an Sie wende, ist kurz fol-gendes: Wir brauchen eilige materielle Hilfe zur Durchführung einerhier startenden Solidaritäts- Aktion, deren Ergebnis sofort und un-mittelbar notleidenden Kindern unserer Kameraden in der Heimat zuge-führt werden kann. Es ist dies eine grosse Chance, und die Sacheverhält sich folgendermassen:

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Wie Sie inzwischen vielleicht wissen, ist mein Mann, Heinz Kühn , vor 4 Wochen nach Deutschland ( Köln ) zurückgekehrt. Soebenerhalte ich von ihm einen ausführlichen Bericht, in dem er die Notund das Elend unserer Genossen drüben schildert und ankündigt, dasser in aller Kürze und das kann jeden Tag sein für 14 Tage wie-der nach hier kommen wird, um die obige Aktion für deutsche Kinder,und zwar als Delegierter der Arbeiter- Wohlfahrt, durchzuführen; d.h.er will versuchen, in einer 14- Tage- Aktion soviel wie möglich anNahrung, Kinderkleidung etc. für die 2000 Kinder antinazistischerOpfer, die sie drüben betreuen, zu sammeln. Er wird mit allen Pa-pieren und Ausweisen versehen sein, so dass er auch Geld sammelnkann- was vonnöten sein wird, um etwas zu kaufen. Wir fangen nunhier schon mit der Vorarbeit an, um keine Zeit zu verlieren, da einganzer Lastwagen( von den Quäkern gestellt) rentabel gefüllt seinmuss und jedes zu ergatternde Bekleidungsstück, jedes Paket Nudelnetc. von grosser Wichtigkeit ist." Es herrschen viel Not und Elendhier unter den Genossen... Die Nazis haben die Keller voll Fressen,die anderen aber können verrecken! Und jedes Paket Nudeln findethier hungrige Münder...", schreibt Heinz.- Wir tun hier jetzt, waswir können, und jeder unserer Freunde gibt, was er nur irgendwieentbehren kann. Aber das genügt nicht; und was die Möglichkeiten,hier Gelder aufzutreiben, angeht, so sind diese, wie Sie selbst wis-sen werden, sehr gering, da ein grosser Teil der noch hier befind-lichen wenigen Genossen selbst von Unterstützungen lebt. Was dieHilfe seitens der belgischen Sozialisten angeht, so machen wir unshierüber sehr wenig Illusionen: die PSB( Sozialistische Partei Bel-giens) ist arm und jeder Sous, den sie bei ihren Mitgliedern heraus-holen kann, wird für den bevorstehenden Wahlkampf, der ungewöhnlichheftig sein wird, dringendst gebraucht.- Was tun? Wir beratschlag-ten und fanden, dass eine Hilfsmöglichkeit bei Euch liege, um anBargeld zu kommen, und zwar folgendermassen: