Akte 
Korrespondenz
Entstehung
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H.

SCHOEMANN

BRUXELLES, LE

3. Juni 1946.

50, AVENUE EUGENE PLASKY

TELEPH. 34.22.63

Mrs. Marie Juchacz

339 East, 173 Street

New York 57, N.Y.

Liebe Genossin Juchacz ,

Ich erhielt Ihr Schreiben v. 14.5. noch rechtzeitig genug, um dieGenossin Kuehn von seinem Inhalt in Kenntnis zu setzen. Sie kehrt nunendgueltig uebermorgen nach Koeln zurueck. Sie erhalten von ihr-viaRené Bertholet- einen détaillierten Bericht ueber den dritten Transport,der nun vor drei Tagen abgegangen ist. Wie Sie sicher wissen, sind esdie Quaker, die von drueben einen Lastwagen nach hier schicken und diealle" Autorisations" besitzen, um derartige Transporte durchzufuehren.Der letzte Transport war der groesste, der bisher abgegangen is und Siewerden aus dem Bericht der Genossin Kuehn ersehen, dass wir uns auchsehr viel Muehe hier gegeben haben, um Geldmittel fuer den Kauf vonLebensmitteln aufzubringen. Was die leuzthin an die Genossin Kuehngesand en$ 100,- angeht, so finden Sie einliegend Quittung fuer das" International Solidarity Committee". Der Betrag erscheint inder Ihnenvon Koeln zugehenden Abrechnung und wurde hier in Eipulver und Kinder-nahrung umgewandelt. Vor einigen Tagen erhieltich ein Schreiben vonHeinz Kuehn ; nachstehend einen Auszug:

" Es is hier mehr als tros los, vor allem in der Ernaehrung. Wenn dasso weiter geht, dann wird von Entnazifizierung keine Rede mehr seinkoennen, sondern nur noch von Renazifizierung! Wir stehen auf sehrschwerem Badяx Posten, und dabei haben wir stets Hunger. Ich bin ueberhaupt nur noch ein Ghandi.Von einer Versammlung zur anderen, von einerSitzung zur anderen. Es wuerde Spass machen, wenn man anstaendig er-naehrt waere. Ihr muesst uns von draussen materiell unterstue zen 1.mit Lebensmitteln 2.mit Zeitungen und Zeitschriften.Nachdem ich amletzten Sonn ag ohne Essen in zwei Versammlungen gesprochen hatte,wurde es mir in der driven blau und gruen vor den Augen, mitten imReferat Wir haben Genossen, die koennen nicht mehr bei icht lesen.Vitaminmangel. Anderen fallen die Zaehne reilenweise aus.Wir habenheute K.Z. Rationen, wie sie enst in der" normalen Zeit" waren. Dassagen alle, die Jahre drin waren.4 ziemlich duenne Scheiben Brot proag. Keine Kartoffel, kein Gemuese!"Jeder Kommentar hierzu ist ueberfluessig. Ich bin auch bereit trotz alleranderen Inanspruchnahme die" Lastwagenaktion" fuer die" Arbeiterwohlfahrt"Koeln von hier fortzusetzen, unter der Voraussetzung, dass Ihr von dortuns hierbei unterstuetzen koennt.Praktisch heisst das zwischen 200 und300 fuer jeden Transport. Die Sammlung hier geht weiter und wird ins-besondere durch diejenigen gespeist, die ein Interesse haben, ein Paketan ihre Lieben nach drueben zu senden. Hierbei handelt es sich um diedeutsch - juedischen Fluechtlinge-insbesondere" Mischehen" Ich sehe keinenGrund anderes zu handeln; da ein Grossteil dieser Lautehen nur" geben"wenn man ihnen einen" Diens" erweist. Sie bezahlen also gewissermassenden transport und helfen so denen, die keinen im" Ausland" haben.

2.BLATT